«Drü, zwei, Eis und Go», Dani Fohrler zählt rückwärts, als das Zweiersässeli in Oberdorf mit einem Ruck schwungvoll auf die Fahrt hinauf auf den Weissenstein startet. «So, jetzt geniessen wir die letzten Fahrt hinauf auf den Solothurner Hausberg.» Seine Beziehung zum «Sässeli» sei keine besonders spezielle, trotzdem habe ihn die Seilbahn vor allem in seiner Kindheit sehr fasziniert. «Bei uns in der Familie wurde intensiv gewandert, meistens waren wir aber nicht mit dem Sässeli unterwegs. In aller hergottsfrühe, gings zu Fuss auf den Berg, das Auto haben wir in Oberdorf parkiert - da war das Sässeli jeweils noch gar nicht in Betrieb. Auf dem Rückweg habe ich dann oberhalb von mir häufig das Sässeli rattern gehört. Ein bekanntes Geräusch - dieses einmalige ‹Ratatatata› wird wird sicher in den Erinnerungen vieler Menschen bleiben. Ich war schon als Bub fasziniert von allem was Audiotechnisch war. Solche Geräusche wie diese der Sässelibahn habe ich auf einem Kassettengerät aufgenommen und damit experimentiert.»

Geprägt hat die Sässelibahn den heutigen Radiomoderatoren als Kind auch in technischer Hinsicht: «Inspiriert durch diese Sässelibahn baute ich mit den weissen Plastik-Glacestängeli Seilbahnanlagen. Eine habe ich zu einer Kollegin hinüber über zwei Häuserdächer und Gärten gebaut. Ich war dermassen angefressen von Seilbahngeschichten, dass ich sogar einen Schritt weiter ging: Mit Flaschenzügen, Seilen und allem ‹mögliche was Gott verbote het›, baute ich eine grosse Seilbahn. Sie ging vom Schopf aus, der Wäscheleine entlang durch unseren Garten. Ein Plastikstuhl diente als Sässeli und Nachbars Kinder waren meine Fahrgäste. Später habe ich mir vorgestellt, wie toll es wäre, bei der Seilbahn Weissenstein zu arbeiten: Mit all der Technik zu rangieren und die vielen Knöpfe zu bedienen. Das hat mir Eindruck gemacht. Es ist für mich heute noch ein Phänomen, wie das alles funktioniert.»

Diese Faszination war am Wochenende auch bei vielen anderen Fahrgästen zu spüren. Ausgerüstet mit Foto- und Videokameras halten sie die letzten Runden der Sässelibahn mit dem atemberaubenden Ausblick ins Mittelland fest. Ein Mann lässt sich auf der Talfahrt winkend von einer Frau, die auf dem unteren Sässeli sitzt, fotografiern. Mit der einmaligen Sicht, die es nur von der ersten Jurakette gibt und bis in die Berner Alpen reicht, sind die Gäste der Nostalgiefahrten gestern belohnt worden. «Das seitwärts hoch- und runterfahren ist doch einmalig - gerade jetzt wo die Farbenpracht des Herbstwaldes so schön ist», sinniert Dani Fohrler und blickt über die Jurahügel. Wenn er Besuch aus dem Ausland hatte, war der Weissenstein jeweils ein attraktives Vorzeigeobjekt. «Es gibt wohl Tausende von Fotos dieser Anlage, welche die Bahn überall auf dieser Welt in Erinnerungen weiterleben lässt. Doch irgendwann ist Schluss. Lange war ich der Meinung, dass das ‹Sässeli› unter allen Umständen weiterbestehen muss. Heute vergleiche ich die Bahn mit einem Plattenspieler in meinem Alltag als Radiomoderator: Dieser musste im Verlauf der Jahre auch der digitalen Technik weichen. Ich finde es wichtig, dass der Tourismus auf dem Berg erhalten bleibt. Ich wünsche mir eine einfache Bahn auf den Weissenstein - kein Vergnügungspark - aber eine Bahn braucht es unbedingt.»

Oben vor dem Kurhaus auf dem Berg, ist die Stimmung eher ruhig - obwohl es praktisch keinen freien Platz mehr auf der Restaurantterasse gibt. «Man spührt es förmlich, dass die Leute Abschied nehmen», flüstert Dani Fohrler. «Wehmütig schauen sie noch einmal übers Mittelland hinunter und geniessen die Aussicht auf die Alpen, bevor sie bewusst die allerletzte Talfahrt antreten», kommentiert er. Allerdings benötigt man für diese letzte Fahrt viel Geduld. Der Andrang ist gross und die Räder der Sässelibahn drehen und drehen unermüdlich. Wieder unten bei der Talstation in Oberdorf angekommen, blickt auch Dani Fohrler nocheinmal dem Seil entlang den Berg hoch: «Jetzt ist endgültig Schluss, das altbekannte ‹Ratatatata› gehört nun definitiv der Vergangenheit an».