Das Schwarzpeter-Spiel geht munter weiter

Kurz vor den Sommerferien taucht der «Gekröpfte» wieder über den Köpfen der Zurzibieter Bevölkerung auf. Die Südanflüge seien mit den Zielen der EU, die den europäischen Luftraum neu ordnen will, nicht vereinbar, meint ein Zürcher Aviatik-Experte. Bevölkerungsschonender sei der gekröpfte Nordanflug.

Merken
Drucken
Teilen
Flugzeug

Flugzeug

Aargauer Zeitung

Angelo Zambelli

«Das Flughafen-Problem ist lösbar», lässt sich der Aviatik-Experte Olaf Dlugi aus Küsnacht ZH in der Aargauer Zeitung vom letzten Freitag zitieren. Hintergrund dieser Aussage ist ein Masterplan namens Sesar, ein von europäischen Spezialisten entwickeltes technisches Anflugverfahren, das es ermöglichen soll, die Flughäfen Europas auf kürzestem Weg miteinander zu verbinden und die Anflüge bis auf wenige Kilometer vor der Landung bedeutend leiser zu gestalten. Dlugi, der an der Erarbeitung der Sesar-Grundlagen als Projektleiter beteiligt war, kritisiert, dass sich das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) nicht aktiv um eine Führungsrolle in diesem Projekt bemüht habe. Deshalb hätten er und sein Team dem Bazl sowie dem Flughafen Zürich angeboten, gratis Möglichkeiten zu erarbeiten, wie der Flughafen Zürich direkter und bevölkerungsschonender angeflogen werden könne - beispielsweise mit einem satellitengestützten gekröpften Nordanflug.

Die Südanflüge würden den Grundzielen der Neuorganisation des europäischen Luftraums durch die EU grundlegend widersprechen, argumentier Dlugi. Damit wachse der Druck auf Deutschland, die einseitig verordneten Anflüge auf den Flughafen Zürich fallen zu lassen.

Massgebend bleibt SIL-Verfahren

Kurt Schmid, Präsident des Vereins Gekröpfter Nordanflug Nein, sowie Hans-Martin Plüss vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt lassen sich von den Aussagen des Zürcher Aviatik-Experten nicht ins Bockshorn jagen. Hans-Martin Plüss: «Klarheit wird der vom Bazl ausgearbeitete Schlussbericht zum Koordinationsverfahren im Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) bringen. Dieser soll noch vor den Sommerferien den Kantonen zur abschliessenden Stellungnahme zugestellt werden. Leitverfahren für den Kanton bleibt der Sachplan und nicht die Neuordnung des Luftraums durch die EU.»

Für den Regierungsrat komme die Kombination «gekröpfter Nordanflug am Morgen, Abflüge über das Surbtal am Abend» nach wie vor nicht in- frage, sagt Plüss. Im Übrigen scheine es, dass der Bund gegenüber Deutschland im Hinblick auf die Verhandlungen mit Deutschland weitgehend handlungsunfähig geworden sei, weil er befürchte, mit jeder Priorisierung eines Anflugverfahrens ein Präjudiz zu schaffen. Nicht viel anders beurteilt Kurt Schmid die neusten Vorschläge aus dem Nachbarkanton: «Ich messe den Äusserungen kein besonderes Gewicht bei. Möglicherweise handelt es sich hier um ein bewusstes Störfeuer.» Der EU-Einfluss auf das bestehende Schweizer Flugregime könne kaum entscheidend sein, meint Schmid. Der Verein Gekröpfter Nordanflug Nein warte jedenfalls den Schlussbericht der Koordinationsgespräche ab. «Schön wäre es, wenn die von Deutschland

einseitig verordneten Flugraumsperrzeiten fallen gelassen würden und die Nordanflüge über Deutschland wieder frei wären. Dies müsste eigentlich der erste Schritt Deutschlands sein. Im Weiteren sind die Südanflüge mittlerweile an der Tagesordnung und von der breiten Bevölkerung auch akzeptiert», sagt Schmid.