Ozon
Das Ozon klettert auf Höchstwerte

Erstmals seit vier Jahren ist der anderthalbfache Grenzwert überschritten worden. In Baden registrierte die Messstelle 189 und in Sisseln maximal 205 Mikrogramm Ozon.

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Das Ozon klettert auf Höchstwerte

Das Ozon klettert auf Höchstwerte

Hans Lüthi

Die Sommerhitze mit über 30 Grad drückt das Ozon in die Höhe. Werte von um die 200 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft hielt der beste Kenner im Kanton zu Beginn dieser Woche kaum für möglich. Doch am Mittwoch staunte Lufthygieniker Markus Schenk von Luft und Lärm in der Abteilung für Umwelt über die aktuellen Resultate: maximal 205 Mikrogramm in Sisseln, 189 in Baden an der Schönaustrasse und 193 Mikrogramm in Suhr Bärenmatte. «Entscheidend für die Ozonbildung ist die Sonneneinstrahlung», erklärt Schenk. Bei einer längeren Sommerperiode schaukeln sich die Werte nach oben. Auch der Wind hat einen Einfluss, am Donnerstag und Freitag sind die Werte unter 180 Mikrogramm geblieben.

Meldung der Umweltdirektoren

Vor rund 15 Jahren waren Werte über 200 Mikrogramm auch auf der Alpennordseite keine Seltenheit. Seither ging die Belastung laut Markus Schenk tendenziell zurück. Zur Vermeidung unterschiedlicher Warnungen der Kantone, verbunden mit einem Info-Chaos, haben sich die Politiker auf diesen Ablauf geeinigt: Ab dem anderthalbfachen Immissionsgrenzwert, also ab 180 Mikrogramm, macht die Schweizerische Bau-, Planungs- und Umweltschutzdirektoren-Konferenz (BPUK) eine Medienmitteilung. Darin ruft sie die Bevölkerung auf, «körperliche Anstrengungen anzupassen und einen Beitrag zu weniger Luftschadstoffen zu leisten».

Für Temporeduktionen zu früh

Die letzten Ozon-Meldungen der Umweltdirektoren stammen von 2006, in den verregneten Sommermonaten 2008 und 2009 war das Reizgas kein Thema. Die Diskussion um Tempo 80 statt 120 auf Autobahnen kommt bei 220 Mikrogramm auf den Tisch. «Wenn die Belastung an drei Tagen
so hoch ist, müssen die Umweltdirektoren entscheiden», sagt Schenk. Bei Aussicht auf weiterhin grosse Hitze würden sie die Geschwindigkeit wohl reduzieren – obschon die Wirkung stark umstritten ist.

Belastungen am frühen Morgen

Zahlen hin oder her, «die Freude an der Sonne und dem schönen Wetter sollte man sich nicht vermiesen lassen», meint Fachmann Schenk. Allerdings seien die üblichen Vorsichtsmassnahmen zu beachten. Hobbysport und starke Anstrengungen solle man besser auf die Randstunden verschieben. Im Vergleich zu früheren Jahren geht die Belastung an heissen Tagen oft erst um 21 Uhr oder später unter den Grenzwert zurück. Kleine Kinder und ältere Leute sind empfindlicher und sollten sich besser schützen oder geschützt werden. Atemprobleme und ein Kratzen im Hals sind Warnsignale, hören sie nicht auf, wird ein Arztbesuch empfohlen.

Das bodennahe Ozon entsteht in einem komplexen Prozess aus den Vorläufersubstanzen Stickoxid (Motoren) und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC, Industrie). Interessant ist die Anzahl zu hoher Stundenmittel im Vergleich: Dieses Jahr war der Ozongehalt bisher in Suhr 80, Baden 146 und Sisseln 151 Stunden zu hoch, was an zwei Stationen schon mehr ist als im ganzen Vorjahr. Im Hitzesommer 2003 wurde der Grenzwert sogar an 358 bis 663 Stunden überschritten.

Die ersten Hitzetage 2010

Hitzetage mit über 30 Grad im Schatten gab es dieses Jahr bisher in Sisseln 5, in Suhr 4 und in Baden 3. Der Rekordwert 2010 stieg gestern in Baden auf 35,0 Grad, in Suhr und Sisseln auf 33,5 Grad. Übers ganze Jahr 2009 registrierten die Messstationen 13 Hitzetage in Suhr, 12 in Sisseln und 9 in Baden. Ganz andere Zahlen gibt es aus dem Sommer 2003, mit 42 Hitzetagen in Baden, 41 Hitzetagen in Sisseln und 39 Hitzetagen in Suhr! Die Temperatur stieg damals bis auf 38,6 Grad.

Aktuelle Informationen per Internet: www.in-luft.ch

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