Frankreich
Defektes Weichenteil könnte Zugunglück bei Paris verursacht haben

Ein Defekt an einem Weichenteil könnte die Ursache des schweren Zugunglücks bei Paris sein. Bei dem Unglück am Bahnhof von Brétigny-sur-Orge waren am späten Freitagnachmittag mehrere Waggons eines Intercity-Zuges aus den Gleisen gesprungen.

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Rettungskräfte suchen in der Nacht nach Überlebenden
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Rettungskräfte beim Bahnhof Brétigny-sur-Orbe, wo es am Freitag zu einem schweren Zugunglück kam

Rettungskräfte suchen in der Nacht nach Überlebenden

Keystone

Alle vergleichbaren Weichenteilte an anderen Orten würden nun kontrolliert, sagte SNCF-Bahnchef Guillaume Pepy an einer Pressekonferenz von Samstag.

Das schwerste Zugunglück in Frankreich seit 25 Jahren hatte sich am späten Freitagnachmittag wenige Kilometer ausserhalb von Paris ereignet, als der Intercity-Zug mit 385 Passagieren am Bahnhof von Brétigny-sur-Orge im Département Essonne entgleiste. Mindestens sechs der Reisenden starben. Dutzende Menschen wurden verletzt.

Der Zug war auf dem Weg von der Hauptstadt in das knapp 400 Kilometer weiter südlich gelegene Limoges.

Defekt an Radwerk oder Gleisen

Nach Angaben der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF entgleiste der Zug 200 Meter vor der Bahnhofseinfahrt auf Höhe einer Weiche.

Zum Unglück kam es am Freitagabend im Bahnhof von Brétigny-sur-Orge
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Bahnhof von Brétigny-sur-Orge
Der Zug wurde in zwei Teile gerissen, als er in den Bahnhof einfuhr.
Ein Teil ist weiter gerollt, der andere kippte auf dem Bahnsteig zur Seite.
Ein Teil ist weiter gerollt, der andere kippte auf dem Bahnsteig zur Seite.
Zugunglück in der Nähe von Paris
Rettungscrew vor Ort

Zum Unglück kam es am Freitagabend im Bahnhof von Brétigny-sur-Orge

Keystone

Laut einem Polizisten fuhr der Intercity "mit grosser Geschwindigkeit" in den Bahnhof ein, als er in "zwei Teile gerissen" wurde. Ein Teil des Zugs sei weitergefahren, der zweite Teil mitsamt den Passagieren auf den Bahnsteig gerast und dort umgestürzt. Die Wucht des Aufpralls war so gross, dass noch hunderte Meter weiter Trümmerteile in der Ortschaft verstreut lagen. Überhöhte Geschwindigkeit als Unglücksursache schloss das Verkehrsministerium dennoch aus.

Dass sich keine noch grössere Katastrophe ereignete, war laut SNCF wohl allein dem Lokomotivführer zu verdanken: Als er das erste Holpern des Zuges bemerkte, habe der Mann rasch alle Warnsysteme aktiviert und dadurch den Schienenverkehr in der Gegend gestoppt. Pepy zufolge verhinderte er damit einen Frontalzusammenstoss mit einem entgegenkommenden Zug.

Doch auch so bezifferte Regierungschef Jean-Marc Ayrault die vorläufige Opferbilanz gegen Mitternacht auf sechs Tote und 30 Verletzte, darunter acht Schwerverletzte. Kinder waren einem Sanitäter zufolge nicht unter den Leichen.

"Apokalyptischer Anblick"

Brétignys Bürgermeister Bernard Decaux sprach von einem "apokalyptischen Anblick". Ein Zugpassagier sagte der Nachrichtenagentur AFP, als er sich aus dem Waggon befreit habe, habe er über "eine Person steigen müssen, deren Kopf abgerissen war".

Ein zufällig am Bahnsteig stehender Augenzeuge konnte den Anblick der eingeklemmten Opfer nur schwer ertragen. "Ich habe gezittert wie ein Kind. Menschen haben geschrien, ein Mann war über und über mit Blut bedeckt", sagte er der AFP. "Es war wie in einem Kriegsgebiet."

Präsident François Hollande begab sich noch am Abend zur Unglücksstelle, an der rund 300 Feuerwehrleute, 20 Ärzteteams und acht Rettungshubschrauber im Einsatz waren. Hollande zufolge dürfte die Identifizierung der Opfer noch "sehr lange" dauern.

Das Unglück von Brétigny-sur-Orge ist die grösste Zugkatastrophe in Frankreich seit 1988. Bei einem Unglück im Pariser Bahnhof Gare de Lyon waren damals 56 Menschen ums Leben gekommen.