Sandro Zimmerli

Es ist noch nicht lange her, da pilgerten jedes Jahr gegen 200 Mannschaften an die Grümpelturniere im Limmttal. Ob in Dietikon, Schlieren oder Oberengstringen, die Plauschturniere waren Dorffeste und bildeten neben den Jahresbeiträgen die wichtigsten Einnahmequellen der Fussballvereine.

Heute, 20 Jahre später, ist vom einstigen Glanz nicht mehr viel übrig. Sowohl die Zahl der Mannschaften als auch diejenige der Festbesucher ist seit Jahren rückläufig. Beim FC Engstringen ist man gar so weit, sich ernsthafte Gedanken zu machen, ob man das seit beinahe 50 Jahren durchgeführte Turnier nicht ganz abschaffen soll, wie aus der jüngsten Ausgabe des Vereinsmagazins hervorgeht.

«In den letzten zwei Jahren haben wir noch rund 15 000 Franken Gewinn mit dem Grümpelturnier erzielt», sagt Dale Bof, Präsident des FC Engstringen. Ziehe man in Betracht, dass während des Turniers gegen 150 Mitglieder Fronarbeit leisten, stehe dieser Betrag in keinem Verhältnis zum Aufwand. Noch vor 15 Jahren lag der Gewinn jenseits der 30 000-Franken-Marke. «Das Turnier ist immer noch eine wichtige Einnahmequelle und Teil der Tradition des Vereins. Deshalb wollen wir alles dafür tun, dass es weiterhin durchgeführt wird», so Bof.

Bereitschaft zum Helfen sinkt

Wie das Überleben des Engstringer Grümpelturniers sichergestellt werden soll, weiss der Präsident nicht. «Neben dem Turnier bieten wir ein grosses Festzelt, ein separates Barzelt, eine Tombola und eine Bierschwemme an. Es ist möglich, dass einzelne Angebote gestrichen werden, um den Aufwand zu verringern», erklärt Bof. Aber auch eine Absage des Turniers sei möglich. «Dann stellt sich die Frage, wie man auf anderen Wegen den entgangenen Ertrag generiert. Eine Möglichkeit ist die Mitgliederbeiträge zu erhöhen», hält Bof fest.

Sicher ist für Bof einzig, dass das klassische Grümpelturnier als reines Fussballturnier ausgedient hat: «Die Leute wollen heute unterhalten werden. Dieses Jahr fand zur gleichen Zeit wie das Grümpelturnier das Caliente-Festival in Zürich statt.» Viele Besucher hätten kurz in Oberengstringen vorbeigeschaut, seien dann weitergezogen. Zudem habe die Identifikation mit dem Verein nachgelassen. «Für viele ist Fussball nicht das einzige Hobby. Die Bereitschaft, im Verein mitzuhelfen, verringert sich immer mehr», hält er fest. Eine Beobachtung, die man auch beim FC Schlieren und dem FC Dietikon gemacht hat - den anderen beiden Limmattaler Vereinen, die noch Plauschturniere durchführen. In Urdorf und Birmensdorf werden schon lange keine Grümpelturniere mehr veranstaltet. Der FC Oetwil-Geroldswil hat gar nie eines organisiert. «Es wird immer schwieriger, genug arbeitswillige Vereinsmitglieder zu finden», sagt Herbert Wetzel, Präsident des FC Schlieren. Trotzdem könne das diesjährige Grümpelturnier als Erfolg verbucht werden. «An die Spitzenzeiten mit 200 Mannschaften reicht es nicht heran. Zusammen mit dem Schülerturnier machten aber immer noch 150 Teams mit», so Wetzel. Zudem seien auch viele Zuschauer auf den Sportplatz Zelgli gepilgert. «In den letzten Jahren haben wir immer rund 20 000 Franken Gewinn erwirtschaftet. So lange das so bleibt, werden wir am Konzept nichts ändern», hält er fest.

«Ein Auslaufmodell»

Ein Konzept, das der FC Schlieren vor knapp 10 Jahren einführte. «Das traditionelle Grümpelturnier mit Fussball und einem Festzelt ist ein Auslaufmodell», erklärt Wetzel. In Schlieren habe man damit begonnen verschiedene kleine Festbeizen und eine Chilbi in das Turnier zu integrieren. «Heute muss man mit anderen Vereinen zusammenspannen, wenn man genug Besucher an ein Fest locken will», so Wetzel.

Auch in Dietikon hat man in den letzten Jahren einiges unternommen, um den Abwärtstrend zu stoppen. Das Grümpelturnier in seiner alten Form wurde vor einigen Jahren abgeschafft. «Es gab immer mehr Auseinandersetzungen auf dem Feld. Zudem war der Ertrag nicht mehr befriedigend», erklärt Dietikons Präsident Thomas Roth. Man habe versucht mit einem Beach- und später mit einem Street-Soccer-Turnier wieder mehr Einnahmen zu generieren. Ohne Erfolg. Dieses Jahr habe man lediglich ein Schüler- und Sponsorenturnier durchgeführt.

Ein düsterer Trend

Damit nimmt auch der FC Dietikon Einnahmeeinbussen in Kauf. Noch Anfang der 90er-Jahre massen sich rund 250 Mannschaften auf der Allmend bei der Stadthalle. «Man darf aber nicht vergessen, dass es zu dieser Zeit noch kaum Sponsoren gab. Mittlerweile versuchen wir die rückläufigen Einnahmen durch Sponsorengelder zu kompensieren», so Roth.

Eine andere Einnahmequelle sind die Mitgliederbeiträge. «Trotz Sponsorengeldern wird es immer schwieriger, Anlässe auf die Beine zu stellen, die noch Gewinn abwerfen. Viele Besucher bringen mittlerweile ihre eigenen Getränke mit», hält Roth fest. Diese Einbussen würden deshalb auf die Mitglieder abgewälzt. «Das ist zwar keine erfreuliche Massnahme, aber wohl der düstere Trend.»