«Das Schiessen ist der kleinste Teil des Jagens»

Gross ist die Artenvielfalt an Wildtieren in nächster Nähe der Stadt Aarau. Selbst Gämsen halten sich dort auf. Davon liessen sich Exkursionsteilnehmer der Sommerakademie überzeugen, die sich von Jägern führen liessen.

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Aargauer Zeitung

Florian Müller

Anlässlich der Open-Air-Sommerakademie führten erfahrene Jäger der Jagdgesellschaft Hungerberg-Egg die Teilnehmer der Volkshochschule Aarau in die Geheimnisse der Natur und der Jagd ein.

«Glaubt ihr mir jetzt, dass wir einen Luchs und Gämsen haben?», fragt der Jäger Franz Hunziker, bevor er auf seinem Jagdhorn zum Aser (Jägersprache: «zum Essen blasen») bläst. Ein deutliches Ja hallt von den Teilnehmern zurück in die feuchtkühle Luft des Alpenzeigerunterstandes in Aarau. Es sind zwölf unentwegte und wetterfeste Teilnehmer, die sich an diesem Freitagabend den drei erfahrenen Jägern anvertrauen, um mehr über die Wildtiere nördlich der Aare zu erfahren. Und Wildtiere gibt es reichlich im Revier der Jagdgesellschaft Hungerberg-Egg der Gemeinden Erlinsbach AG, Küttigen und Aarau: Füchse, Wildschweine, Feldhasen, Gämsen, Dachse, Luchse, Waschbären und andere Tierarten streifen durch das Jagdrevier.

Anekdoten aus dem Jäger-Alltag

Auf dem Rundgang erzählt Hunziker begeistert die eine oder andere Anekdote aus seiner langjährigen Jagdtätigkeit. So zum Beispiel über einen ausgehungerten Fuchs, welcher im Rekordsommer 2003 in seinem Kofferraum den Aufbruch (Innere Organe eines erlegten Tieres) fressen wollte. Oder über die äusserst schlauen Säue, die sehr schwierig zu jagen sind. Auf dem Weg zeigt er den Teilnehmern eine Kirrung (Ort, wo Futter ausgebracht wird, um Schwarzwild anzulocken), mit dem die Wildschweine überlistet werden sollen. «Man spürt die grosse Begeisterung der Jäger für ihr Hobby», meint eine Teilnehmerin. Sie erfuhr unter anderem, dass es sogar Gämsen und Waschbären im Revier gibt. Die Gämsen finden im felsigen Revierteil am Benken ein geeignetes Biotop. Der in Nordamerika heimische Waschbär ist im 20. Jahrhundert ausgesetzt worden oder aus Gehegen entkommen.

Beobachten, zählen, warten

Gleichzeitig erklärt Jäger René Schmid einer anderen Gruppe den Ablauf des Jagdjahres. Im Februar und März erkunden die Jäger ihr Revier, um die Tiere zu verorten. Ab Juni beginnt die Sommerjagd. Die in letzter Zeit stark diskutierte Treibjagd findet im November und Dezember statt. Dabei bringen die Treiber das Wild in Bewegung, bis es sich vor den an der Flanke wartenden Jägern zeigt. Die Jäger müssen die Abschussregelungen beziehungsweise die Kontingente einhalten, sonst muss die Jagdgesellschaft nach neuem Gesetz teilweise für die durch das Wild entstandenen Schäden aufkommen. Schmid betont in seinen Ausführungen, dass das Schiessen der kleinste Teil des Jagens sei. Immer wieder müsse das Wild beobachtet und gezählt werden. Bis sich dann der seltene Moment zum Schuss ergäbe, müsse meist lange gewartet werden.

Der Marsch im Regen

Nach den beiden Teilen mit Hunziker und Schmid macht sich die Gruppe auf den nassen Rückweg durch den Wald. Im Gehölz sind bereits braune Pfützen zu sehen, die Waldwege sind glitschig, es tropft von den Bäumen. Trotzdem hat die Stimmung im verregneten Wald ihren Reiz. Die Gruppe erhält einen speziellen Einblick in das Jägerdasein: Zu jeder Jahreszeit und bei Wind und Wetter verbringen die Jäger beträchtliche Zeit allein im Wald, für die nachtaktiven Tiere bleiben sie oft bis in die späte Nacht hinein. «Sitzleder braucht es schon», meint Schmid lachend, «manchmal hat man etwas mehr davon, manchmal etwas weniger.» Beim Apéro zeigen die Jäger stolz ihre Tieraufnahmen aus der Fotofalle. Ausserdem erzählen sie über das reichhaltige Jägerbrauchtum, das mit einer speziellen Sprache und dank der Geselligkeit immer noch rege gepflegt wird.

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