«Das soll man nicht überbewerten»

Ratings für Wirtschafts-Top-Shots und für Politiker gehören heute dazu. Doch was sagen die Beurteilten selbst zu ihren Noten? Reaktionen auf das jüngste Polit-Rating der «SonntagsZeitung».

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Mathias Küng

Hans Killer (SVP), der im Rating der «SonntagsZeitung» (MZ von gestern) auf Rang 235 gesetzt wurde, beurteilt dies doch etwas anders. Er fragt sich, welche objektiven Kriterien der Beurteilung genau zugrunde gelegt wurden. Wie stark wird ein Sitz in der gewichtigen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie gewichtet? Gerade in Energiefragen sei er gut vernetzt (Energieforum, Vorstand Aves), betont Killer - im Nationalrat seit 2007. In einer grossen Fraktion müsse halt selbst das wichtige Thema Energie untereinander aufgeteilt werden und man könne nicht zu allem sprechen - anders als in kleinen Fraktionen. In der SVP Schweiz präsidiert er die Arbeitsgruppe Energie, in der Fraktion ist er Sprecher zum Thema Wassernutzung. Er übt weitere Funktionen aus (Präsident Infrastruktur Strasse, Präsident des Verbandes Aushub und Recycling Schweiz), «die halt nicht jeden Tag in der Zeitung kommen».

Wenn man Partei- und Kommissionsämter der Parlamentarier zusammenzähle und gewichte, dann stimme es in seinem Fall wohl schon, lacht Ulrich Giezendanner (SVP) über seinen Rang 183. Berufsbedingt könne er nur in einer Kommission tätig sein. Schliesslich trage er zu Hause die Verantwortung für einen Betrieb. Seine hohe Medienpräsenz zeige im Übrigen, was er tue. «Das Rating regt mich nicht auf», sagt «Giezi», der dort auch schon weit vorn war. Schade nur, so der medienbewusste Politiker, dass kein Foto von ihm in der Zeitung war . . .

«Eine Momentaufnahme»

Ähnlich geht es Ständerätin Christine Egerszegi (FDP), die schon in den «Top Ten» war, heute auf Rang 173. Sie führt dies auf den Wechsel vom National- in den Ständerat zurück, wo sie ganz von vorn habe beginnen müssen. Egerszegi: «Den Platz in den Kommissionen muss man sich zuerst erarbeiten.» Da sie sich jetzt primär als Kantonsvertreterin sieht, hat sie Parteiämter abgegeben. Egerszegi: «So ein Rating ist eine Momentaufnahme. Man darf es nicht überbewerten. Ich sehe keinen Anlass, meine Arbeit zu ändern.»

Keinen Grund, ob seines Ratings (Rang 9) zu grübeln, hat FDP-Nationalrat Philipp Müller. «Das freut mich natürlich», so der FDP-«Leuchtturm». Er sieht darin eine Honorierung intensiver politischer Arbeit, inner- und ausserhalb von zwei Kommissionen und vieler Auftritte als Kommissionssprecher.
Geri Müller (Grüne) präsidiert die Aussenpolitische Kommission und landete auf Rang 103. Es gebe immer wieder Überraschungen, kommentiert er lakonisch. Einmal werde man sehr positiv, ein andermal sehr negativ bewertet. Er zweifelt, ob man der Arbeit der Parlamentarier mit den Kriterien des Ratings gerecht werden könne; etwa bezüglich der Wirkung in anderen Fraktionen. Müller will sich vom Rating aber nicht beeindrucken lassen: «Ich arbeite normal weiter.» Dass Vertreter sehr kleiner Kantone so weit vorn sind, überrascht ihn nicht. Die könnten ihre Interessen eben nur auf diesem Weg einbringen.

«Sich ein eigenes Bild machen»

Nationalratsvizepräsidentin Pascale Bruderer (SP, Rang 43) beobachtet das Rating auch als Politologin und hält fest, es sei «sehr schwierig, die Arbeit und die Qualität eines Parlamentsmitglieds so zu erfassen». Einige seien in den Medien sehr präsent, andere arbeiteten besonders gut im Hintergrund, wie-der andere in Kommissionen. Was ist das Hauptkriterium, wie wird gemessen? Der «SonntagsZeitung» attestiert sie den Willen für ein differenziertes Rating. Gleichwohl solle man es nicht überbewerten. Die Wählerinnen und Wähler, empfiehlt sie, sollten sich von der Arbeit im Parlament ein eigenes Bild machen.

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