Thailand
Das grosse Geschäft mit Leihbabys

Der derzeit aufsehenerregende Fall um das behinderte Baby Gammy und seine Zwillingsschwester hat nun offenbar auch in Thailand eine Diskussion um die Legalität einer Leihmutterschaft ausgelöst.

Merken
Drucken
Teilen
Leihmutter Pattaramon Chanbua mit dem sieben Monate alten Gammy.

Leihmutter Pattaramon Chanbua mit dem sieben Monate alten Gammy.

Keystone

Der für die Leihmutterschaft des australischen Paares zuständige Arzt in Thailand soll Hunderte ähnlicher Fälle betreut haben. «Ich kenne die exakte Zahl nicht, aber sie liegt in den Hunderten», sagte der Staatssekretär des Gesundheitsministeriums, Boonreung Trireungworawat, gestern.

Die meisten Leihmutterschaften seien von einer Klinik im Zentrum Bangkoks betreut worden, sagte Boonreung. Diese werde überprüft. Die Behörden haben ein hartes Durchgreifen angekündigt: Wer ungenehmigte Leihmutterschaften betreut habe, dem werde die ärztliche Lizenz entzogen. Auch der Klinikbesitzer müsse mit einem
Verfahren rechnen.

Thailand lässt Leihmutterschaften bei Angehörigen und engen Freunden zu. Diese Grauzone bietet zahlreiche Schlupflöcher und hat ein ganzes Geschäftsmodell blühen lassen. Unzählige Agenturen haben jahrelang offen mit Preislisten für ihre Leihmutterangebote Werbung gemacht.

Vater missbrauchte Kinder

In den letzten Tagen wurde bekannt, dass der biologische Vater wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis sass – seither verlangt die thailändische Leihmutter Gammys Zwillingsschwester zurück. Nach thailändischem Gesetz ist sie als Gebärende Mutter der Kinder, nicht die Eispenderin. Die Thailänderin dürfte aber Papiere unterschrieben haben, die das alleinige Sorgerecht dem Vater zusprachen, sonst hätte er mit dem Mädchen nicht ausreisen können.

In Australien prüft die Kinderschutzbehörde derzeit, ob das Mädchen aus der Familie genommen werden sollte, sagte Westaustraliens Kinderschutzministerin Helen Morton gestern der Zeitung «The Australian». (SDA)