«Das Verteilen des Kuchens geht weiter»

Willy Reinmann

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Willy Reinmann

Seit einigen Monaten besteht die fusionierte Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn. Nun arbeitet sich Willy Reinmann als ihr neuer Geschäftsführer in die Materie ein. Ladenöffnungszeiten, Events, Geschenkgutscheine und die Politik beschäftigen ihn.

Wolfgang Wagmann

Willy Reinmann ist bekannt durch sein langjähriges Engagement als Leiter von Jugend und Sport. Das hat ja mit Detailhandel recht wenig zu tun.
Willy Reinmann: Das stimmt auf den ersten Blick. Aber vier Jahre lang war ich im Tourismus tätig und seit 26 Jahren lebe ich mit Regula Hofer zusammen, die in Solothurn das gleichnamige Goldschmiedegeschäft betreibt. Auch kaufe ich in Solothurn ein und damit kenne ich die Sorgen und Freuden der Solothurner Geschäftswelt ziemlich genau. Und abgesehen davon tut eine Aussensicht auch gut.

Stadtvereinigung und Gewerbeverein haben fusioniert. Wie definieren Sie die Rolle und Aufgaben des Geschäftsführers in der neuen Vereinigung?
Reinmann: Mit der Fusion wollte keine Partei alles aufgeben. Deshalb wurden im neuen Namen beide Begriffe integriert und ein relativ grosser Vorstand beibehalten, den man in den nächsten Jahren allenfalls verkleinern möchte. Doch zusammen ist man stärker und ein ernst zu nehmenderer Partner beim kantonalen Gewerbeverein KGV, aber auch beim Kanton selber. In meiner Rolle möchte ich mehr agieren und vorausschauender planen. Auch die Kommunikation mit den Mitgliedern soll persönlicher, direkter erfolgen. Zudem wollen wir aktueller sein - so sollte bis Ende Jahr unsere neue Homepage auf dem Netz sein. Weiter werde ich Grundlagen für künftige Vorstandsentscheide erarbeiten.

Sie haben bereits erste Kontakte mit den Mitglied-Geschäften geknüpft und arbeiten derzeit an einer Erhebung des Ist-Zustandes. Wo drückt der Schuh?
Reinmann: Ich habe erst 20 Geschäfte besucht, und die Tendenzen sind noch nicht allzu relevant. Bis im Frühling sollten allerdings noch einige Geschäfte dazukommen. Mehrmals habe ich gehört, die Kundschaft sei anspruchsvoller geworden und verlange mehr Beratung, ehe es zum Verkauf kommt. Ein grosses Problem sind auch der Abfall, Schmierereien und der Vandalismus allgemein. Weiter wird gewünscht, die neue Weihnachtsbeleuchtung auf den Stalden, den Kronenstutz und die Hauptbahnhofstrasse auszudehnen. Neben den Ladenöffnungszeiten beschäftigt die Sperrung der Wengibrücke - wobei ein Geschäftsmann diese sogar recht gut findet. Angeregt wurde auch, dass in den Parkhäusern die erste halbe oder ganze Stunde gratis parkiert werden könnte.

Wo muss die Stadt- und Gewerbevereinigung aktiver werden? Über das politische Engagement gingen ja die Meinungen stets auseinander.
Reinmann: Meiner Meinung nach sollte man nicht alles reglementieren und einschränken. Damit liessen sich bessere Steuererträge erzielen und Aufgaben wie die Sanierung des Stadttheaters lösen. Politisch aktiv werden müssen wir bei der Meinungsbildung zu Verkehrs- und Parkingfragen. Auch sollten der Informationsaustausch und die Zusammenarbeit mit dem Kantonalen Gewerbeverband KGV sowie Region Solothurn Tourismus enger werden. Wenn Probleme auftauchen, möchten wir rascher reagieren, wie zuletzt bei Diskussionen um die Aussenbestuhlung in der Schaalgasse. Auch Entscheidhilfen beim Branchenmix würden wir gerne anbieten, beispielsweise bei der Lokalitätensuche. Doch dies dürfte eher schwierig sein.

