Brader
Das Glück der Naiven?

Wenn man ein Jahr lang mit der ganzen Familie auf Weltreise ist, kann man nicht immer in Hotels wohnen. Als Alternative bietet sich da "Couchsurfing" an - man übernachtet gratis bei Unbekannten. Und erlebt dabei einiges - auch sehr schönes.

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Junge am See

Junge am See

Brader Family

Evelyne Brader

Wir haben erstmals eine ‚Couchsurfer*'-Abmachung getätigt und letzte Woche eine Familie in Montréal besucht, die wir durch couchsurfing kennen gelernt hatten. Der Empfang war sehr herzlich und wir genossen die drei Tage bei unserer Gastfamilie in vollen Zügen, es war, wie wenn man alte Freunde besuchen würde. Das gemeinsame Nachtessen haben wir am zweiten Abend wiederholt, weil ersteres so toll war. Die Tage sind im Fluge vergangen und wir haben abgemacht, dass wir uns nächstes Jahr in Europa treffen möchten. Wir waren bereits ihre 19. Couchsurfer-Erfahrung und alle vorgehenden seien ebenfalls einmalig und positiv gewesen.

Die Braders Eine Familie, die ein ganzes Jahr zusammen auf Weltreise geht, ist speziell, keine Frage. Chef-Weltreisender ist Vater Reto, 44. Er arbeitete bereits längere Zeit im Ausland, unter anderem für Hewlett Packard im kanadischen Edmonton, wo auch die beiden Söhne zur Welt kamen. Reto ist Ingenieur der Elektrotechnik und führt einen MBA-Titel. Zuletzt hat er als General-Manager den Marktaufbau für Pixelmetrix in Europa und Asien geleitet. Mutter Evelyne, 38, ist Künstlerin und Galeristin und kommt aus Würenlos. Sie ist ausgebildete Bildhauerin und verkuaft ihre Arbeiten über führende Galerien. Andrin feierte seinen 13. Geburtstag auf der Queen Mary 2. Er steht auf Robbie Williams, Mr. Bean und Spongebob. Roman ist mit 11 das jüngste Familienmitglied, findet den kleinen Nils toll und spielt selber gerne Fussball - oder auch mal eine Schneeballschlacht. Die Reise kann auf verschiedenen Kanälen mitverfolgt werden: auf a-z.ch schreibt Evelyne Brader exklusiv von ihrer Reise. Und auf ihrer Website publizieren die Braders viele Fotos - und je ein persönliches Tagebuch.

Die Braders Eine Familie, die ein ganzes Jahr zusammen auf Weltreise geht, ist speziell, keine Frage. Chef-Weltreisender ist Vater Reto, 44. Er arbeitete bereits längere Zeit im Ausland, unter anderem für Hewlett Packard im kanadischen Edmonton, wo auch die beiden Söhne zur Welt kamen. Reto ist Ingenieur der Elektrotechnik und führt einen MBA-Titel. Zuletzt hat er als General-Manager den Marktaufbau für Pixelmetrix in Europa und Asien geleitet. Mutter Evelyne, 38, ist Künstlerin und Galeristin und kommt aus Würenlos. Sie ist ausgebildete Bildhauerin und verkuaft ihre Arbeiten über führende Galerien. Andrin feierte seinen 13. Geburtstag auf der Queen Mary 2. Er steht auf Robbie Williams, Mr. Bean und Spongebob. Roman ist mit 11 das jüngste Familienmitglied, findet den kleinen Nils toll und spielt selber gerne Fussball - oder auch mal eine Schneeballschlacht. Die Reise kann auf verschiedenen Kanälen mitverfolgt werden: auf a-z.ch schreibt Evelyne Brader exklusiv von ihrer Reise. Und auf ihrer Website publizieren die Braders viele Fotos - und je ein persönliches Tagebuch.

Überraschung bei der Ankunft

So freuten wir uns auf das nächste Couchsurfing, welches ich im wundervollen Gebiet des Muskoka Lakes, Ontario, Kanada vereinbart hatte.

