Das «Flämmli» flackert weiter

Jaegerstuebli

Das «Flämmli» flackert weiter

Jaegerstuebli

Solothurn und vor allem auch Honolulu können aufatmen: Das «Jägerstübli» bleibt bestehen, mit Fondue, Flämmli und Kachelofen. Dies versprechen die neue Wirtin Barbara Lüdi wie auch der neue Eigentümer des Hauses am Börsenplatz, Edgar Sallin.

Wolfgang Wagmann

«Sicher hundert Mal haben wir seither gehört: Schaut, dass es weitergeht!» Elisabeth «Bethli» Käser-Schwizer hat einiges durchgemacht, seit jener langen Nacht vom 15. auf den 16. April, als die Stammgäste ein letztes Mal in der heimeligen Gaststube feierten und ein «Flämmli» nach dem andern kreisen liessen. Doch die «Jägerstübli»-Geschichte, seit 120 Jahren nur von Wirtinnen geschrieben, geht weiter – und wie es sich gehört mit einer Frau: Aufs «Bethli» folgt «B» wie Barbara Lüdi. «Die Gastronomie interessiert mich, und deshalb möchte ich als Gastgeberin das Restaurant weiterführen», macht die 46-jährige gelernte Kauffrau keinen Hehl daraus, dass sie als Quereinsteigerin das «Jegi» am 30. September eröffnen wird. «Von der Fasnacht her habe ich eine spezielle Beziehung zum ‹Jägerstübli› – ich weiss, was da abgeht», lacht die Vorstädterin. «Ich möchte die bisherige Gastfreundschaft des Hauses weiterführen.»

Der neue Herr der Rezepte

Dass es überhaupt zu einem Fortbestand der beliebten Stadtbeiz am Börsenplatz kommt, ist Edgar Sallin, Treuhänder aus Subingen, zu verdanken. Er wird der neue Eigentümer der Liegenschaft sein, «und nächste Woche werden ihm mit dem Grundbuch-Eintrag auch das Fondue- und das «Flämmli»-Rezept ausgehändigt», kündet Werner Käser-Schwizer an. Für Edgar Sallin steht fest, dass die Tradition des Hauses weiter bestehen soll, «ich bin mir dessen vollauf bewusst», aber auch des Vertrauens, das ihm mit der Berücksichtigung als neuer Besitzer der Liegenschaft geschenkt worden sei. Sallin möchte von Käsers auch noch «einiges zur Geschichte des Hauses erfahren», vor der er grossen Respekt habe. «Ich möchte auch die Garantie geben, dass das Ganze noch lange weiter besteht», betont Sallin, für den Barbara Lüdi das «vollste Vertrauen» geniesst. Veränderungen im Haus möchte er deshalb äusserst sachte angehen, fest steht für ihn, dass der Betrieb «etwas aufgefrischt, aber sonst unverändert» Ende September mit der bestehenden Küche im Obergeschoss aufgenommen wird. Konkret sei auch nichts zur bisherigen Wirtewohnung von Käsers in den oberen Stockwerken entschieden – derzeit ist das Ehepaar mit «Grosi» Pia Schwizer noch auf dringlicher Wohnungssuche. Doch gibt Edgar Sallin zu verstehen, dass er auch in dieser Hinsicht durchaus mit sich reden lasse.

Schweizer Küche bleibt Trumpf

Barbara Lüdi hat sich allerdings professionellen Beistand gesichert. In der Küche wird ein Koch angestellt sein, und als Geschäftsführer ergänzt John Torpy das Team. Als Sohn des langjährigen «Touring»-Wirts an der Bielstrasse in einem Restaurant aufgewachsen, hat der 49-jährige Torpy «die ganze Palette» des Gastro-Gewerbes erlebt und war und ist schon an mehreren Orten als Betriebsleiter tätig, so auch im Britannia Pub Grenchen (vgl. Seite 25). Er wird im «Jägerstübli» für den «rückwärtigen Dienst» zuständig sein, und so auch für die «Schweizer Küche», wie sie schon Werner Käser neben dem Allzeit-Renner Fondue gepflegt hat. Auch diese Tradition soll mit allenfalls «sanften Anpassungen an den Zeitgeist» weitergeführt werden.

Wann und wie «das Bethli» noch in ihrem ehemaligen Reich anzutreffen ist, bleibt völlig offen. In den letzten Jahren hatte die Vollblut-Wirtin eine immer internationalere «Gastig» an den 35 Plätzen der Beiz begrüssen dürfen; oft war das «Jägerstübli» Wochen zum Voraus ausgebucht. Ausser an der Fasnacht, da gabs kein Pardon: Reserviert wurde nie – Platz hatte es stets für alle. Aufs Thema angesprochen, lacht Barbara Lüdi: «Vielleicht machen wir einmal einen «Bethli»-Tag. Damit ich an die Chesslete gehen kann ...»

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