Das Kunsthaus mit Aussicht

13 Studenten der Hochschule der Künste Bern stellen im Kunsthaus Langenthal ihre Abschlussarbeiten aus. Entstanden ist eine Ausstellung mit viel Frische und ungewöhnlichen Ideen.

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az Langenthaler Tagblatt

Katharina Schwab

Seit kurzem ziert ein schräger Zebrastreifen den Platz vor dem Kunsthaus. Dabei handelt es sich nicht um eine neue Massnahme zur Durchsetzung des Parkplatzregimes vor dem Choufhüsi, sondern um Kunst. Denn nicht Mitarbeiter der Stadt malten die gelben Streifen auf das Marktgasse-Pflaster, sondern Sybill Häusermann. Als eine von 13 Studentinnen und Studenten der Hochschule der Künste Bern (HKB) stellt sie ihre Werke ab heute im Kunsthaus aus.

Die Ausstellung «mit Aussicht» kann während sechs Tagen betrachtet werden. In den Räumen gibt es Video-Installationen, Skulpturen, Büsten, Malerei und Fotografien. Es sind

allesamt Abschlussarbeiten der Studenten der HKB, welche ihr Bachelor-Studium damit beenden. So hat sich beispielsweise Häusermann in ihrer Arbeit direkt mit dem Abschiednehmen beschäftigt. Ihre bisherigen Arbeiten hat sie zu Staub verarbeitet und damit ein schematisches Selbstporträt auf den Holzboden eines Raumes gemalt. Beim Fussgängerstreifen vor dem Kunsthaus gehe es für sie zudem darum, dass man auch bei der vermeintlichen Sicherheit auf dem Zebrastreifen aufmerksam bleibe, sagt Häusermann.

Andere Sichtweisen

Bianca Pedrina hat zwei Situationen geschaffen. Einerseits viele einzelne kleinere Fotografien, welche räumliche Konstellationen aufnehmen: «Die speziellen Perspektiven sollen zu einer anderen Sichtweise und Wahrnehmung führen», sagt Pedrina. Die Formen sind ungewöhnlich, und der Betrachter fragt sich, wo das Gebäude anfängt und wo es endet. Im Raum nebenan andererseits steht ein überdimensionales Bild mitten im Zimmer. Es ist eine Fotografie einer abstrakten Skulptur, welche die Studentin in Bümpliz gefunden hat. Für sie ist dieses Bild ein möglicher gemeinsamer Nenner der kleinen Fotografien.

Auch Sebastien Verdon hat sich mit Fotografie beschäftigt. Allerdings kommt bei ihm noch die Malerei hinzu. So hat er fotografierte Bilder nachgezeichnet, um diese dann erneut zu fotografieren. Somit schuf er Bilder aus anderen Bildern. «Mich interessiert die Illusion von Fotografien», sagt Verdon.

Die Gedanken anregen

Fanni Fetzer, Leiterin des Kunsthauses Langenthal, freut sich über die Ausstellung. Fetzer ging mit den Studenten im Frühling zum ersten Mal durch die verschiedenen Räume, danach mussten die jungen Künstler selber entscheiden, wer in welchem Zimmer ausstellen wird. Es sei gelungen, die Studenten unter realen Bedingungen an eine Situation heranzuführen, welche ihnen künftig in ihrem Alltag begegnen könnte, sagt Fetzer. Denn von der Organisation und Planung bis zur Erstellung der Preisliste machten sie alles selber.

In der Ausstellung wird die Dokumentation «Ein Blick mit Aussicht!» verteilt. Darin werden die jungen Künstler, ihr Schaffen und ihre Werke von Kunstgeschichts-Studenten beschrieben. In Form von Fragebögen, Comics oder Interviews gibt die Mappe einen interessanten Einblick in die Welt der HKB-Studenten. Bei diesem Projekt sei es um das gegenseitige Verständnis zwischen Kunsthistorikern und Künstlern gegangen, sagt die Projektleiterin Andrea Thal. «Teilweise hatten die Kunstgeschichts-Studenten zum ersten Mal Kontakt mit einem lebenden Künstler», so Thal.

Sarah Hugentobler hat sich für zwei Video-Installationen entschieden. Darin verwendet sie gefundene Tonspuren mit Videos, welche sie selber filmt und alleine in ihnen mitspielt. Entstanden sind neue Personen mit neuen Inhalten. «Ich wollte die Grenzen ausloten», sagt Hugentobler über ihre Werke.

Fabiola di Fulvio hat sich für die Abschlussarbeit ganz der Malerei verschrieben. In der Ausstellung zeigt sie eine Auswahl ihrer Werke mit Öl auf Leinwand. Ihr Thema war das Gleichgewicht zwischen Gegenständlichkeit und Malerei. Dabei stellte sich Fulvio Fragen wie: «Kann ein Bild sinnlich berühren? Kann es Gedanken anregen?» Ob es ihr gelungen ist, mit ihren Bildern sinnlich zu berühren, können Besucher der Ausstellung noch bis am Sonntag selber entscheiden.

www.kunsthauslangenthal.ch

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