Aids-Hilfe

Den Hot Boys ist kein Thema zu heiss

«Leider ja.» Die Frage, ob ein Welt-Aids-Tag in der doch so aufgeklärten Welt noch notwendig ist, muss Daniel Stolz bejahen.

Daniel Stolz, der Geschäftsleiter der Aids-Hilfe beider Basel (AHbB) weiss: «Die Bereitschaft, Safer Sex zu praktizieren, ist leider ins Wanken geraten.» Begünstigt werde das leichtsinnige Verhalten durch fehlendes Wissen: «Einfache Botschaften wie ‹Kein Sperma in den Mund› sind bei vielen immer noch nicht angekommen.»

Hot Boys

Die AHbB sieht deshalb einen Hauptteil ihrer Tätigkeiten immer noch in der Aufklärung der Bevölkerung. Besonders unter den Risikogruppen soll weiterhin auf die Gefahren aufmerksam gemacht werden. Eine dieser Risikogruppen sind die «MSM»: Männer, die mit Männern Sex haben. Hier setzt das Projekt «Hot Boys» an, das die AHbB lanciert hat.

Die Hot-Boys sind Männer, die dort präsent sein sollen, wo sich die MSM treffen. «Das Projekt ist sehr personenlastig», erklärte Stolz. Die Männer, die seit Herbst im Einsatz sind, wurden speziell für diese Tätigkeit ausgebildet. «Ziel ist, dass für die Hot Boys kein Thema zu heiss ist, um es anzusprechen.» Davon erhofft sich die AHbB gezielte Prävention, die einen Rückgang der gleichgeschlechtlichen Ansteckungen bewirken soll.

Neben der Prävention sieht die AHbB im Abbau von Vorurteilen gegenüber Infizierten eine weitere Aufgabe: Betroffenen soll dabei Unterstützung geboten werden. Der Verein LHIVE für Menschen mit HIV und AIDS betreibt dafür seit einem Jahr die Internetseite house34.ch. Laut Präsidentin Michèle Meyer dient die Plattform der Information für Betroffene: Infizierte können sich Rat holen und gegenseitig austauschen.

Medizinische Fortschritte

Neben Prävention und Solidarität ist auch die Früherkennung der Krankheit wichtig. «Bei 20 Prozent der HIV-infizierten Patienten erfolgt die Diagnose spät», mahnte Manuel Battegay, Professor für Infektiologie am Universitätsspital Basel. Ein guter Wert im internationalen Vergleich, der aber trotzdem verbessert werden müsse. Battegay plädierte dafür, dass bei medizinischen Untersuchungen häufiger auch auf eine HIV-Infizierung getestet werden soll.

Die Früherkennung ermögliche eine rechtzeitige Behandlung des Patienten, was zu einer günstigeren Prognose für den Krankheitsverlauf führe. Ausserdem werde so die Gefahr geschmälert, dass es zu weiteren Ansteckungen kommt.

In der Schweiz hat sich dank des medizinischen Fortschritts die Lebenserwartung vieler HIV-Infizierten nah an das Niveau der Nicht-Infizierten angeglichen. Mit zunehmendem Alter der Patienten nimmt dafür die Zahl der Begleitkrankheiten zu.

Unabhängig davon sei eine HIV-Infizierung auch sonst «nicht lustig», versicherte Meyer, die selbst betroffen ist. Man führe ein Leben in Abhängigkeit diverser Medikamente, deren Nebenwirkungen heftig sein können. Ausserdem führe eine Infizierung immer noch zu einer Stigmatisierung, was völlig falsch sei: «Infizierte sind Menschen wie du und ich.»

Der Verein LHIVE organisiert am 27. November ab 16 Uhr im Unternehmen Mitte einen Info-Tag. Der Welt-Aids-Tag ist am 1. Dezember.

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