«Das ist ziemlich bedient»

«Das ist ziemlich bedient»

Regisseur Rolf Lyssy «Das macht Angst.» (Archiv)

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Regisseur Rolf Lyssy «Das macht Angst.» (Archiv)

«Einmal mehr klaffen hier Recht und Gerechtigkeit auseinander», sagt Rolf Lyssy, der Doyen des Schweizer Films über die Verhaftung Polanskis.

Max Dohner

Sie sind sich persönlich nie begegnet: Roman Polanski (76) und Rolf Lyssy (73), nach wie vor jener Mann mit dem grössten Publikumserfolg in Schweizer Kinos («Die Schweizermacher»). Lyssy sagt auf Anfrage, er kenne Polanski über dessen Filme, vor allem aber über «den sackstarken» Dokumentarfilm «Wanted and Desired» von Marina Zenovich, der am letzten Zurich Film Festival gezeigt worden war und der wohl zur Idee geführt hatte, Polanski 2009 einzuladen.

Der erwähnte Dokumentarfilm, sagt Lyssy weiter, habe gezeigt, dass die «amerikanischen Justizbehörden gepatzert» hätten bei der Untersuchung jenes Falls von Unzucht mit einer Minderjährigen, der jetzt zur Verhaftung des Regisseurs in der Schweiz geführt habe, dreissig Jahre danach. «Was da abgeht, ist ziemlich bedient», sagt Lyssy, «einmal mehr klaffen Recht und Gerechtigkeit auseinander. Rechtlich scheint alles wasserdicht zu sein. Polanskis Vergehen ist nicht zu rechtfertigen. Aber man kann die Sache auch nicht abspalten von seiner Person, Geschichte und Biografie.»

Lyssy fragt sich, weshalb Polanski nicht schon vor Jahren verhaftet worden sei, etwa in Deutschland, als er dort den Film «Ghost» drehte. «Darum schmeckt das Ganze schon ein wenig nach vorauseilendem Gehorsam.» Andere Leute hätten sich in der Angelegenheit profilieren wollen, sagt Lyssy, «Justizbehörden aus den USA, aber auch hierzulande».

Polanski habe indes auch selber Fehler begangen, indem er nie mehr in die USA geflogen sei, um unter die Sache einen Schlussstrich zu ziehen, sagt Lyssy: «Sein Misstrauen war offenbar grösser.» Er, Polanski, hätte am besten wissen müssen, in welchem Grad er eine Verhaftung in der Schweiz riskierte, wenn auch die Zürcher Festival-Leitung sicher «etwas blauäugig» gehandelt habe mit der Einladung. Die Verhaftung Polanskis mache das Festival zwar bekannt, letzten Endes aber «wirds am Inhalt gemessen, am Programm», und das sei in Zürich «bis jetzt zufriedenstellend».

Die kalifornischen Behörden haben offenbar dank dem Internet vom Zürich-Ausflug Polanskis erfahren: «Das zeigt wieder», sagt Lyssy abschliessend, «wie gläsern der Mensch heute ist. Das macht Angst.»

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