Dem ältesten Aarauer Baum geht es an den Kragen

In Aarau sind in den Jahren 2007 und 2009 alle Bäume auf dem öffentlichen Grund im Stadtgebiet systematisch untersucht worden. Jetzt steht fest, wie viele davon in den nächsten Jahren aus Sicherheitsgründen gefällt und durch junge Bäume ersetzt werden müssen.

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Aeltester Aarauer Baum muss gefällt werden

Aeltester Aarauer Baum muss gefällt werden

Toni Widmer

Kranke Bäume werden nicht überall durch junge ersetzt

Die höchste Konzentration von kranken Bäumen findet sich in Aarau im Franke-Gut. Angeschlagen sind dort 14 Bäume auf der dem Kanton gehörenden Parzelle zwischen der Entfelderstrasse und dem Fussweg, der durch den Park führt (siehe Skizze oben). Es handelt sich dabei um Ahorn, Fichten, Robinien und Tuja, die an Stockfäule, doppeltem Giebel (getrennte Stämme), absterbenden Kronen oder Pilzbefall leiden. Ein Grund für den schlechten Zustand ist zum Teil auch der Umstand, dass diese Bäume einst mit deutlich zu wenig Abstand gesetzt wurden. Das will man künftig berücksichtigen und kranke Bäume nur dort vollumfänglich ersetzen, wo die neuen genügend Platz und Licht für eine gesunde Entwicklung haben. Der Bestand im Franke- Gut ist relativ jung. Die älteren Bäume sind 60 bis 80 Jahre alt, die jüngeren lediglich 20 bis 40 Jahre. Am Ersatz dieser Bäume beteiligt sich der Kanton, die Fällaktion erfolgt in Absprache mit den Verantwortlichen der Sektion Strassenunterhalt im Departement Bau, Verkehr und Umwelt.
Etwas älter als der Baumbestand an der Entfelderstrasse sind die Linden auf dem Viehmarktplatz (Bild links). Man schätzt sie auf rund 80 bis 100 Jahre. Eine davon hat starke Fäulnis im Wurzelbereich und kann kaum mehr Nährstoffe aufnehmen. Zu helfen wäre ihr auch mit einer künstlichen Nährstoffzufuhr nicht mehr. Die Linde stösst mittlerweile so viel Holz ab, dass sie wegen der herunterfallenden Äste für Passanten und Gäste in der Riviera-Gartenwirtschaft zur Gefahr geworden ist. Der Baum soll durch eine junge Linde ersetzt werden.
Ein junger Nussbaum soll das markante Ahorn-Trio ersetzen, welches beim Kindergarten Binzenhof steht. Auch diese zwischen 50 und 60 Jahre alten Bäume sind wegen ihres schlechten Zustandes zur Gefahr für Passanten und insbesondere spielende Kinder geworden. Schäden haben die drei Ahorne vor allem im Kronenbereich, wo sie von einem Pilz befallen sind. Dagegen gibt es offenbar kein Rezept. Im Weiteren kommt sich das Trio auch gegenseitig in die Quere: «Durch den Wurzeldruck stossen sich diese Bäume auseinander, was an ihrer Neigung in verschiedene Himmelsrichtungen gut zu erkennen ist», erklärt Stadtgärtner Siegfried Peier.
Gefällt werden die 75 akut kranken Bäume auf dem Aarauer Stadtgebiet im Februar und März durch die Mitarbeiter von Bauamt und Forstamt. (to)

Die Untersuchung hat weiter ergeben, dass rund 200 Bäume angeschlagen sind und in den nächsten drei bis vier Jahren durch junge Bäume ersetzt werden müssen. Rund 75 davon sind sogar so krank, dass ihnen die Fachleute vom Forstbetrieb Region Aarau aus Sicherheitsgründen noch in diesem Winter mit der Motorsäge zu Leibe rücken müssen. Die demnächst zu fällenden Bäume sind grösstenteils abgestorben, haben entweder massive Sturmschäden, Wurzel- und Stammfäule oder fortgeschrittene Faulstellen in der Krone. Zudem stehen sie auf Plätzen, die von viel Publikum frequentiert werden. Für die Passanten könnte es bei starkem Wind gefährlich werden, weil morsche Äste zu Boden fallen oder allenfalls ganze Bäume umstürzen könnten.

