Broschüre

«Das ist Werbung für unser Dorf»

60 Jahre nach der Gründung der «Vereinigung zur Erhaltung alter Volksbräuche» gibt die Gemeinde Hallwil eine neue Broschüre über «Die Hallwiler Mittwinterbräuche» heraus. Quadratisch und zeitgemäss gibt das Werk detailliert Auskunft über Hintergründe von Bärzeli und Co.

Fritz Thut

In keinem andern Dorf geniessen die örtlichen Bräuche einen derart hohen Stellenwert wie in Hallwil. «Sie sind für uns so etwas wie ein Aushängeschild», hält Thomas Bucher fest, der für die neueste Publikation über Chlaus-Chlöpfe, Chlaus-Jage, Wiehnechts-Chindli, Silväschter-Trösche und Bärzeli die meisten Texte verfasst hat und für Koordination, Konzept und Redaktion verantwortlich zeichnet.

Die neueste Broschüre, die ab nächster Woche auf der Gemeindekanzlei Hallwil bezogen werden kann, ist die vierte nach 1958, 1982 und 1992. Weil die Vorgängerauflage zur Neige ging, wurde der im Gemeinderat für kulturelle Belange zuständige Vizeammann Franz Schaffhauser vor zwei Jahren bei Thomas Bucher vorstellig.

Eine vollständige Neuauflage

Der 26-jährige Journalist und Masterkandidat in den Fächern Geschichte und Hispanik fing schnell Feuer und kam ebenso schnell zum Schluss, dass eine sanfte Pinselrenovation der Broschüre von 1992 kaum Sinn macht: «Ich drängte auf eine vollständig überarbeitete Neuauflage.» Dies nicht zuletzt, weil er so Erkenntnisse, die er bei seinen umfassenden Studien über die Hintergründe des örtlichen Brauchtums gewonnen hatte, verwerten konnte.

Zudem sorgen die Bilder des Hallwiler Fotografen Thomas J. Kiefer und das moderne Layout von Andy Ott dafür, dass «Die Hallwiler Mittwinterbräuche» keineswegs verstaubt, sondern auch optisch frisch daherkommen.

Die aktuellen Bilder stammen aus dem letzten Winter und bilden so einen Beweis, dass hier das Brauchtum lebt. Ergänzt wurden diese authentischen Illustrationen durch einige Kunstbilder aus dem Studio und historische Aufnahmen.

Klare Gliederung beim Text

Ein interessanter Mix aus früherer Zeit und aktuellen Erkenntnissen ist der Textteil. Bucher, aktuell Mitglied der Brauchtumskommission (der Nachfolgerin der vor 60 Jahren gegründeten «Vereinigung zur Erhaltung alter Volksbräuche»), gliederte die Texte zu den fünf Bräuchen identisch: «Nach einer Zusammenfassung folgt die Schilderung des Brauchs, wie er aktuell gepflegt wird. Artikel über Bedeutung und Chronologie ergänzen den Stoff.»

Diese klare Gliederung und eingeflossene Ergebnisse eigener Nachforschungen machen die neue Broschüre zu einem wichtigen lokalhistorischen Nachschlagewerk. Weil die Gemeinde Hallwil weder einen Ortsprospekt noch einen eigenen Internetauftritt hat, erfährt das Werk eine gesteigerte Bedeutung: «Das ist Werbung für unser Dorf», ist Autor Bucher überzeugt.

Den abschliessenden Bogen hinter den fünf Bräuchen bildet ein Exposee «Zur Entstehung und Geschichte unserer Mittwinterbräuche». Während die Wurzeln bis zu den Kelten und Alemannen zurückreichen, brauchte es in Hallwil nach dem Zweiten Weltkrieg einen speziellen Effort, dem auch hier serbelnden Brauchtum wieder auf die Beine zu helfen.

«Lebendiges Volksgut»

Das Vorwort für die Broschüre, die dank der grosszügigen Unterstützung durch Institutionen und Betriebe überhaupt erst ermöglicht wurde, schrieb mit Willi Urech ein Mitbegründer der Wiederbelebung des Hallwiler Brauchtums, der später während 10 Jahren als Ammann die Geschicke der Gemeinde führte. Er plädiert darin für die Pflege der «schönen, alten Bräuche», die als «lebendiges Volksgut erhalten bleiben» sollen: «Wie sehr verarmt ein Dorf, wenn es auf diese Welt verzichtet.»

Momentan macht sich Thomas Bucher keine Sorgen über den Erhalt der Hallwiler Bräuche. Seit einigen Jahren halten er und Kollegen Vorträge in der Schule und begeistern so die Jüngsten für die Sache: «Für die nächsten 15 bis 20 Jahre habe ich keine Bedenken.»

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