Kirche
Das Kreuz mit dem Kreuz in Oberbipp

Die Frage, ob es in der Kirche der Gemeinde ein weiteres Symbol braucht, löst Diskussionen aus Braucht es in der reformierten Kirche in Oberbipp ein Kreuz? Diese Frage diskutierten am Mittwoch 30 Personen vor Ort. Die Kirchgemeindemitglieder können sich auf einem Infoblatt dazu äussern.

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Kirchenkreuz

Kirchenkreuz

Berner Rundschau

Kurt Nützi

An der Infoveranstaltung in der Kirche Oberbipp zur Frage «Kreuz: Ja oder Nein?» beteiligten sich 30 Personen. Sie lieferten sich eine engagierte und emotionale Diskussion. Ein Entscheid ist noch nicht gefallen.

Darum geht es: Vor gut einem Jahr gelangte die engagierte Christin Therese Schenk aus Oberbipp an den Kirchgemeinderat. Sie wollte wissen, ob nicht ein Kreuz in der Kirche Oberbipp installiert werden könne. Auslöser war eine Spende von 50 Franken, welche Schenk - sie trifft sich regelmässig mit zwei Frauen zum Singen und Beten in der Oberbipper Pfarrkirche - von einer Walliser Besucherin als Startkapital für das fehlende Kreuz geschenkt erhielt. Mittlerweile ist die Spendersumme auf 150 Franken angewachsen.

Therese Schenk widersprach am Mittwoch den Gerüchten, sie gehöre einer Sekte an. Sie sei vielmehr Mitglied der Reformierten Kirchgemeinde Oberbipp, besuche aber auch Gottesdienste in der Freikirche im Turm in Wiedlisbach. Sie präzisierte: «Eine Freikirche ist keine Sekte. Für mich steht Jesus Christus im Zentrum meines Glaubens.» Sie zahle Kirchensteuern in Oberbipp und einen Beitrag an die Freikirche in Wiedlisbach, welche nicht staatlich subventioniert sei.

Wie viel Symbolik braucht es?

«Wir wollen die Wünsche und Ängste heraushören», nannte Kirchgemeindepräsident Thomas Gehrig das Ziel der Informationsveranstaltung. Die 3000 Mitglieder der Reformierten Kirchgemeinde Oberbipp haben deshalb noch bis zum 31. Mai Gelegenheit, auf der Rückseite des Infoblattes Ja oder Nein zur Installation eines Kreuzes zu sagen und ihre Sichtweise zu begründen.

«Wie viel Symbolik braucht der Mensch?», fragte Pfarrer Daniel Wiederkehr. Ursprünglich sei der Fisch und nicht das Kreuz das Erkennungszeichen der ersten Christen gewesen. Das Kreuz habe es bereits in der Jungsteinzeit gegeben und wurde als Symbol der Fruchtbarkeit verwendet. Es habe in der Vergangenheit und in der Gegenwart viele verschiedene Kreuze gegeben. «Mit dem ans Kreuz geschlagenen Jesus bekam das Kreuz eine neue Bedeutung: die des Todes und die der Auferstehung», so Wiederkehr. In der Reformation seien die Kirchen vom Zuviel an Symbolen befreit worden. In den reformierten Gotteshäusern seien später zwar wieder Kreuze installiert worden, «aber ohne angenagelten Jesus». In der Pfarrei Oberbipp seien Kreuze in der Kirche Attiswil, in der Friedhofkapelle Wiedlisbach und bei Gottesdiensten im Oberaargauischen Pflegeheim (OPW) vorhanden, nicht aber in der Kirche Oberbipp.

Hilfe oder Martersymbol?

Der heutige Mensch sei mit einem Überangebot an Symbolik konfrontiert: «Wir befinden uns in Oberbipp mitten in einem Entscheidungsprozess», stellte der Pfarrer fest. Die heutige Gesellschaft lege sehr viel Wert auf Individualismus. Deshalb sei es schwierig, einen Konsens zu
finden.

Die emotional geführte Diskussion eröffnete der Künstler Peter Gaber aus Wolfisberg. Er befürwortet ein Kreuz in der Kirche Oberbipp. Der Zeichner aller Kirchen im Oberaargau hat bereits ein dreistufiges Holzkreuz, welches die Dreifaltigkeit Gottes darstellt, gemalt. «Mir fehlt trotz den drei herrlichen Kirchenfenstern (Schöpfung, Paradies, Geburt Christi) der bestimmte Punkt, wo ich beten kann», begründete er sein Ja. «Die Kreuzigung Jesu nahm mir und uns allen unsere Schuld.» Eine ältere Frau meinte: «Ich fand in unserer schönen Kirche immer Trost. Für mich ist das Kreuz ein Mardersymbol.»

Ein deftiges Votum kam vom ehemaligen Sigrist Fritz Känzig: «Seit der Unterweisung bete ich zu Gott in unserer Kirche, man soll sie jetzt nicht mit einem Dreckskreuz versauen. Wer ein Kreuz braucht, findet ein Grosses bei der Aufbahrungshalle.»