«Das wird gewaltige Emotionen auslösen»

Langjährige, treue Mitglieder sind die Stützen eines jeden Vereins. Einer von ihnen ist Hansruedi Graf von der Höchstetter Hornussergesellschaft. «Der Blick vom Hellsauer Berg auf die vollbesetzten Spielfelder wird gewaltige Emotionen auslösen», sagt er im Hinblick auf das «Eidgenössische».

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Solothurner Zeitung

Walter Ryser

Er spricht von einer grossen Belastung, der die Mitglieder der Hornussergesellschaft Höchstetten ausgesetzt sind. Sie zeichnen Ende August als Organisatoren des Eidgenössischen Hornusserfestes. Ein solcher Grossanlass mit einem Millionen-Budget lässt sich jedoch nur realisieren, wenn man innerhalb des Vereins auf langjährige und treue Mitglieder zählen kann.

Der 57-jährige Hansruedi Graf ist eines von ihnen. Exakt seit 20 Jahren gehört er dem Hornusserverein an. Das «Eidgenössische» ist für ihn quasi ein Jubiläums-Geschenk. Dass dieses mit ausserordentlich viel Arbeit verbunden ist - dem widerspricht Graf nicht. Dennoch: Einen solchen Grossanlass mit dem eigenen Verein zu organisieren, miterleben und daran teilnehmen zu dürfen, das sei wirklich etwas Spezielles, sagt der Gärtner und Florist, der in Herzogenbuchsee ein eigenes Geschäft betreibt. Um seiner Aussage noch mehr Gewicht zu verleihen, fügt er hinzu: «Ein Blick vom Hellsauer Berg auf die vollbesetzten Spielfelder - das wird gewaltige Emotionen auslösen.»

Jung und Alt im gleichen Team

Diese Worte machen unmissverständlich klar: Hier spricht einer, der mit Leidenschaft, mit Haut und Haaren Hornusser ist. Der dafür auch bereit ist, viel Herzblut, Zeit sowie Aufwand zu investieren. «Es gibt keine andere Sportart, wo einer wie ich mit einem 13-Jährigen im gleichen Team zusammenspielen kann. Beim Hornussen können in einer Mannschaft sogar drei Generationen vertreten sein. Das ist äusserst faszinierend.» Graf gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn man ihn nach den Gründen für seine Liebe zu dieser Randsportart befragt. Er erwähnt beispielsweise den Wettkampf in der Natur. «Viele Spielfelder befinden sich an aussergewöhnlich schönen Plätzen. Spiele in solch einer Umgebung sind für mich die beste Erholung», sagt der Vater zweier erwachsener Kinder.

Das «Eidgenössische»

Ende August findet in Höchstetten das Eidgenössische Hornusserfest statt
(21. bis 23. und 28. bis 30. August). Zahlreiche Helfer stehen seit Wochen im Einsatz für diesen Grossanlass. Nicht bloss die Hornusser, sondern auch ein attraktives Rahmenprogramm sollen das Publikum in Scharen nach Höchstetten locken. In einer kleinen Serie blickt diese Zeitung auf das bevorstehende Fest, stellt Personen vor, liefert Zahlen und Fakten und sagt Ihnen, was Sie auf keinen Fall verpassen dürfen. (war)

Begonnen hat alles im Alter von zehn Jahren in Niederönz. Hier ist Hansruedi Graf aufgewachsen und begleitete jeweils den Vater auf den Hornusserplatz. Erst spät, im Alter von 37 Jahren, packte ihn der sportliche Ehrgeiz. Die Hornussergesellschaft Niederönz machte zu dieser Zeit gerade eine schwierige Phase durch. Graf wollte jedoch sportlich weiterkommen und noch einmal in einem starken Team mitspielen. In Höchstetten erhielt er, was er sich ersehnt hatte. Bei ihm trat eine deutliche Steigerung ein, vor allem technisch habe er sich bei der HG Höchstetten klar verbessert. Bereits zwei Jahre später, in Utzenstorf, errang er seinen ersten Eidgenössischen Kranz. «Diesen verdanke ich in erster Linie Ernst und Hansruedi, ‹Jumbo› Kummer - sie haben mich hervorragend betreut.»

Den Wechsel nach Höchstetten hat er nie bereut: «Wir hatten stets eine sehr gute Kameradschaft im Verein. Ich habe hier Leute getroffen, die mir - über das Hornussen hinaus - sehr viel bedeuten.» Deshalb legte sich Hansruedi Graf bei den Höchstettern auch mächtig ins Zeug. Sieben Jahre lang war er als Junghornusserbetreuer und im Vorstand tätig, zwölf Jahre Mitglied der Spielkommission. Vor allem die Tätigkeit mit dem Nachwuchs lag ihm sehr am Herzen. «Ich wurde in jungen Jahren falsch betreut. Für uns hatte niemand Zeit», sagt er. «Da hiess es beim Üben bloss: Mach vorwärts, ich muss noch in den Stall.» Graf wollte dem Höchstetter Nachwuchs dieses Schicksal ersparen. Mit Stolz weist er heute darauf hin, dass sich in der A-Mannschaft, die amtierender Schweizer Meister ist, viele Junghornusser von damals befinden. «Was ich mit den Kindern erlebt habe und was diese mir zurückgaben, möchte ich nicht missen», sagt er.

«Dazu benötige ich eine Sternstunde»

Nun steht der absolute Höhepunkt für Hansruedi Graf - und auch für die HG Höchstetten - bevor. Beim Heimfest noch einmal einen Eidgenössischen Kranz gewinnen, das wäre für den mittlerweile in der B-Mannschaft aktiven Buchser die Krönung. Zwei Rückenoperationen stellen dieses Vorhaben jedoch stark in Frage. «Ich bin glücklich, dass ich diesen Sport überhaupt noch ausüben kann», sagt Graf und erklärt gleichzeitig, dass er durch die Operationen beim Bewegungsablauf eingeschränkt sei. Dadurch fielen seine Streiche nicht mehr so lang aus wie früher. Graf zeigt sich realistisch: «Um den Kranz zu erreichen, benötige ich wohl eine Sternstunde», sagt er und lacht. Mit speziellem Krafttraining, das er auf den Grossanlass hin gezielt betreibt, versucht er sein Handicap zu kompensieren. Aber auch ohne Kranz dürfte dieses Fest für Hansruedi Graf zur Sternstunde werden, dazu genügt ihm bereits ein Blick vom Hellsauer Berg.

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