«Das ist ein delikater Job»

Mit einem schwarzen Fahrrad ist er unterwegs, angehängt ein schwarzer Container – und die schwarze Karte ist auch immer mit dabei: Mit Hilfe der Bevölkerung sagt Güsel-Ranger Niels Michel der illegalen Entsorgung den Kampf an.

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Limmattaler Zeitung

Matthias Kessler

Tatort Stelzenacker, Dietikon: Jeden Montagmorgen früh zwischen 5.40 und 5.45 Uhr bringt eine circa 30-jährige Frau ihren Hauskehricht zur Bushaltestelle. Stellt ihn in einem weissen Sack beim öffentlichen Eimer hin. Und verschwindet in der Dunkelheit.

So beobachtet von einer Nachbarin, die in den frühen Morgenstunden auf ihrem Balkon jeweils eine Zigarette raucht. Illegale oder auch schwarze Entsorgung ist das Stichwort - und die Stadt Dietikon setzt in ihren Bemühungen, dieses Problem in den Griff zu bekommen, auf ebensolche Beobachtungen aus der Bevölkerung. Zu diesem Zweck ist Güsel-Ranger Niels Michel, der im Auftrag der Dietiker Gesundheitsabteilung mit verschiedenen Aktionen für mehr Sauberkeit im Bezirkshauptort sorgen soll, wieder in der Stadt unterwegs (siehe auch Ausgabe vom 23. April).

Die illegale Entsorgung ist für die Stadt Dietikon ein grosses Thema. Im Rahmen einer Abfallanalyse, die eine Woche dauerte und bei der man den im öffentlichen Raum anfallenden Abfall untersuchte, wurde festgestellt, dass von rund einer Tonne Abfall 370 Kilogramm auf schwarze Entsorgung zurückzuführen ist - aufs Jahr hochgerechnet ein Volumen von 22 000 35-Liter-Säcken.

Schwierige Gespräche

Bereits an sieben verschiedenen Standorten stellte Michel seit Ende April seine entsprechende Installation auf, die neben seinem schwarzem Velo, dem schwarzen Container als Anhänger, einem schwarzen Tisch und schwarzen Stühlen auch eine schwarze Stadtkarte umfasst - zuletzt auf dem Platz vor dem Stadthaus. Es sei schwierig, mit den Leuten zu diesem Thema ins Gespräch zu kommen, sagt Michel. «Wir wollen von ihnen Informationen und dazu ihre Kontaktdaten für allfällige Nachfragen. Das ist ein delikater Job», hält er fest. Die meisten Leute wollten anonym bleiben; und das respektiere man natürlich.

Aktion dauert bis in den Juni hinein

In den drei Wochen seit Beginn der Aktion konnte der Güsel-Ranger bereits einige Vermerke im schwarzen Notizbuch eintragen. Unter anderem habe er, so Michel, mit einer älteren Frau diskutiert. Die Frau habe ihm erzählt, dass sich für sie, weil sie so wenig Abfall produziere, nur alle vier Wochen ein 35-Liter-Sack lohne; was dazwischen an verderblichem «Güsel» anfalle, entsorge sie in öffentlichen Eimern. «In einem solchen Fall belasse ich es bei einer Ermahnung», meint Michel. Er habe die Frau darauf aufmerksam gemacht, dass es zu Entsorgungszwecken auch 17-Liter-Säcke gebe und dass sie eine Verzeigung teuer zu stehen käme.
Die Aktion, ursprünglich bis Ende Mai geplant, soll laut Michel bis im Juni weitergeführt werden. Unter anderem plane er eine Befragung am Limmatweg.

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