«Seit die schiefe Brücke für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist, hat auch die Kundschaft abgenommen. Denn wenn man nicht immer wieder an einem Laden vorbeifährt oder -läuft, rückt er automatisch etwas in Vergessenheit», sagt Inhaberin Jutta Bopp. Aber nicht nur der schwindende Umsatz hat sie zum Auflösen des Geschäfts veranlasst, sondern auch ihr kleiner Sonnenschein Alexander, der am 6. November zur Welt kam.

Denn um das Geschäft wieder in Schwung zu bringen, hätte sie einerseits einen attraktiveren Standort wählen und andererseits noch mehr Präsenzzeit investieren müssen. «Das wollte ich nicht. Ein Lokal an guter Lage wäre für mich finanziell kaum tragbar und - ich möchte auch Zeit für meinen Sohn haben.»

Die gelernte Schneiderin und Modistin hat vor 8 Jahren das Geschäft von ihrer Lehrmeisterin und damaligen Besitzerin übernommen. Mit viel Engagement hat sie 2001 nach der Ladenrenovation das Sortiment der Kleider und Accessoires erweitert. Aber dem Kerngeschäft, der «Hutmacherei», ist sie bis heute treu geblieben.

Vor allem bei festlichen Anlässen wie etwa Hochzeiten oder runden Geburtstagen sind Hüte, eigentliche Unikate, sehr gefragt. «Die Kundinnen kommen dann mit ihrem Kleid oder mit Stoffen vorbei und möchten einen passenden Hut dazu», sagt sie.

Für die 33-Jährige und die Lehrtochter Patricia Bleuler - die nach dem Abschluss ihrer Modistinnenlehre im August noch eine Schneiderlehre anhängt - eine tolle Herausforderung.

Erst werden die Proportionen des Gesichts, der Stil der Kundin und auch das Kleid «analysiert». Danach wird gemeinsam die Farbe und Garnitur der Kopfbedeckung bestimmt. «Ein ausladender Hut passt nicht zu jedem Gesicht und auch nicht zu jedem Kleid», betont Jutta Bopp.

Hunderte von Holzmodellen und verschiedenste Stroh- und Filzrohlinge hat Jutta Bopp zur Hand, um darauf für Frau oder Mann die passende Kopfbedeckung zu kreieren. Im Sommer kommen vor allem Stroh und Meterware aus Stoff und Stroh zum Einsatz, im Winter Wollstoffe, Filz und Pelz. Und dann natürlich Bänder, Federn und Blumen zum Ausschmücken.

Fachmännische Beratung liegt der Modistin sehr am Herzen. «Wir legen Wert darauf, dass das ganze Bild stimmt.» Und genau das mache auch die Freude am Beruf aus, das kompetente Beraten und das Spielen mit Farben und Kontrasten.

Nicht jeder Hut bei Claire-Editha ist selbst gemacht. Gerade beim sportlichen Bereich würde sich der Preis nicht rechnen, wenn man diese Hüte selber produzieren würde. Auch bei den gefilzten Rohlingen würde der zeitliche Aufwand ins Uferlose gehen. «Ganz zu schweigen davon, dass man diese feine, kompakte Qualität von Hand nicht hinkriegt», sagt Jutta Bopp.

Bis zum 16. Mai läuft der Räumungsverkauf, dabei gewährt Jutta Bopp 30 bis 70 Prozent Rabatt auf alle Kleider, Foulards und Hüte.

Was passiert danach mit all den Holzmodellen und Rohlingen? «Patricia Bleuler und andere Kolleginnen aus der Branche nehmen ein paar mit. Die meisten aber werde wohl ich behalten. Denn vielleicht werde ich später bei mir zu Hause in Mülligen ein kleines Atelier betreiben.