Stapferhaus
Das Stapferhaus feiert 50 Jahre

Als Bernerhaus, ein Nebengebäude der berühmten Höhenburg Lenzburg, ging es in den Besitz des Kantons Aargau und der Stadt Lenzburg über. Als Stapferhaus erlangt das Kulturhaus auf dem Schlosshügel seit fünf Jahrzehnten seinen eigenen Ruhm.

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Stapferhaus

Stapferhaus

Lenzburger Bezirks-Anzeiger

Ruth Steiner

Ist es ein Zufall, dass der Stapferhaus Co-Leiter, Beat Hächler, für das Gespräch ausgerechnet das Gertrud Villiger-Zimmer wählt? In diesem Stapferhaus-Think-Tank entstehen Teile der kreativen Schöpfungen, welche all den erfolgreichen Projekten zugrunde liegen. Mit ihnen hat das Stapferhaus weit über die Kantons- und auch die Landesgrenzen hinaus eine neue Bedeutung gewonnen.

Jubiläumsfest und Tag der offenen Tür

Der 11. Juni 2010 ist in der Agenda des Stapferhaus Co-Leiters, Beat Hächler, seit langem rot angestrichen. An diesem Tag feiert die Institution ihr 50-jähriges Bestehen. Mit einem grossen Fest an der Stätte ihres Ursprungs, auf Schloss Lenzburg, natürlich. Am derzeitigen Ausstellungsort, im Zeughaus, findet gleichentags ein Tag der offenen Tür statt. Auf diesen Zeitpunkt hin entsteht ebenfalls eine Publikation zur Geschichte und Entwicklung der Kulturstätte. Bereits am 27. Mai eröffnet Schriftsteller Lukas Bärfuss auf Schloss Lenzburg mit seiner Lenzburger Rede das Jubiläumsjahr. Und im Spätsommer planen Aargauer Kunsthaus und Stapferhaus Lenzburg ein gemeinsames öffentliches Podium über die kulturellen Visionen 1960 und heute.

Vom Tagungsort . . .

«Abgehoben von den Niederungen des Alltags, aber mit permanentem Sichtkontakt darauf.» Das 1599/1600 unter den Berner Landvögten erstellte Ökonomiegebäude der Lenzburg entsprach genau den Vorstellungen Martin Meyers auf seiner Suche nach einem Ort zum geistigen Austausch. Auf dem Lenzburger Schlosshügel war der spätere Stapferhausleiter fündig geworden. «Das Stapferhaus leistet Verstehenshilfe, denn jeder, der ins Haus kommt, möchte verstanden werden mit seiner Sache, jeder, der ins Haus kommt, möchte recht behalten mit seiner Auffassung», beschrieb Meyer die Brückenbauerfunktion der Institution, der er ab Bestehen 1960 während 32 Jahren vorstand. Doch ganz reibungslos verlief die Stapferhausentwicklung nicht: Martin Meyer lässt die Nachwelt wissen, er habe seine Tätigkeit beinahe einstellen müssen, weil die Betriebsmittel fehlten und der Stiftungsrat des Schlosses diese nicht sprechen wollte. Mit Tränen der Enttäuschung sei er nach Hause gestürmt zu seiner Frau! . . .

. . . zum Haus der Gegenwart

«Wir sind ein Haus der Gegenwart», bezeichnet Beat Hächler den heutigen Kulturauftrag. Dieses Label hat sich das Stapferhaus in den vergangenen Jahren mit der konsequenten Weiterentwicklung seines Ursprungs auf die Fahne geschrieben. 1992, als der heutige Kulturchef des Kantons Aargau, Hans Ulrich Glarner, die Stapferhausleitung übernahm, stiess auch Beat Hächler als junger Studienabgänger zum Team. Diese Wechsel läuteten die Neupositionierung ein. «Dabei entpuppten sich unsere «Lehrblätze» während der Pionierphase als wahre Lernerfolge.» Nach der eingekauften Wanderausstellung zum Thema EWR im Jahre 1992 (mit der Beitritts-Abstimmung zum Europäischen Wirtschafsraum vor der Tür) näherte man sich im nachfolgenden Projekt, Anne Frank, mit eigens produzierten Ausstellungsteilen und Veranstaltungen bereits den Fragen, welche auch die Schweiz im Zweiten Weltkrieg beschäftigten. Der Erfolg hat die Ausstellungsmacher völlig überrumpelt, erinnert sich Hächler, und zu einem weiteren Entwicklungsschritt geführt, der vollständigen Eigenproduktion. Dank einem nie erlahmenden Innovationsgeist und der mit jedem neuen Projekt einhergehenden Professionalisierung stiess jede nachfolgende Produktion in neue Dimensionen. Mit Themen wie Jugendkultur, Mobilität, Sterben und Tod, Strafe, Glaube und Religion oder aktuell Zeitkultur hat das Stapferhaus sein Profil geschärft. «Die Gegenwart vergegenwärtigen», so versteht die heutige Leitung mit Sibylle Lichtensteiger und Beat Hächler ihren Vermittlungsauftrag. Die Ausstellungen fordern den Besucher zur permanenten Auseinandersetzung mit sich selbst. Der Erfolg und die steigenden Eintrittszahlen geben den Verantwortlichen recht: Für Nonstop sind bis heute gegen 40 000 Personen aus der ganzen Schweiz nach Lenzburg gereist.

Fester Ausstellungsstandort tut Not

«Home. Willkommen im digitalen Leben», so lautet der Titel der kommenden Produktion. Die Arbeiten laufen auf Hochtouren, die Vernissage findet am 22. Oktober statt. Am bisherigen provisorischen Standort, im Zeughausareal in Lenzburg, der voraussichtlich noch bis 2013 genutzt werden kann. Für Beat Hächler steht jedoch fest: Mit der laufenden Professionalisierung der Ausstellungen müssen auch die Qualität der Räumlichkeiten und des Standortes einhergehen. Gesucht wird ein definitiver Platz für ein Haus der Gegenwart. Und diesen, so betont Hächler, hoffen die Stapferhaus-Verantwortlichen rechtzeitig mit Unterstützung der Stadt in Lenzburg finden zu können.