Abfälle und Vandalismus

«Das ist unsere einzige Chance»

Illegal entsorgter Abfall, zerstörte Sitzbänke,verschmierte Wände – in den Gemeinden rechts der Limmat hat man dem Vandalismus den Kampf angesagt und hofft dabei auf die Hilfe der Bevölkerung.

Von Sandro Zimmerli

Sie ist idyllisch gelegen, rege genutzt und wird nach schönen Wochenenden des Öfteren mit Abfall übersät zurückgelassen. Die Feuerstelle bei der «Dicken Berta» oberhalb der Bergstrasse am Waldrand in Unterengstringen wird neuerdings als Treffpunkt von Jugendlichen genutzt.

Das alleine stellt für die Behörden noch kein Problem dar. Ein Teil der jungen Menschen hält sich aber nicht an die Regeln, hinterlässt viel Abfall und sorgt mit lauter Musik für Unmut bei den Nachbarn. Gegen diesen Missstand will die Gemeinde nun vorgehen - mithilfe der Kantonspolizei und der Bevölkerung.

In der jüngsten Ausgabe der «Unterengstringer Nachrichten» kündigt der Gemeinderat vermehrte Kontrollen der Kantonspolizei bei der «Dicken Berta» an. Gleichzeitig wird die Bevölkerung dazu aufgerufen, Verfehlungen dem Gemeinderat zu melden. «Uns geht es darum, Präsenz zu markieren und zu erfahren, wo sich die Jugendlichen aufhalten», sagt Unterengstringens Polizeivorstand Rolf Stucki.

Denn die «Dicke Berta» sei nicht der einzige Ort, wo Probleme auftauchen. Auch bei der Feuerstelle im Kloster Fahr, in der Nähe des Hilariusbrügglis, müsse der Werkdienst immer wieder illegal entsorgten Abfall wegräumen. «An Montagen bietet sich dort ein grauenhaftes Bild», so Stucki. Solche Zustände wolle man der Bevölkerung künftig nicht mehr zumuten.

Während im Kloster Fahr der Abfall der Stein des Anstosses ist, sorgt bei der «Dicken Berta» der Lärm für Ärger. «Oft sind die jungen Leute bis weit nach Mitternacht dort anzutreffen. Ich verstehe den Ärger der Nachbarn», hält Stucki fest. Er selber habe auch schon einige Kontrollgänge unternommen.

Alle Jugendlichen in einen Topf werfen will Stucki nicht. Er habe festgestellt, dass es viele vernünftige junge Leute gebe. «Mit einigen habe ich gesprochen. Wenn man den richtigen Ton trifft, dann verstehen sie das Problem», erklärt er. «Es kann aber nicht sein, dass viele anständige Leute unter den Verfehlungen einiger Unbelehrbarer leiden», so Stucki. Man wolle keinesfalls zum Äussersten greifen und die Feuerstelle schliessen.

«Das kann nicht das Ziel sein. Deshalb wollen wir die Jugendlichen auf die geltenden Regeln, insbesondere die Einhaltung der Nachtruhe, aufmerksam machen», sagt der Sicherheitsvorstand. Damit auch alle über diese Regeln informiert seien, werde bei der «Dicken Berta» als Ergänzung zu den Polizeikontrollen, eine Tafel mit Auszügen aus der Polizeiverordnung installiert.

Mit Aufrufen an die Bevölkerung bereits Erfahrung gesammelt hat man in Geroldswil. Dort ist es in letzter Zeit ebenfalls zu Sachbeschädigungen gekommen. Beim Grillplatz Moos wurde eine Wand versprayt, an der Huebwiesen- und der Dorfstrasse sind Schachtdeckel entfernt worden.

Der Gemeinderat sah sich deshalb gezwungen, eine Belohnung von 500 Franken für sachdienliche Hinweise auszuschreiben. Mit zwiespältigem Erfolg. «Die Täter konnten noch nicht eruiert werden. Dennoch haben uns Jugendliche informiert, dass sie die Täter kennen, sich aber nicht getrauen, diese zu verraten», erklärt Geroldswils Sicherheitsvorstand Martin Conrad.

Trotzdem ist er von der Methode überzeugt: «Es ist unsere einzige Chance.» Er weise die Bevölkerung deshalb an, sich zumindest Motorradnummern zu notieren. «Das führt zum Erfolg, wie wir in den letzten Jahren festgestellt haben», so Conrad. Oft reiche dann eine Vorladung bei der Polizei und die Tat werde aufgeklärt.

In Weiningen kann man den Unmut in Unterengstringen verstehen und hält vermehrte Polizeikontrollen und Aufrufe an die Bevölkerung für sinnvoll. «Die Präsenz der Polizei ist wichtig, damit die Jugendlichen merken, dass wir wissen, wo sie sich aufhalten. Zudem machen die jungen Leute im gleichen Stil weiter, wenn sie nie jemand kontrolliert», sagt Thomas Baumgartner, Gemeindepolizist in Weiningen und in dieser Funktion auch für Oetwil zuständig.

Beide Gemeinden zählen auf ihrem Gemeindegebiet unzählige Feuerstellen, die meisten davon im «Wisentäli». Von dort seien aber keine Klagen zu hören. «Hingegen halten sich die Jugendlichen in den Rebhäusern in den Reben auf», hält er fest. Oft erhalte er Hinweise aus der Bevölkerung und gehe dann auf Kontrollgang.

Bei seinen Kontrollgängen stellt Baumgartner immer wieder dasselbe fest. «In allen Fällen ist Alkohol im Spiel. Schon deswegen muss ich die Personalien der Jugendlichen kontrollieren», hält er fest. Zudem diene die Kontrolle auch dazu, abzuklären, ob Jugendliche bei den Strafbehörden gemeldet sind. Zu Verzeigungen komme es hingegen selten.

«Ich muss einen Jugendlichen dabei erwischen, wie er seinen Abfall auf öffentlichem Grund entsorgt. Dann geht der Fall an den Gemeinderat, der die Busse festlegt», so Baumgartner. Häufiger würden Jugendliche aber weggewiesen, weil sie die Nachtruhe nicht einhalten.

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