Bejagung
Den Aargauer Wildschweinen gehts an den Kragen

Die Aargauer Jäger haben 2008 nicht nur so viele Wildschweine geschossen wie nie zuvor. Sie haben auch die richtigen Tiere erlegt und damit den Bestand spürbar dezimieren können.

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Wildschwein

Wildschwein

Aargauer Zeitung

Toni Widmer

1550 Wildschweine haben die Aargauer Waidmänner und -frauen in der Jagdsaison 2008/09 erlegt, 20 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2002. Damals wurden 1330 Schwarzkittel zur Strecke gebracht. René Altermatt, Leiter der Sektion Jagd und Fischerei im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) freut aber nicht nur die Menge. Für ihn ist ebenso wichtig, dass die richtigen Tiere geschossen worden sind.

«Die Population lässt sich nur dann unter Kontrolle halten oder sogar dezimieren, wenn möglichst viele weibliche Tiere und Frischlinge geschossen werden», sagt Altermatt. Schwarzkittel, erklärt er, würden sich rasant vermehren: «Bei idealem Klima und gutem Futterangebot wie hier im Mittelland beträgt die Fortpflanzungsrate bis zu 200 Prozent. Aus 100 Wildschweinen im Frühling können bis im Herbst 300 werden.»

Bestand deutlich reduziert

In der Abteilung Jagd und Fischerei hätten die hohen Abschusszahlen der vergangenen Saison vorerst aber nicht nur für Beruhigung gesorgt: «Wir haben uns gefragt, ob diese Abschussquote nicht vielleicht auch den Anfang eines erneuten Wildschwein-Booms bedeute», sagt Altermatt. Inzwischen zeigt sich, dass sich der Bestand deutlich verkleinert hat. Dazu beigetragen hätten aber nicht nur die gute Arbeit der Jäger, sondern auch der nasskalte Frühling 2009. Viele früh geborene Frischlinge überlebten den Kälteeinbruch im März nicht. Ein klares Indiz für die kleiner gewordene Population sind auch die aktuellen Abschusszahlen. Altermatt schätzt, dass im Jagdjahr 2009 nur noch rund ein Drittel der Wildschweine erlegt werden wie in der Saison zuvor.

Viele Schweine, viele Schäden

Je höher die Abschusszahlen in einem Jahr, umso höher die Schäden an den landwirtschaftlichen Kulturen. Das tönt auf den ersten Blick verwirrlich, ist aber logisch: «Wenn viele Wildschweine geschossen werden können, ist der Bestand auch entsprechend hoch und es ist mit vielen Schäden zu rechnen. Erreichen wir mit guten Abschusszahlen eine Bestandesreduktion, sind die Schäden erst im darauffolgenden Jahr geringer», erklärt René Altermatt. Für das Jagdjahr 2009 werden im Aargau Wildschweinschäden von 579793 Franken ausgewiesen. Davon entfallen 65 Prozent auf Wiesland, 22 Prozent auf Weizenfelder, 8 Prozent auf verschiedene Kulturen und 5 Prozent auf Maisfelder.
Die Schadensumme sei 2009 nicht weiter angestiegen, schreibt die Sektion Jagd und Fischerei in einer Medienmitteilung zum Thema. Ein exakter Vergleich mit dem Vorjahr ist wegen des vorgenommenen Systemwechsels allerdings schwierig. Bisher dauerte das Jagdjahr jeweils von März bis März. Seit dem 1. Januar 2010 ist das Jagdjahr mit dem Kalenderjahr identisch.

Die positiven Nachrichten von der Wildschweinfront sind für René Altermatt kein Grund, das Jagdgewehr beiseite zu legen. Das Futterangebot in den Wäldern sei derzeit so gut, dass sich da etwas entwickeln könnte: «Es ist wichtig, dass die Jäger bis im Frühling die Wildsaustrecke auf keinen Fall vernachlässigen», sagt er.