Aarau

Das schleckt keine Geiss weg: Aarau ist keine Fasnachtstadt.

Heute Donnerstag geht im solothurnischen Erlinsbach bei Aarau mit der Chesslete die traditionelle Fasnacht los. Der grosse Festumzug kann von der Stadtgrenze aus beobachtet werden. Bitter, aber wahr: Aarau ist für Fasnächtler kein gutes Pflaster. Sogar der diesjährige Kinderumzug musste abgesagt werden.

Marcel Suter

In den 60er-Jahren strömten die Aarauerinnen und Aarauer noch freudvoll an die traditionellen Maskenbälle in den Saalbau. «Der StaMuBa (Stadtmusikmaskenball) gehörte mit den Kappenfesten des Gesangsvereins Liederchranz und der Harmonie Musik zu den besten Fasnachtsanlässen», erinnert sich der Ur-Aarauer Ruedi Brack. «Der letzte Fasnachtsumzug fand um 1958 statt», erinnert er sich.
Dann fand die Aarauer Fasnacht wegen des Inhalts einer Schnitzelbank ein abruptes Ende. «Die Schachen-Clique besang das Leben von drei stadtbekannten Männern», weiss Brack. Daraus entstand ein Stadtgespräch, das die drei zu einer Anzeige gegen die Schachen-Clique trieb. Die Kläger bekamen Recht und die beklagte Schnitzelbank-Clique wurde verurteilt.

Danach sei keine Strassenfasnacht mehr durchgeführt worden, und wenige Jahre später verschwanden auch die Maskenbälle vom städtischen Veranstaltungsprogramm.

Seither gibt es zwar immer wieder Anstrengungen, die «reformierte» Fachnacht in Aarau wieder zu feiern. Aus dem Kreise des damaligen Tauchklubs wurde 1971 auf Initiative von Hanspeter Nussbaumer eine Guggenmusik ins Leben gerufen. Ein Jahr später wurde die Aarauer Gugge auf den Namen «Wyberg-Schränzer» getauft. Das stimmungsvolle Falschton-Orchester hielt sich allerdings nicht lange und bereits 1973 verstummten die Posaunen, Trompeten und Trommeln wieder.

Erneut war es Hanspeter Nussbaumer, der 1981 zur Auferstehung bliess und nochmals einen Anlauf nahm. Diesmal erfolgreich. 2001 feierten die «Schränzer» das 20-jährige Bestehen und bis heute sind die aktiven «Guggerinnen und Gugger» während der Fasnachtszeit auf Achse.

Mit der Schliessung der Aarauer Altstadt vom individuellen Durchgangsverkehr rochen die «Wyberg-Schränzer» Lunte und luden 2006 erstmals zur Fasnacht in die Altstadt ein. Gemeinsam mit dem Elternverein Aarau wurde ein Kinderumzug organisiert, der viele Kinder und Eltern in den Bann und über tausend Besucher in die Altstadt zog.
Nach dem Umzug spielten die «Wyberg-Schränzer» im Zelt auf dem Holzmarkt auf. Ein laues Lüftchen Fasnachtsstimmung erreichte Aarau - und verzog sich genauso schnell wieder, wie es gekommen war.

In einer Woche sollte der Kinderumzug und die Fasnacht in der Altstadt wieder stattfinden. «Wir bedauern sehr, dass wir im Jahr 2010 leider keine Kinderfasnacht durchführen können», vermeldet der Elternverein auf seiner Homepage. Und die «Wyberg-Schränzer» lassen verlauten, dass man dieses Jahr auf die Fasnacht in der Altstadt verzichte und den Anlass für die kommenden Jahre «neu aufstellen» wolle.

Der Elternverein suchte vergeblich nach «schränziger» Eskortierung ihres Umzuges. «Ohne die notwendige musikalische Begleitung müssen wir leider auf die Durchführung verzichten», begründet der Elternverein die Absage. Für 2011 wird aber die Fortsetzung der Kinderfasnacht angekündigt. Zwei bis drei Guggenmusiken seien kontaktiert und bereits verpflichtet worden. Obwohl genügend Stoff vorhanden wäre, wird es aber Schnitzelbänke in der Gerichtsstadt Aarau bis auf Weiteres nicht zu hören geben.

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