Lunchgate
Das Web erobert die Gastronomie

Persönlich zugeschnittene Restaurant-Tipps für das nächste Mittagsmenü: Das ist die Geschäftsidee des Internetportals Lunchgate. Damit soll die Qual der Wahl unter Zürichs Restaurants ein wenig leichter fallen.

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Lunchgate Marc Locher

Lunchgate Marc Locher

Limmattaler Zeitung

Silvan Kämpfen

Nehmen wir einen KV-Angestellten mit Arbeitsplatz am Zürcher Bellevue. Schweifen gegen 11 Uhr die Gedanken von der Arbeit ab und macht sich im Magen ein erstes Knurren breit, muss er sich nun nicht zwingend durch unzählige Restaurant-Websites klicken. Auf lunchgate.ch findet er eine Ansammlung von Lokalen in seiner Umgebung. Nach ein, zwei Mausklicks sieht er, in welchem Restaurant welche Menüs angeboten werden und wieviel diese kosten.

Auch auf besondere Wünsche geht das Portal ein. Wer auf das Stichwort «Vegi» klickt, bekommt Rahmspätzli mit Pilzen und Bündner Bergkäse im «Vorderen Sternen» zu 24.50 Franken angeboten. Wem eher nach italienischer Küche zumute ist, dem wird unter anderem ein Kalbfleisch-Ossobuco nach Mailänder Art aus dem «Du Théâtre» beim Opernhaus vorgeschlagen. Auf Wunsch kann sich unser KV-Angestellter nun einen Newsletter zusammenstellen lassen, der täglich um 10 Uhr mit den Tagesmenüs der Lieblingsrestaurants in seinen elektronischen Briefkasten flattert. Auch für Ortsunkundige ist gesorgt: Google Maps zeigt den Weg. Abgerundet wird die Seite durch Intérieur-Bilder der Restaurants, zum Teil auch im 360-Grad-Panorama.

Novum in der Gastro-Szene

Wer tagsüber arbeitet, isst gerne auswärts zu Mittag. Und die meisten Menschen sitzen bei der Arbeit vor dem Computer. So ist es eigentlich nur einleuchtend, wenn eines Tages eine Internetseite entsteht, auf der sich jeder über die aktuellen in seiner Umgebung angebotenen Mittagmenüs informieren kann. Gleichzeitig erhalten die Restaurants direkten Draht zu potenziellen Kunden. Diese Idee hatten vor etwas mehr als einem Jahr Marc Locher und sein Partner Qris Riner. «Nach langer Recherche im Internet stellten wir bald einmal fest, dass es in der Gastronomie nichts Vergleichbares gab», sagt CEO Locher. Lunchgate war geboren. Inzwischen ist das Projekt seit einem halben Jahr online.

Mittlerweile sind 150 von total rund 1500 Zürcher Restaurants auf Lunchgate vertreten. Dazu gehören Quartierbeizen, bekannte Gastro-Ketten, aber auch Gault-Millau-Lokale. Auch aus anderen grossen Schweizer Städten haben sich erste Lokale registrieren lassen. Die Mitgliedschaft kostet die Restaurants je nach Grösse zwischen 1200 und 2400 Franken pro Jahr. Dieser Mitgliederbeitrag ist die Haupteinnahmequelle für Lunch­gate. Dafür bieten sie den Restaurants Zugriff auf eine Software, mit der diese ihren Menüplan organisieren und fertige Speisekarten ausdrucken können. Das Modell scheint zu funktionieren, wie Locher erzählt: «Ein Restaurantbetreiber aus dem Seefeld hat kürzlich gemeldet, dass er seit der Teilnahme bei Lunchgate über 20 Prozent mehr Mittagsmenüs verkauft.»

Online-Reservation soll folgen

Ab Frühling wird Lunchgate auch auf dem Handy verfügbar sein. Und bald sollen die Kunden die Möglichkeit haben, über Lunchgate online einen Tisch zu reservieren. Auch eine Vernetzung zwischen Restaurants und Lieferanten steht zur Diskussion. «Wir wollen für die Gastronomie das sein, was für die Fahrzeugbranche ‹autoscout.ch› und für den Immobilienmarkt ‹homegate.ch› ist», lautet Lochers hoher Anspruch. Die steigenden Nutzerzahlen von Lunchgate zeigen: Nachfrage ist offensichtlich da.
Mehr Infos: www.lunchgate.ch