Markante Bäume sind krank

Unter jenen Bäumen, für die es keine Rettung mehr gibt, befinden sich leider einige besonders markante Exemplare. So die Herzog-Eiche im Herzoggut (siehe Bild rechts). Das Alter dieses Baums mit dem stattlichen Stammdurchmesser von 6,5 Metern lässt sich erst nach der Fällung exakt bestimmen. Fachleute schätzen es auf 200 bis 300 Jahre, die Eiche gilt allgemein als der älteste Baum im Aarauer Stadtgebiet.

Kränkelnd ist sie schon seit Jahren: «Der Zustand der Herzog-Eiche war schon ein Thema, als ich vor 28 Jahren meine Stelle in Aarau angetreten habe», erinnert sich Werkmeister Urs Kern. Stadtgärtner Siegfried Peier erläutert, warum es keine Rettung mehr gibt: «Die Eiche ist über Jahrzehnte unter Beizug von Fachleuten regelmässig fachkundig gepflegt worden. Mittlerweile hat sich ihr Zustand aber so stark verschlechtert, dass wir sie fällen müssen. Alles andere wäre aus Sicherheitsgründen unverantwortlich.» Die Herzog-Eiche ist unter anderem vom Brandkrustenpilz befallen. Ein Teil ihrer Äste musste bereits mit Stahlseilen gesichert werden.

Im Schnitt 100 Jahre alt

Ebenfalls aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen eine der markanten, rund 80-jährigen Linden auf dem Viehmarktplatz, eine rund 200 Jahre alte Roteiche beim Zigeunerplatz im Schachen sowie die gegen 60 Jahre alte Ahorn-Dreiergruppe vor dem Kindergarten Binzenhof. Ersetzt werden müssen weiter 14 Bäume beim Franke-Gut. Sie stehen zwischen der Entfelderstrasse und dem Fussweg auf einer Parzelle, die dem Kanton gehört. Die Fällung und Verjüngung erfolgt in Absprache mit dem Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

Es sei das erklärte Ziel der Stadt Aarau, den Baumbestand langfristig zu erhalten, sagt Thomas Hossli von der Umweltfachstelle Tiefbau im Aarauer Stadtbauamt. Im Baumkataster, der Bestandteil des geografischen Informationssystems (GIS) ist, seien jetzt nicht nur alle Bäume im Stadtgebiet standortmässig erfasst: «Wir kennen dank den systematischen Untersuchungen durch den Baumsachverständigen Bruno Dreier auch ihren Zustand. Das erlaubt uns, Unterhalt, Pflege und Ersatz der Stadtbäume noch besser zu planen als bisher.»

Ein Stadtbaum, erläutert Hossli weiter, werde im Schnitt rund 100 Jahre alt. Um den Bestand zu sichern, müssten künftig im Sinne einer Verjüngungsmassnahme jährlich etwa 25 bis 30 Bäume gefällt werden. «Der Baumersatz erfolgt nach Möglichkeit am ursprünglichen Standort oder an geeigneter Stelle», sagt Hossli.

Resistentere Bäume gefragt

Einige traditionelle Baumarten werden allerdings künftig weniger angepflanzt und mit der Zeit in der Innenstadt nicht mehr so häufig anzutreffen sein. Für einige Arten stimmen laut Stadtgärtner Siegfried Peier die Umweltbedingungen im urbanen Raum nicht mehr. «Die Sommer sind allgemein heisser und trockener geworden. Dazu kommen die Verringerung der Grünflächen, die zunehmende Versiegelung der Böden sowie die vermehrte Wärmeabstrahlung von Gebäuden. Dieses veränderte Mikroklima behagt nicht mehr allen traditionellen Laubbäumen.» Vermehrt gepflanzt würden künftig Bäume, die gegen Trockenheit und Hitze resistenter seien.