Bei Ankunft trauten wir unseren Augen kaum, als wir die wundervolle Lage des Anwesens der Couchsurferfamilie erblickten! Direkt an einer Flussöffnung gen See liegend in einer idyllischen Oase von Bäumen, Wasser und Natur. Die Eigentümer waren noch weg und wir riefen kurz auf ihr Natel an, um sie alsbald zu treffen. Sie erklärten uns, dass wir ihre zweite Couchsurfing-Abmachung seien, die erste sei nicht sehr positiv verlaufen und sie wollten eigentlich Schluss damit machen, dachten jedoch, dass sie das Abenteuer mit einer positiven Note abschliessen wollten. Sie würden momentan in ihrem Ferienhaus logieren und sie würden uns ihr Haus am See überlassen, wir sollten es uns gemütlich machen.

Ist da wer...?

Das Glück über all dies, konnten wir kaum fassen. Wie es so langsam draussen Nacht wurde, fragten wir uns ernsthaft, wie wir es jeweils schafften, so viel Glück in unserem Leben zu erleben! Da wohnen wir nun in einem zweistöckigen Haus an diesem Ort, von dem die meisten Menschen nur träumen und müssen dafür nicht einmal etwas bezahlen.

Plötzlich stellten wir fest, dass in der Garage, welche zum Haus gehörte, im oberen Stockwerk Licht an- und abgemacht wurde. Reto fragte mich, ob ich wüsste, ob da jemand wohnen würde? Ich wusste aber von nichts. Wir gingen alle zu Bett und genossen vorerst die Stille ... das Licht nebenan ging wieder an und ab. Wir begannen uns zu fragen, ob wir hier sicher wären, offensichtlich hat es da andere Leute auf dem Gelände ... wer ist das ... und was machen die. Plötzlich überkommt uns beide ein ungutes Gefühl. Den Kindern sagt man jeweils, sie dürfen nicht mit Fremden mitgehen oder sich mit Internet-Chat-Bekanntschaften treffen... wir aber ziehen gleich mit Sack und Pack bei Leuten ein, die wir lediglich von einer Webpage her kennen! Wir haben keine Ahnung, wer hier wohnt und warum die uns ihr wundervolles Anwesen einfach so überlassen haben. Wir machen uns Sorgen.

Wir versuchen uns in Nichts hineinzusteigern, beschliessen jedoch, Stühle unter die Türfallen zu stellen, sollte jemand das Haus betreten in der Nacht, würden wir dies hören. Reto versteckt unsere Wertsachen.

Motoboot-Taxi

Wir erwachen um 7.45 Uhr mit Aussicht auf einen dampfenden Fluss, die Sonnenstrahlen erhellen das Zimmer und unsere komischen Gefühle sind weg. Als wir an der Garage vorbei gehen, kommt eine Frau durch die Türe und begrüsst uns herzlich, stellt sich vor, erklärt sie wohne dort und wir wechseln ein paar Worte. Zum Nachtessen treffen wir die Eigentümer in ihrem Ferienhaus, wir freuen uns auf einen gemütlichen Abend! Sie holen uns mit ihrem Motorboot ab, die Frau aus der Garage kommt auch mit. Wir fahren mit Vollgas über den See und geniessen die herrliche Aussicht. Bei ihrem Ferienhaus angekommen, sitzen wir gemütlich um ein Lagerfeuer und philosophieren über Gott und die Welt, über Vergangenheiten und Zukunftsträume und geniessen einen spektakulären Sonnenuntergang. Es nachtet, der Sternenhimmel ist wie mit Diamanten besetzt und man sieht die ganze Milchstrasse, beeindruckend. Was für ein wundervoller Abend.

Reto und ich diskutieren heute über Sicherheit und Naivität im Netz und darüber, dass so ein Netzwerk, wie z.B. Couchsurfing, darauf beruht, dass Menschen ehrlich, freundlich und nett sind. Bis jetzt war unsere Erfahrung weit mehr als nur positiv und wir hoffen, dass dies so bleibt - während und nach unserer Weltreise! Denn eines sind wir uns sicher, wir werden auch Couchsurfer bei uns logieren lassen.

* Beim Couchsurfing trifft man Leute auf einer entsprechenden Webpage. Die Idee dahinter ist, dass man ein freies Gästebett für Reisende gratis zur Verfügung stellt.

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