Das Haus dieser Familie produziert mehr Strom, als sie verbrauchen kann

Das Minergie-P-Haus der Familie Wanger in Oberrohrdorf ist ein Pionierwerk. Seit die Wangers in ihrem Minergiehaus wohnen, hat sich ihr Strombedarf praktisch halbiert. Nicht nur das: Das Photovoltaikdach produziert mehr Energie, als die Familie überhaupt benötigt.

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Sie wohnen in einem Kraftwerk

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Roman Schenkel

Die ersten Sonnentage des Frühlings sind Wasser auf die Mühlen des Minergie-P-Hauses der Familie Wanger in Oberrohrdorf. Das Photovoltaikdach, knapp 100 Quadratmeter, wandelt die Sonnenstrahlen direkt in Elektrizität um. 45,6 Kilowattstunden (kWh) waren es am 31. März, 12734 kWh im gesamten vergangenen Jahr. Das ist mehr, als eine vierköpfige Familie im Durchschnitt pro Jahr verbraucht.

Doch das Minergiehaus der sechsköpfigen Familie produziert nicht nur Elektrizität, das Haus spart durch seine Bauweise zusätzlich Energie. «Wir hatten schon immer die Idee, ein Haus mit geringem Energieverbrauch zu bauen», sagt Marcus Wanger. Die Grundidee des Minergie-P-Hauses sei eigentlich ganz simpel: «Mit möglichst wenig Aufwand Wärme ins Haus holen und diese dann im Haus behalten.»

Das P steht für passiv, weil der überwiegende Teil des Wärmebedarfs aus «passiven» Quellen gedeckt wird – Sonneneinstrahlung, Abwärme von Personen und technischen Geräten oder Bodenwärme.

57 Zentimeter dicke Wände

Zu diesem Zweck ist der Grundriss des Hauses konsequent nach Süden ausgerichtet; die Sonneneinstrahlung ist von Süden am stärksten. Grosse Fenster lassen die Sonnenstrahlen die Räume erwärmen. Auch die Türen der Südseite sind verglast. «Auf der Nordseite haben wir dafür nur zwei kleine Fenster», sagt Wanger. Damit die Wärme im Haus bleibt, dafür sorgen die Dreifachverglasung der Fenster und 57 Zentimeter dicke Wände. «Die Wände umfassen den Wohnbereich, wie ein warmer Schlafsack», erklärt Wanger. Selbst gegen den Boden hin ist das Haus mit einer speziellen Schicht isoliert.

Eine Lüftung besorgt die Luftzirkulation im Haus. Die Luft im Innern des Hauses wird mit derjenigen draussen ausgetauscht. Dabei findet kein Wärmeverlust statt, denn die Luft, die von draussen kommt, wird von der Luft im Innern erwärmt. Dank einer Wärmepumpe hat die Familie Wanger rund um die Uhr warmes Wasser. Ein Regenwassertank speichert Wasser für die WC-Spülung.

5000 kWh Energieüberschuss

Herzstück des Hauses ist die Photovoltaikanlage auf dem Dach. Es ist eine integrierte Anlage. «Das bedeutet, die Photovoltaikplatten bilden auch gleich das Dach», sagt Wanger. Sie sind in einem Winkel von 38 Grad positioniert. «Zusammen mit der Südausrichtung ist das für die Stromproduktion optimal.»

Pro Jahr produziert die Anlage über 12000 kWh. «Das ist deutlich mehr, als wir benötigen. 12734 kWh waren es im letzten Jahr, 7766 kWh Strom hat die Familie Wanger davon selbst verbraucht. Das ist für ein Einfamilienhaus wenig. So bleibt ein Stromüberschuss von annähernd 5000 kWh. «Im Vergleich zum früheren Wohnort konnten wir den Stromverbrauch halbieren», sagt Wanger.

Solarstrom wird eingespeist

Allerdings verbraucht die Familie den selbst produzierten Strom nicht selber. «Das ist bis heute technisch noch zu kompliziert.» Stattdessen beziehen die Wangers ganz normal Strom vom AEW. Ihr Strom hingegen wird mithilfe einer Anlage im Keller von Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt und ins Netz der AEW eingespeist. Dann wird er als grüner Strom weiterverkauft.

Dank dem Kosteneinspeisungssystem erhält Familie Wanger für den produzierten Strom eine Entschädigung, pro Kilowattstunde ungefähr 60 Rappen. «Ich rechne, dass wir mit diesen Zahlungen unser Photovoltaikdach in 22 Jahren amortisiert haben», sagt Wanger. Zusätzlich zahlte der Kanton Fördergelder an den Bau des Minergiehauses – fast 30000 Franken.

Minergie ist eine geschützte Marke für nachhaltiges Bauen. Es gibt drei Abstufungen: Minergie-Standard, Minergie-P und Minergie-Eco (siehe unten). Die Zertifizierung des Hauses nach Minergie-P musste sich die Familie hart verdienen. «Die Kontrollen waren aufwändig und sehr genau», sagt Wanger.

Energieberater prüfte Haus

Der Energieberater beurteilte die Hauptbauteile des Hauses: Dach, Fenster, Fassade und die Böden gegen das Erdreich. «Das Haus muss zudem völlig luftdicht sein», sagt Wanger. Dazu wird ein «Blowerdoortest» durchgeführt. Mithilfe von Luftdruck werden undichte Stellen im Haus aufgedeckt. «Auch bei uns sind dabei noch ein paar Mängel zum Vorschein gelangt.»

Doch nicht überall ist für die Familie Wanger Energiesparen angesagt: «Unsere Kinder können ihre Energie beim Spielen auf der Terrasse oder im Garten hemmungslos loswerden», sagt Wanger.

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