Bettina Hamilton-Irvine

«Etwa durchschnittlich» sei das Limmattal für Radfahrer, findet Gottfried Suter, Präsident des Veloclubs Dietikon: «Es hat gewisse Nadelöhre, bei denen man wirklich aufpassen muss. Anderseits gibt es auch einige sehr schöne Radwege.» Für die Sicherheit der Radfahrer könnte jedoch noch einiges getan werden, glaubt Suter, der täglich mit dem Velo zur Arbeit fährt: Am idealsten wären mehr vom Verkehr getrennte Radwege.

«Mir ist jedoch bewusst, dass dies relativ aufwändig zu bewerkstelligen ist.» Auch seien viele Kreisel sowie Stellen, wo man die Strasse überqueren muss sehr gefährlich, so Suter: «Wir Velofahrer sind halt oft die schwächsten im Verkehr.»

Dem kann der grüne Dietiker Gemeinderat Lucas Neff nur zustimmen: «Der Autofahrer ist halt einfach stärker.» Trotzdem findet Neff, dass es generell «gut möglich» sei, sich im Limmattal mit dem Velo zu bewegen. Doch: «Es ist nicht ungefährlich - es ist zum Teil sogar ziemlich gefährlich.»

Handlungsbedarf sieht Neff, der laut eigenen Angaben gut 4000 Kilometer pro Jahr mit dem Fahrrad zurücklegt, vor allem in zwei Bereichen. Einerseits gäbe es im Limmattal nach wie vor Schwachstellen im Velonetz. So wären bei stark befahrenen Strassen separate Velowege erwünscht. Ausserdem würden viele bestehende Velowege dauernd unterbrochen, zum Beispiel durch Einmündnungen.

Andererseits - und dies ist Neff ein besonderes Anliegen - werde die Kultur des Langsamverkehrs noch viel zu wenig gefördert: «Es ist nur der motorisierte Individualverkehr, der wächst.» Viele Autofahrer würden sich rücksichtslos verhalten - oftmals gar nicht willentlich. Dies könnte, so Neff, verbessert werden, wenn sich mehr Leute dazu entschliessen würden, das Velo öfters zu benutzen und die Radfahrer so präsenter im Strassenverkehr wären. «Wenn es gelingt, mit Kampagnen auf die Schönheit des Velofahrens hinzuweisen, würden mehr Leute zu Alltagsvelofahrern werden.»

Doch leider leben Velofahrer auch gemäss Statistik noch immer ziemlich gefährlich. So ging im Jahr 2008 sowohl schweizweit als auch im Kanton Zürich insgesamt die Zahl der Verkehrsunfälle je nach Region teilweise markant zurück. Schlechter sieht es für die Zweiradfahrer aus: Sie machten nahezu die Hälfte der getöten und schwer verletzten Personen aus.

In der Stadt Zürich gab es im Vergleich zum Vorjahr sogar 17 Prozent mehr Unfälle, an denen Velofahrer beteiligt waren. Solche Zahlen können auch zu einer gewissen Ängstlichkeit führen, findet Gemeinderat Neff. Die Unsicherheit trage zusammen mit der Gewohnheit und Bequemlichkeit dazu bei, dass nicht mehr Leute öfters das Velo satteln würden.

Tatsächlich beträgt der Velofahrer-Anteil am Pendlervekehr laut Metron-Raumplaner Marc Schneiter im Schweizer Mittelland nur fünf Prozent - und dies, obwohl jeder Schweizer im Schnitt eineinhalb Velos besitzt. Laut Schneiter liegt dies unter anderem daran, dass der Velo- und Fussverkehr im Limmattal noch immer nur «eine marginale Rolle» spiele: «Velofahrer müssen vermehrt in die Überlegungen einbezogen werden.»

Bis ins Jahr 2025 wird das Limmattal laut dem Limmattaler Gesamtverkehrskonzept rund einen Drittel mehr Verkehr bewältigen müssen. Um diese Zunahme abzufangen, sieht der regionale Richtplan vor, dass der Anteil des Langsamverkehrs am Gesamtverkehr «deutlich gesteigert» wird. Laut Willy Haderer, Präsident der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL), hat es «auf jeden Fall noch Lücken» im Velonetz.

Man messe dem Radverkehr jedoch insbesondere als «Zubringer» zum öffentlichen Verkehr, grosse Bedeutung bei. Wann jedoch die im regionalen Richtplan geplanten Massnahmen zur Verbesserung des Velonetzes umgesetzt würden, kann Haderer noch nicht genau sagen: «Die Planung ist abhängig von der Entwicklung der Quartiere.»