Dem Palais Noir steht nichts vor der Sonne

Das Reinacher Jugendhaus Palais Noir hat mehrere Jahre nach seiner Gründung um die Gunst der Bevölkerung kämpfen müssen. Heute ist die Institution anerkannt; sie feiert am Wochenende ihr 25-jähriges Bestehen.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Muriel Mercier

Das Palais Noir in Reinach gilt als «Durchlaufstation für Jugendliche in ihr Erwachsenenleben». So zumindest beschreibt Ueli Seelhofer das Jugendhaus, in dem er seit dessen Eröffnung vor 25 Jahren als Leiter arbeitet. Dieses Jubiläum feiert das Palais Noir morgen Samstag mit einem grossen Fest.

«Das Palais Noir bedeutet für die Reinacher Jugend einen Rückzugsort in eine ‹unstrukturierte Freizeit›», führt Seelhofer aus. Bis zu 35 Jugendliche und junge Erwachsene finden regelmässig den Weg an die Bruggstrasse 95, verbringen dort ihre freie Zeit in der Werkstatt, im Tonstudio oder beim Töggeli-, Tischtennis- und Basketball-Spielen. «Den Jugendlichen in Reinach fehlt bis heute ein Treffpunkt im Zentrum der Gemeinde», betont Seelhofer, der auch Mitglied der lokalen Jugendkommission ist.

Doch das Kerngeschäft der Mitarbeiter im Palais Noir ist die Beziehungsarbeit. Zwar wandle sich die Jugendkultur von Generation zu Generation - die Probleme der heutigen Jugend unterscheiden sich aber kaum von denjenigen der Erwachsenen. «Viele suchen das Gespräch mit der Jugendhausleitung, weil sie Angst vor ihrer Zukunft in der Arbeitswelt haben», sagt Seelhofer.

Rebellion im kleinen Rahmen

Die Idee zu einem Jugendhaus in Reinach entstand aus der Jugendbewegung der frühen 80er-Jahre heraus. In Basel, Zürich und Bern und unzähligen anderen Städten gingen die Jungen auf die Strasse, demonstrierten für einen Umbau der Gesellschaft - und vor allem für autonome Jugendzentren. Ein Teil der Reinacher Jugend stand dieser Entwicklung in nichts nach - bedingt durch die Grösse der Gemeinde aber natürlich im kleineren und gewaltloseren Rahmen.

Dennoch: «Die Jugendlichen haben wöchentlich Vollversammlungen organisiert, für ihr Jugendzentrum Unterschriften gesammelt und die alte Brauerei in Beschlag genommen», erinnert sich Seelhofer. Viele in der Gemeinde Reinach reagierten mit Ablehnung und Repression, fügt er an.

Um die Idee eines Jugendzentrums doch noch umzusetzen, wurde ein Verein gegründet. Dieser stellte in der Folge zwei Sozialarbeiter an. Der Spatenstich für das Jugendhaus erfolgte schliesslich im Jahr 1982. «Das Palais Noir stand lange Jahre im Spannungsfeld der Bevölkerung und der Gemeindepolitik. Es hielten sich halt auffällige Vögel hier drinnen auf.» Seit rund 15 Jahren sei die Beziehung zwischen Bevölkerung und dem Jugendhaus aber entspannt.

Der Idee treu geblieben

Geändert an der Führungsphilosophie des Palais Noir hat sich seit seiner Eröffnung vor einem Vierteljahrhundert nichts. Seelhofer und die inzwischen vier weiteren Mitarbeiter im Leitungsteam ermöglichen den Jugendlichen ein starkes Mitspracherecht. «Sie haben freie Hand über die Veranstaltungen, die sie durchführen. Wir organisieren die Programme mit den Jugendlichen zusammen.»

So haben denn auch ehemalige Besucherinnen und Besucher des Palais Noir die Verantwortung über das Jubiläumsfest vom Samstag übernommen. Mit den geladenen Bands erinnern sie sich an ihre Zeiten im Jugendhaus zurück: Unter anderem betreten die beiden extra für diesen Abend reformierten Basler Bands «The Spots» und «Chain of Command» die Bühne, die vor vielen Jahren ihre ersten Konzerte im Palais Noir gegeben haben. Auf dem Programm stehen zudem auch DJ Sets, Aktionen und Attraktionen aller Benutzer-Generationen.

5.12.2009, Türöffnung ab 20 Uhr. Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen kostenlos. Bar und Restaurant öffnen ab 19 Uhr. Am Nachmittag findet ab 16 Uhr ein Nachwuchstreffen statt. www.palaisnoir.ch