Alkohol
Das Schweigen durchbrechen

Das Blaue Kreuz Basel-Stadt bietet Kurse für Frauen von alkoholkranken Männern an Ohnmacht, Wut und Hilflosigkeit. In einem Kurs des Blauen Kreuzes lernen Betroffene, wie man mit dieser schwierigen Situation umgeht.

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Alkohol

Alkohol

Von Tara Hill

Die Debatte um Jugendliche, die sich bis zur Besinnungslosigkeit betrinken, bewegte im letzten Sommer die Schweiz. Angesichts von medienwirksamen Events wie dem verabredeten Besäufnis «Botellón» geriet dabei aber rasch in Vergessenheit, dass Schätzungen zufolge insgesamt rund 300 000 Schweizer alkoholabhängig sind. Die grösste Gruppe bilden dabei Erwachsene, die ihren Alkoholkonsum nicht mehr im Griff haben.

Doch nicht nur die Alkoholiker selbst leiden an ihrem Suchtproblem, sondern auch ihre Angehörigen. Insbesondere die Partner von Alkoholkranken tragen oft Schuld- oder Schamgefühle mit sich und fühlen sich angesichts ihrer schwierigen Situation hilflos und isoliert. «Alkoholismus wird in erster Linie als Problem der Betroffenen selbst wahrgenommen», weiss Gerhard Gerster, Geschäftsführer des Blauen Kreuzes Basel-Stadt: «Dass das gesamte Umfeld und insbesondere die Familien und Partner genauso betroffen sind, wird oft übersehen.»

Hierbei liessen sich klare Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen: Während Untersuchungen zufolge nämlich bei alkoholkranken Frauen die Beziehung oft ein zusätzlicher Risikofaktor darstelle, sei es bei Männern umgekehrt. Gerade die Geborgenheit im trauten Heim werde zum Schutzfaktor, der die Betroffenen vor dem totalen Absturz bewahre.

Entschuldigen und rechtfertigen

Frauen würden dabei meist versuchen, ihren Partner zu stärken, indem sie sein Verhalten vor anderen Personen entschuldigen und rechtfertigen. «Mein Mann trinkt» - dieses Eingeständnis steht oft erst am Ende eines längeren, schmerzhaften Prozesses. Die solidarische Unterstützung des Partners führe aber dazu, dass die Bedürfnisse der betroffenen Frauen selbst zu kurz kämen: «Der Alkohol beginnt, die Beziehung zu dominieren, und der Alltag wird von der Abhängigkeit bestimmt.»

Dies bedeutet auch, dass sich Frauen von alkoholkranken Männern oft einem besonderen Druck ausgesetzt sehen: Sie fühlen sich verantwortlich für das Wohlergehen ihres Partners und vernachlässigen dafür ihr eigenes Leben. Um die Isolation, in der Angehörige oft stecken, zu überwinden und das Schweigen über die Sucht zu durchbrechen, bietet das Blaue Kreuz einen Kurs an, der betroffenen Frauen ermöglicht, eine unabhängige Standortbestimmung vorzunehmen:

In sieben Sitzungen lernen sie, das Suchtproblem ihres Partners zu verstehen und konstruktiv mit der eigenen Situation umzugehen. Dies bedeutet zunächst, auf sich selber und die eigenen Bedürfnisse zu achten und mit den vorhandenen Ohnmachtgefühlen, der aufkeimenden Wut und Verzweiflung umzugehen, und in einem nächsten Schritt, den Kreislauf von Hoffnungen und Enttäuschungen zu durchbrechen.

Die eigene Identität stärken

Dabei kommt dem persönlichen Austausch in der Gruppe ein besonderer Stellenwert zu: «Die Frauen lernen, im vertraulichen Rahmen mit ihrer schwierigen Situation umzugehen, ermutigen sich gegenseitig und stärken gleichzeitig auch ihre eigene Identität», umreisst Gerster das Ziel des Kurses, der ab dem 29. April jeweils von 18 bis 19.30 Uhr in den Räumen des Blauen Kreuzes am Peterskirchplatz 9 stattfindet.

Unterstützt von der Kursleiterin

Isabelle Tschachtli sollen dabei nicht nur gängige Normen hinterfragt, sondern auch eigene Probleme geklärt und persönliche Ziele gesteckt werden. Eine mögliche Trennung steht aber nicht im Zentrum: «Die Frage, ob man die Beziehung zu einem alkoholkranken Partner aufrechterhalten kann, muss jeder für sich selber beantworten», meint Gerster: «Dafür gibt es keinen Königsweg und kein allgemeingültiges Rezept.» www.blaueskreuzbasel.ch