Schnee

Dem Winter die Liebe gekündigt

Winterlandschaft: Hans Bräm schneidet auf dem Dietiker Hof seines Sohnes die Bäume.

Winter im März

Winterlandschaft: Hans Bräm schneidet auf dem Dietiker Hof seines Sohnes die Bäume.

Alle wollen Frühling: Landwirte können ihre verschneiten Äcker nicht düngen, Weinbauern hoffen auf mehr Sonne für ihre Reben und Naturschützer wünschen sich wärmere Temperaturen für die Amphibien.

Von Bettina Hamilton-Irvine

«Eine echte Auferstehung, ein Stück Unsterblichkeit»: So sehnsüchtig beschrieb der amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau den Frühling. Und es scheint fast, als stünde die liebliche Jahreszeit momentan zuoberst auf der Wunschliste aller. Nach dem erneuten Wintereinbruch am letzten Wochenende mit Schnee bis in die Niederungen ist das Jammern über die Kälte allgegenwärtig, die Vorfreude auf wärmere Temperaturen gross.

Auch Albert Triaca, Bauer auf dem Dietiker Basi-Hof, wäre froh, wenn sich der Winter nun langsam aber sicher zurückziehen würde. «Wir haben jetzt wirklich mit dem Frühling gerechnet», sagt er: «Nachdem es am letzten Wochenende nochmals geschneit hat, ist nun alles stillgelegt.»

Triaca, der auf seinem Hof vor allem Ackerbau betreibt und unter anderem Weizen, Gersten, Raps, Kartoffeln und Mais anbaut, kann seine Felder im Moment nicht bewirtschaften. Eigentlich habe man nun düngen wollen, erklärt er. Doch nachdem jetzt wieder Schnee auf dem Acker liege, könne man natürlich keine Jauche darüber verteilen.

Weiter tragisch sei der Kälteeinbruch jedoch nicht, sagt Triaca. Viel schlimmer sei es, wenn es im Februar schon richtig warm werde und die Bäume bereits Knospen trieben und es dann nochmals gefriere, so der Bauer: «Dann ist der Schaden viel grösser.» Nun hoffe er sehr, dass es in den nächsten Tagen wieder wärmer werde, damit er mit seiner Arbeit fortfahren könne. «Ich bin zuversichtlich», sagt er.

Der Dietiker Landwirt Kurt Bräm, der vor allem Obstbäume mit Kirschen, Äpfel, Birnen und Zwetschgen hat, hofft ebenfalls auf baldige wärmere Zeiten. «Für die Bäume wäre es ideal, wenn der Frühling etwa in einer Woche käme», sagt er. Danach dürfe es dann aber nicht mehr kalt werden, erklärt er. Manchmal gäbe es schliesslich auch im April nochmals Frost, was dann schlecht für die Bäume sei.

Doch zurzeit seien er und sein Team - unter anderem hilft Vater Hans Bräm, dem der Hof früher gehörte, mit - sowieso noch mit dem Schneiden der Obstbäume beschäftigt, erklärt der Bauer. «Es ist besser, wenn man das machen kann, bevor die Vegetationszeit wieder anfängt. So stört es mich im Moment gar nicht, wenn es noch etwas kälter ist.»

Kein Problem sind die kälteren Temperaturen auch für die Reben, wie der Weininger Weinbauer Jakob Haug junior erklärt. Solange es nicht bitter kalt sei, nehmen die Pflanzen keinen Schaden, so Haug: «Wäre es nun plötzlich nochmals minus 12 Grad, würde dies den Reben sicher nicht gut tun.»

Aus Sicht des Weinbauers wären nun wärmere Zeiten und mehr Sonne willkommen. Denn: «Wichtig ist am Schluss die Temperatursumme über den ganzen Sommer verteilt.» Deshalb sei es auf jeden Fall gut, wenn es im Frühling rasch warm werde, so Haug: «Dann sind die Reben früher produktiv und produzieren viel Laub.»

Im Moment seien die Reben noch «in der Warteposition», sagt Haug. Sobald es warm werde, gehe es dann plötzlich sehr schnell: «Dann schiessen die Blätter nur so raus.» Die Reben seien definitiv bereit für den Frühling, so der Weinbauer: «Jetzt darf er dann schon langsam kommen.»

Das findet auch Adelrich Gartmann aus Urdorf - jedoch aus anderen Gründen. Gartmann ist Mitglied im Natur- und Vogelschutzverein Urdorf und engagiert sich dort bereits seit rund 20 Jahren besonders für die Amphibien. Eigentlich wäre jetzt bereits die Zeit gekommen, in der die Frösche und Kröten aus ihrem Winterschlaf erwachen und auf ihre Hochzeitsreise gehen. In grossen Scharen wandern sie dann zu Gewässern, um dort zu laichen.

Doch aufgrund der winterlichen Temperaturen in der letzten Woche sind die Amphibien im Moment nirgends zu sehen, wie Gartmann erzählt. Er habe diesen Monat immer wieder nachgeschaut, habe jedoch keine Frösche oder Kröten gesehen. «Entweder schlafen sie noch, oder sie sind unter die Räder gekommen», vermutet er. «Wenn sie einmal aus dem Winterschlaf erwacht sind, dann kann man sie nicht mehr zurückhalten», erklärt Gartmann. Dann hätten sie einfach den Drang und machten sich sofort auf den Weg zum Teich.

Das Problem ist jedoch: Da die Temperaturen in der vergangenen Woche regelmässig unter Null sanken, sind die Weiher in der Umgebung wieder gefroren. Das sei äusserst schlecht, so Gartmann, da die Tiere dann gar nicht ins Wasser könnten, selbst wenn sie den Teich erreichen würden. «So verlieren sie auf jeden Fall. Es ist gar keine gute Zeit für die Amphibien mit dieser Kälte.»

Problemlos mit dem Temperatursturz umgehen können jedoch die Wildtiere, wie Martin Peter, Jagdaufseher der Jagdgesellschaft Gubrist und der Jagdgesellschaft Oetwil, erklärt: «Ein paar Wochen mehr, in denen es kalt ist und Schnee hat, ist kein Problem.» Schliesslich liege der Schnee ja recht locker, so Peter: «Die Wildtiere, die im Limmattal leben, finden immer noch genug Futter.» Anders würde es aussehen, wenn es nochmals so richtig bitterkalt würde, sagt der Jagdaufseher. Bei einem Meter Schnee, minus 20 Grad und gefrorenem Boden würde die Situation für die Tiere langsam prekär.

Doch diese Sorge muss sich Peter wohl kaum machen: Für die kommenden Tage werden wieder wärmere Temperaturen prognostiziert. Wenn alles klappt, könnte es vielleicht sogar reichen, dass bis am 20.März noch ein paar Frühlingsgefühle geweckt werden. Dann beginnt dieses Jahr nämlich aus astronomischer Sicht offiziell der Frühling.

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