Den (Amts)Schimmel satt

Schimmel - In der Küche von Motelbetreiber Alfred B. hat er keinen Seltenheitswert. (Symbolbild)

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Schimmel - In der Küche von Motelbetreiber Alfred B. hat er keinen Seltenheitswert. (Symbolbild)

Ein Wasserämter Motelbetreiber ist zum wiederholten Mal gebüsst worden, weil er die Hygienevorschriften missachtet. Er fühlt sich von den Behörden schikaniert und will nun seinen Betrieb schliessen.

Samuel Misteli

1200 Franken im Jahr 2004, 1300 Franken im Jahr 2005, 1800 Franken im Jahr 2006. Mit schöner Regelmässigkeit wird Afred B.* gebüsst, weil er die Hygienevorschriften in seinem Motel missachtet. Die jüngste - und bislang höchste - Busse sprach gestern das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt aus: 3600 Franken. Wegen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung sowie mehrfacher Widerhandlung gegen das Lebensmittelgesetz.

Die Bussenbeträge hätten sich nicht nach oben bewegt, hätte sich die Zahl der Keime und Bakterien in der Küche von B.s Motel nach unten bewegt. Sie tat es nicht: Im August 2007, nachdem eine Inspektion abermals Unapettitliches zutage gefördert hatte, wurde Alfred B. eine Verfügung zugestellt, die ihm Auflagen etwa bezüglich der Kontrolle der Lebensmittel machte. Zudem wurde eine Nachkontrolle angekündigt.

Kein Geld für weitere Angestellte

Keine Besserung indes, eine «massive Verschlechterung» stellte der Lebensmittelinspektor bei seinem neuerlichen Besuch drei Monate später fest. Er erstattete Strafanzeige. Vergebens: Der Bericht der bislang letzten Kontrolle im Dezember 2008 singt dasselbe alte Lied - massiv überschrittene Toleranzwerte, mangelhafte Reinigung, abgelaufene Lebensmittel, Schimmelbildung.

Das Fazit ist schnell gezogen: Motelbetreiber Alfred B. ist schlicht unbelehrbar. B. freilich legt Wert darauf, nicht mit der Hygiene, sondern mit den Behörden auf Kriegsfuss zu stehen. Die «Paragraphenreiterei», der Folge zu leisten ist, die «Papiertiger», mit denen man sich herumschlägt, die «Beschäftigungstherapie», die der Staat betreibt - dagegen leistet B. passiven Widerstand, indem er die Anweisungen der Lebensmittelbehörde stoisch ignoriert. Allerdings führt B. nicht nur ideelle, sondern auch ökonomische Gründe für seine Verweigerungshaltung an: Die Einkünfte seien schlicht zu gering, als dass er es sich leisten könnte, jemanden einzustellen, der ihn bei den Küchenarbeiten unterstützen würde.

Der Enthusiasmus ist dem 58-Jährigen längst abhanden gekommen und der Resignation gewichen. Für die Psychohygiene bleibt ihm noch der Sarkasmus: «Seit 28 Jahren führen wir dieses Motel, etwa 5000 unserer Kunden sind im Spital gelandet, weitere 5000 sind gestorben.»

Bald schon wird wohl ein Schlussstrich unter die verheerende Bilanz gezogen. B. hat die Tritte satt, die ihm der Amtsschimmel in regelmässigen Abständen verpasst, nun will er sein Motel nach fast drei Jahrzehnten schliessen - spätestens im Herbst. Dieses Theater, sagt, Alfred B., mache er nicht mehr mit.

Amtsrichter: «Es ist nicht sauber»

Lebensmittelinspektor Peter Gabi wird seinem renitenten Kunden keine Träne nachweinen: «Man bleibt an Ort und Stelle», klagte er vor dem Amtsgericht. Dessen Präsident Stefan Altermatt hörte sich die Voten des Motelbetreibers und des Inspektors an, um eine so simple wie zutreffende Schlussfolgerung zu ziehen: «Es ist nicht sauber.» Ergo: 3600 Franken Busse. Es könnte die letzte gewesen sein.

* Name von der Redaktion geändert

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