Seit Jahr und Tag geschieht die Kundenbindung über dieselben Events. Der Osterhase, das Märet-Fescht, der Samichlaus und die Weihnachtsreise. Gibts auch neue Ideen?
Reinmann: Aktuell bin ich am Erarbeiten eines Konzepts «Erlebnis und Einkaufen». Dazu kann ich aber erst im nächsten Jahr konkreter werden. Doch überprüfen wir die Anlässe und schauen, ob man sie straffen kann. So arbeiten wir neu beim Samichlaus-Auftritt mit dem OK des Chlausemärets zusammen. Wir brauchen aber Kinder- und Familienevents, und mit den jetzigen Anlässen haben wir ausserdem alle vier Jahreszeiten abgedeckt. Vielleicht gibts noch zwei, drei neue Sachen dazu. Und das Märet-Fescht überprüfen wir ebenfalls. Vermehrt werden wir auch darauf achten, unsere Mitglieder an die HESO zu bringen.

Der Geschenkgutschein der Stadtvereinigung war jahrzehntelang eine eierlegende Wollmilchsau. Zuletzt gingen aber die Erträge zurück. Was ist zu tun?
Reinmann: Seit vier, fünf Jahren sind die Erträge der Geschenkgutscheine rückläufig. Bisher wurden ihr Druck und das Handling durch nicht eingelöste Gutscheine finanziert. In letzter Zeit werden diese immer mehr eingelöst. Gleichzeitig sind aber auch die Umsätze mit den Gutscheinen ständig gestiegen. Auch wenn die Kunden sie eins zu eins einlösen, würde dies noch Sinn machen, denn damit bleibt der Umsatz, der über die Geschenkgutscheine generiert wird, voll und ganz in der Stadt sowie der engeren Region. Und mit der Fusion können sie nun auch die ehemaligen «Nur»-Gewerbevereins-Mitglieder einsetzen. Wir evaluieren aber auch die Anschaffung eines neuen Kundenbindungssystems, eines Bonus-Systems, welches die Geschenkgutscheine ergänzt.

Das Ladendorf Langendorf hat ausgebaut, am Hauptbahnhof entstehen neue Geschäfte, die Konkurrenz schläft nicht. Wie stehen die Chancen für das Einkaufszentrum Solothurm?
Reinmann: Das Verteilen des Kuchens geht weiter. Und die Stücke werden dabei ständig etwas kleiner. Doch unser grosser Pluspunkt ist die Diversifikation - in Solothurn kann man auf kleinstem Raum von den verschiedensten (Einkaufs)-Möglichkeiten profitieren. Wir haben intakte Chancen, im Wettwerb zu bestehen, sofern die Stadt gut erreicht und auch wieder verlassen werden kann - auch mit dem öV.

Hat Solothurn da ein Problem?
Reinmann: Mobilität ist einfach gefragt. Einschränkungen und Schikanen bedeuten Verluste. Bis Umerziehungsaktionen «erfolgreich» umgesetzt werden, sind einige Geschäfte schon längst eingegangen.

Die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist derzeit (wieder) ein grosses Thema. Auch für Sie?
Reinmann: Das ist für uns ein Thema. Doch Illusionen darf man nicht haben - alle können nicht gleichzeitig rund um die Uhr offenhalten. Aber man sollte Ungleichheiten mit den katholischen Feiertagen, bei denen im Kanton unterschiedliches Recht gilt, eliminieren. Ansonsten müsste es bei einer Liberalisierung zwar noch Blockzeiten geben, aber auch mehr «Spatzig» für die einzelnen Geschäfte. Derzeit läuft eine Umfrage zu den Ladenöffnungszeiten. Und zusätzlich wird ein Gesuch eingereicht, die Dezember-Abendverkäufe 2010 auf 22 Uhr auszudehnen.

Sie haben drei Wünsche frei für Solothurn. Die da wären...
Reinmann: Ich wünschte mir erstens eine Aufwertung des Branchenmix mit mehr kleinen, feinen Spezialitätengeschäften statt noch mehr Ketten-Filialen, von denen es genug gibt. Zweitens sollten alle Leute, die über Steuergelder verfügen können, so damit umgehen, wie wenn es ihr eigenes Geld wäre. Drittens möchte ich (schnippt mit den Fingern), dass alles, was die Leute fortschmeissen, umgehend in ihren Schlafzimmern landet. Oder dass Vandalen alle Schäden, die sie anrichten, umgehend zu Hause antreffen.

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