Den Tätern besser die Stirn bieten

Selbstverteidigung - Steigendes Interesse an Techniken, die rasch erlernt werden können. Übergriffe auf friedliche Bürger sind auch im Kanton Solothurn alltäglich geworden. Man kann sich professionell dagegen schützen. Aber längst nicht alle Angebote boomen.

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Ohne Selbstverteidigungstechniken, ist es oft, sich zu wehren.

Ohne Selbstverteidigungstechniken, ist es oft, sich zu wehren.

Oliver Menge

Julian Perrenoud

In Solothurn schlagen nachts mehrere junge Männer auf ein wehrloses Opfer ein und rauben es aus. In Olten verprügeln zwei Unbekannte einen Mann auf der Toilette und rauben ihn aus. Beinahe jedes Wochenende werden Nachtschwärmer auf den Strassen angepöbelt, bedroht oder zusammengeschlagen. Die Täter: meist aus Südosteuropa. Das Motiv: keines oder Geld. Die Folgen: oft schwere Verletzungen an Kopf und Bauch.

Doch die Opfer können sich wehren und aus ihrer hoffnungslosen Lage entfliehen. Dafür müssen sie professionell geschult werden. Auch in der Region gibt es eine Vielzahl an Angeboten von Selbstverteidigungskursen. Auffallend ist, dass die klassischen Kampfsportanbieter keinen grösseren Zulauf zu verzeichnen haben. In der Aikido Schule Solothurn zählt Leiter Kurt Schneeberger zwischen 10 und 20 Teilnehmer. Neuanmelder kommen oft nicht der zunehmenden Gewalt wegen: «Es geht ihnen darum, Sport zu treiben.» Sowieso funktioniere die japanische Bewegungs- und Selbstverteidigungskunst Aikido mit kurzfristigem Training nicht.

Steht Karateschule vor Aus?

Ähnlich klingt es bei Judo Kwai in Oensingen. Keine Zunahme wegen der Gewalt im öffentlichen Raum, konstant 75 Mitglieder und der Sport steht im Vordergrund. Was Leiter René Bobst auffällt: Viele haben keine Ahnung, wie aufwändig das Training ist. Bis ein Anfänger die wichtigen Techniken beherrscht, vergehen Jahre. «Gefällt ihnen Judo nicht, sind sie schnell weg. Heute ist das Angebot riesig.»

Geradezu glorreich ist die Vereinsgeschichte der Karateschule in Grenchen, die Kämpfer holten nationale und internationale Titel. Heute zählt die Schule zu wenige Teilnehmer, als dass sie für Leiter Luca Giovanni rentabel wäre. «Finanziell komme ich nicht raus», sagt er und verweist auf das sinkende Interesse. Obschon er 30 Teilnehmer betreut, plant er, die Schule zu schliessen. Denn er wolle nicht Monat für Monat mit seinem Lohn die Defizite begleichen.

Kampfstärke aus Israel

Einen Gegensatz zu den traditionellen Kampfsportarten bietet das Krav-Maga-Self-Protect- Training: Dieses ursprünglich von israelischen Sondereinheiten stammende System soll ermöglichen, rasch fortgeschrittene Techniken zu erlernen. Es ist auf Zivilpersonen wie Behörden ausgelegt und kombiniert Aikido, Karate, Judo, Jiu-Jitsu sowie Boxen und Kickboxen. Trainer Ali Aykac bietet in Solothurn seit acht Jahren Krav Maga an. Er wolle die Leute nicht mit falschen Erwartungen anlocken. Doch melden sich bei ihm viele, die angegriffen worden sind oder sich schützen wollen. In den letzten Jahren spürte Aykac eine deutliche Zunahme. Auch hier sei das Ganzkörpertraining ein langer Prozess, «aber gewisse Dinge lassen sich schnell erlernen.»

Schock und Angst überwinden

Wie soll ein Opfer in Konfliktsituationen reagieren? Indem es Widerstand und Stärke zeigt. Der Typ Mensch mit seinen Talenten und Defiziten bestimme, wie lange er brauche, Abläufe zu verinnerlichen, sagt Aykac. Das Erfolgsrezept von Krav Maga liegt in der Einfachheit der Techniken: Teilnehmer lernen sich mit dem zu verteidigen, was ihnen gerade zur Verfügung steht. Alter, Geschlecht und Körperbau spielen dabei keine Rolle, wie es heisst, denn schliesslich kann jeder Opfer eines Angriffs werden. Selbstsicherheit sei ein wichtiger Punkt der Selbstverteidigung, sagt Aykac. Aufkommende Angst bei Gefahr gelte es, zu kontrollieren. Durch das Training entwickeln Teilnehmer ein Gefahrenradar, das Konflikte frühzeitig erkennen kann. Sicher keine schlechte Idee für diejenigen, die nachts unbeschadet nach Hause kommen wollen.

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