Ips
Den alten Römern auf der Spur

Rettungsgrabungen in Ipsach brachten weitere Teile einer römischen Villa ans Tageslicht. Entdeckt wurden auch fünf latènezeitliche Gräber sowie Grüngestein für die Produktion von Steinbeilen.

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Römer

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Solothurner Zeitung

Bruno Utz

«Dass es sich hier um eine privilegierte Wohnlage handelt, wussten schon die Leute in der Urgeschichte», sagte gestern in Ipsach Cynthia Dunning. Die Kantonsarchäologin erklärte, dass man im Gebiet Räberain/Römermatte schon 1830 auf den römischen Gutshof gestossen war. Bei von der Berner Regierung angeordneten Grabungen seien damals ein beheizbarer Raum (Hypokaust) und eine Strassenpflästerung zum Vorschein gekommen. Wegen

des Baudrucks seien in den letzten Jahren verschiedene Rettungsgrabungen durchgeführt worden. Jetzt seien erneut solche notwendig geworden, weil die Gemeinde weitere Parzellen erschliessen wolle. «Unsere seit April gemachten Funde bestätigten, dass hier eine römische Siedlung gestanden hat», so Dunning.

Villa-Mauer als Gemeindegrenze

Bei den neuen Grabungen sei man auf römerzeitliche Drainagen, Pfostenlöcher von Holzbauten und die Umfassungsmauer des Gutshofs (villa rustica) gestossen. Laut René Bacher, Leiter provinzialrömische Archäologie, muss die gesamte villa rustica etwa 170 Meter mal 450 Meter gemessen haben. Die jetzt freigelegte Hofmauer-Teile verlaufen parallel zu einem 1997 gefundenen Mauergraben. «Die sichtbare Südost-Begrenzung der Villa lebt noch heute in der Gemeindegrenze zwischen Ipsach und Bellmund weiter», so Bacher. Im Moränenuntergrund stiessen die Grabungsmitarbeitenden zudem auf Grüngesteine, die mit dem Gletscher aus dem Wallis an das Südufer des Bielersees transportiert worden waren. Spuren deuteten darauf hin, dass die Gesteine in der Jungsteinzeit (5500 bis 2200 vor Christus) für die Herstellung von Beilen gebraucht wurden.

Teil eines grösseren Friedhofs

Dass auch fünf latènezeitliche Gräber entdeckt wurden, bezeichnete die Leiterin Siedlungs- und Gräberfelderarchäologie, Marianne Ramstein, als «grosse Überraschung». Der Namensgeber dieser Epoche der jüngeren vorrömischen Eisenzeit, das Dorf La Tène, liegt zwar nur wenig entfernt am Ostende des Neuenburgersees, laut Ramstein waren solche Gräber in Ipsach bisher jedoch unbekannt. Aufgrund der gefundenen Beigaben glauben die Archäologen, dass es sich bei den Toten alles um Frauen beziehungsweise Mädchen gehandelt haben muss. In den beiden Erwachsenengräbern seien Sargspuren noch als Bodenverfärbungen erkennbar.

Viele offene Fragen

Sie vermute, dass die fünf Gräber Teil eines grösseren Friedhofs sein müssen. Weshalb die Bestatteten in drei Gräbern den Kopf nach Norden ausgerichtet hatten, in zwei jedoch nach Süden, wisse man nicht. «Wir können viele Fragen noch nicht beantworten», sagte Ramstein. Vielleicht könnten spätere Grabungen auf derzeit noch der Landwirtschaftszone zugewiesenem Land einmal Aufschluss geben. Die derzeitigen Grabungen dauern - «Überraschungen ausgeschlossen» (Bacher) - noch bis Ende März 2010.

Die Grabungen am unteren Räberain Ipsach sind übermorgen Freitag, von 15 bis 19 Uhr, zur Besichtigung offen.