Daniela Deck

«So kann es mit dem Sprungturm nicht weitergehen. Wie soll ich meine Sprünge trainieren, wenn die Bademeister die 10-Meter-Plattform manchmal schon zehn Minuten nach der Öffnung wieder schliessen und das völlig willkürlich?», wettert Patrick Huggler. Die Zehnmeterspringer sind eine Minderheit der Grenchner Badigäste. Huggler hat diese Saison fünf regelmässige Springer gezählt, er selbst inbegriffen. Ausser ihm handelt es sich um Jugendliche, die hauptsächlich mittwochs und am Wochenende springen.

Der 45-Jährige sagt von sich, dass er die oberste Plattform am Sprungturm schon als Kind frequentiert habe. Sein Repertoire von 14 Sprüngen habe ihm ein früherer Trampolin-Schweizer-Meister beigebracht. Da er beruflich in den frühen Morgenstunden tätig ist, besucht Huggler die Badi im Sommer praktisch jeden sonnigen Nachmittag. Turnierambitionen habe er nicht. Er will zum Vergnügen springen und fühlt sich darin von den Verantwortlichen schikaniert. Daneben frönt er in der Badi noch einer zweiten Leidenschaft, dem Schachspiel.

Frust über Jahre aufgebaut

Patrick Hugglers Frust mit dem Sprungturm hat sich im Lauf einer jahrelangen Geschichte aufgebaut. In den
90er-Jahren hätten die Turmspringer dem damaligen Chefbademeister einen Brief geschrieben mit der Bitte, die 10-Meter-Plattform pro Tag doch länger zu öffnen. «Nachher klappte das einige Saisons lang gut», erinnert sich Huggler. Seit der Renovation der Badi vor drei Jahren sei die Situation völlig unbefriedigend.

Das hat mehrere Gründe: Nach der Sanierung sei die Plattform furchtbar rutschig gewesen. «Die haben offenbar den Quarzsand im Belag vergessen. Es ist vorgekommen, dass Leute auf der Plattform hingefallen sind. Mir ist das nie passiert, aber ich habe mich nicht mehr getraut, bestimmte Sprünge zu machen. Dieses Jahr ist es schon wieder etwas besser, denn die Farbe verschwindet langsam», erzählt der Hobbyspringer. Angesprochen auf dieses Problem, habe die Baudirektion Besserung versprochen. «Sie haben den Sprungturm ein paar Tage geschlossen, aber nachher konnten wir keinen Unterschied feststellen.» Ausserdem seien vermehrt Leute auf dem Sprungturm aufgetaucht, die sich nicht trauen zu springen und so den Betrieb blockieren. Das seien alles Auswärtige, die Französisch sprechen. Diese Langweiler ärgern Huggler, weil sie die Bademeister animieren, die Plattform zu schliessen.

«Hauen wollte ich ihn nicht»

Im Juli kam es zum Eklat. Als der Sprungturm wieder einmal vor seiner Nase zugesperrt wurde, bedrohte Huggler einen Bademeister: «Ich habe ihm die Faust unter die Nase gehalten und bin laut geworden. Hauen wollte ich ihn nicht. Das ist ein Kasten von einem Mann, da hätte ich schnell den Kürzeren gezogen.» Mit der Szene sei es ihm hauptsächlich darum gegangen, die Aufmerksamkeit der Leute zu bekommen, «damit die merken, was beim Sprungturm geschieht». Jetzt hat Huggler eine Verwarnung der Baudirektion am Hals, eingeschrieben und mit der Androhung eines Badiverweises, sollte es noch einmal zu einem derartigen Vorfall kommen.

Fast ebenso empörend wie Hugglers Entgleisung gegenüber dem Bademeister findet die Baudirektion die Tatsache, dass jener die «Frechheit» besass, sich bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung über den Belag zu beklagen. «Der Sprungturm genügt allen Sicherheitsanforderungen», erklärt Vize-Stadtbaumeister Jürg Vifian. «Patrick Huggler hatte absolut kein Recht, einen solchen Schritt zu unternehmen.» Und: «Es gibt kein Menschenrecht auf die Öffnung des Sprungturms. Das liegt im Ermessen der Bademeister. Damit muss sich auch Herr Huggler abfinden.» Mit der Aversion gegen den hartnäckigen Badigast ist Vifian keineswegs allein. Chefbademeister Paul Markus Joss ist ebenfalls schlecht auf ihn zu sprechen. Vor allem verteidigt er den Mitarbeiter, mit dem Huggler den Zusammenstoss hatte: «Das ist ein Topbademeister, der seine Arbeit sehr gut macht.»