Bielersee
Dasen macht aus Fischen Strom

Der Gerolfinger Stefan Dasen ist einer der noch acht Berufsfischer vom Bielersee. Die Fischerei habe sich stark gewandelt, sagt der «Bauer des Sees» und Präsident des Berufsfischerverbands Bielersee.

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Fischer

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Grenchner Tagblatt

Bruno Utz

Früher hätten die Bielersee-Fischer ihre Fänge direkt vom Boot aus verkauft. Sie hätten sich vor allem dem Fischen und der Netzpflege gewidmet. «Als Nebenerwerb hatten viele Fischer noch eine Kuh oder Ziegen im Stall, oder sie bauten Reben an. «Heute ist unser Beruf vielseitiger, aber auch anspruchsvoller geworden», sagt Stefan Dasen (39). Er ist einer der noch zehn Berufsfischer, die ein Bielersee-Patent besitzen. «Zwei über 80-Jährige sind aber nur noch ‹Schönwetterfischer›. Wir sind noch acht, die mit dem Fischen den Lebensunterhalt verdienen.» Zur «Fischerei Dasen» gehörten noch seine Frau Anita und die Eltern. In Gerolfingen gebe es noch einen Fischereibetrieb, weitere drei befänden sich in Lüscherz und zwei in Ligerz.

Keine neuen Tierschutzgesetze

«Mit der übrigen Landwirtschaft haben die Berufsfischer mehr gemeinsam, als viele denken: Aufzucht, Absatz, Hochwasserprobleme oder Trockenheit sind Themen, die Bauern vom Land und vom See beschäftigen», sagte in Gerolfingen Béatrice Struchen. Dass die Bauern sich immer mehr der Hege und Pflege der Natur annähmen, gelte heute als selbstverständlich. Die SVP-Grossrätin und Präsidentin der Landwirtschaftlichen Organisation Seeland (LOS) erinnerte auch an die Tierschutzgesetzgebung, von der beide Bauern-Gruppen betroffen seien. «Wir wollen nicht zurück zu den Zeiten der Batteriehühner, denn wir lieben unsere Tiere so sehr, wie es die Konsumenten tun», stellte LOS-Bauer Daniel Weber dazu fest. Am Anfang einer Gesetzesverschärfung stünden stets die Idealisten. «Einige Bauern versuchen, mit
einem neuen Label einen Mehrwert zu schaffen. Anfänglich entsteht daraus eine Win-win-win-Situation: Die Bauern sind zufrieden, weil sie für das Label-Produkt einen höheren Preis erhalten, die Konsumenten über die bessere Qualität und die Tiere sind noch glücklicher.» Doch eines Tages komme jemand auf die Idee, dass alle Tiere von diesem erhöhten Wohlbefinden profitieren sollten. Weber: «Dann braucht es nur noch ein paar übereifrige Politiker und schon wird das Premium-Produkt zum Standard.» Das jetzige Tierschutzniveau sei sehr hoch und genüge, eine weitere Verschärfung mit Mehrkosten und Mehraufwand sei nicht nötig. (uz)

«Kiemenschnitt ist praxisfern»

Die Landwirtschaftliche Organisation Seeland (LOS), die die Berufsfischer neu in ihren Verband aufgenommen hat, hat zu Besuch bei Familie Dasen eingeladen. «Wir sind die Bauern des Sees», erklärt Fischwirt Dasen und zieht Parallelen. Vom neuen Tierschutzgesetz seien auch die Fischer heftig betroffen. «Das Töten mit dem Kopfschlag gilt nur noch als Betäubung. Fische müssen neu ausbluten wie Säugetiere.» Der dafür notwendige Kiemenschnitt sei aber praxisfern. «Mit einer Hand halten wir das Netz, mit der anderen lösen wir den Fisch daraus», deckt Dasen das Problem der fehlenden dritten Hand auf.

Trotzdem blickten die Bielersee-Fischer mit Zuversicht in die Zukunft. «Schweizweit gehört der Bielersee zu den besten Fischgewässern. Mit einem Hektaren-Ertrag zwischen 30 bis 40 Kilogramm lande der Bielersee - meist hinter dem Sempachersee - in der Statistik jeweils auf dem zweiten oder dritten Rang. «Dieser Erfolg ist aber nicht gratis», sagt Dasen. Die Berufsfischer lieferten der kantonalen Brutanstalt in Ligerz jährlich zwischen 60 bis 100 Millionen Felchen-Eier und 3,5 bis 5 Millionen vom Hecht. «Wir haben uns zur Laichfischerei verpflichtet, weil die Naturbrut für diese zwei Fischarten mangels Laichplätzen nicht mehr funktioniert.»

Felchen top, Egli ein Flop

Rund 100 Tonnen Fische zögen die Berufsfischer jährlich aus dem Bielersee. Weitere 30 Tonnen die Hobbyfischer. Der Felchen sei mit 60 bis 70 Tonnen der «Brotfisch». Dann folgten mit 15 bis 18 Prozent die Weiss-fische. «Das Egli, das alle kennen und essen wollen, macht nur noch rund fünf Prozent, in guten Egli-Jahren zehn Prozent unserer Fischfänge aus.» Dasen: «Die Chance, ein Schweizer Egli auf dem Teller zu haben, ist klein.» Gesamtschweizerisch steuerten die rund 200 Berufsfischer noch knapp fünf Prozent am gesamten Fischkonsum bei. Dieser liege bei sieben Kilo pro Jahr und Einwohner.

Bio-Strom aus Fischsuppe

«Wir sind nur noch Nischenproduzenten», sagt Dasen. Deshalb hätten die meisten längst mit der Direktvermarktung begonnen und in die entsprechenden Maschinen investiert. Mit seinen Fängen bediene er Restaurants in der Region und verkaufe Fische im eigenen Laden. Die Produktpalette ist breit, wie ein Blick auf die Preisliste zeigt: Die Dasens bieten ganze und halbe Fische, filetierte mit oder ohne Haut und geräucherte an. Die gesamte Wertschöpfung erfolge im eigenen Betrieb. Seit einigen Jahren verwertet Dasen sogar alle Abfälle. «Ich mache Fischmehl oder eine Fischsuppe daraus.» Das Mehl liefere er einem Bauern zur Fütterung von Muttersauen, aus der Suppe produziere eine Biogas-Anlage Strom.