Bezirksgericht Lenzburg
Das feurige Ende einer Liebschaft

Das Bezirksgericht Lenzburg hat entschieden: 13 Monate bedingt für den Brandstifter, der in einem Eifersuchtsanfall das Auto seines Nebenbuhlers in Brand setzte.

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Peter Schmid

Seppi wollte angeblich nur ein Loch in eine Rolle Storenstoff brennen, um ihn unbrauchbar zu machen. Dumm nur, dass er die Rolle auf die Kühlerhaube des Autos eines Nebenbuhlers gelegt hatte. Das Feuer griff auf den Motorraum über und musste von der Feuerwehr gelöscht werden. Das Auto war reif für die Schrottpresse. «Sein Motiv war Eifersucht», behauptete seine verflossene Lebenspartnerin. Seppi bestritt energisch: «Es war ein Seich, den ich gemacht habe; ich wollte wirklich nur den Stoff beschädigen.» Das Bezirksgericht Lenzburg sah es anders, wie Präsidentin Eva Lüscher in der Urteilsbegründung feststellte: «Seppi musste mit erheblichem Schaden rechnen und handelte darum eventualvorsätzlich.» Das Verdikt lautete auf 13 Monate Gefängnis, bedingt auf drei Jahre, und 500 Franken Busse. Die Staatsanwaltschaft hatte 16 Monate bedingt beantragt.

Motiv war Beziehungskiste

Viereinhalb Jahre lebte Seppi im Haus seiner Lebenspartnerin Angelina und bezahlte Untermiete. Während dieser Zeit schäkerte Angelina aber mit einem andern, was Seppi zu Ohren kam. Der ominöse Storenstoff war ein Geschenk des Nebenbuhlers für Angelina und führte in einer regnerischen Aprilnacht des Jahres 2007 zum Anfang vom feurigen Ende der ohnehin problematischen Beziehung. Im Oktober verliess Seppi den gemeinsamen Haushalt mit einem Knalleffekt. Er soll seiner Ex eine Teppichrolle ins Gesicht gehauen haben, was an der Nase Angelinas eine Schramme hinterliess. Ganz anders Seppi: «Sie sperrte sich während der Züglete im Badezimmer ein, rief die Polizei und fügte sich die Schramme selber zu.» Die Version von der Selbstverletzung tauchte im Gericht erstmals auf. Hier wie bei andern Vorwürfen Angelinas wegen Drohung und Nötigung soll es sich laut Seppi um pure Erfindungen gehandelt haben.

Aussage stand gegen Aussage

Es fiel dem Verteidiger leicht, viele Anklagepunkte als Folge von Lügengebäuden zu bezeichnen. In der Tat schoben sich Seppi und Angelina gegenseitig die Schuld in die Schuhe, wobei Angelina Seppis Hang zu Aggressivität als Motiv nannte, Seppi aber ihre finanzielle Abhängigkeit von ihm. Involviert war auch eine Nachbarin, die ihren Aussagen gemäss von Angelina und Seppi unter wüsten Drohungen den wahren Grund des Autobrandes verschweigen sollte. Seppi hatte nämlich schon in der Brandnacht Angelina von seiner fatalen Zeuselei erzählt, wobei beide erst nach einer Woche hörten, dass das Auto futsch sei. Aussage stand gegen Aussage, so dass das Gericht in diesen Punkten im Zweifel für den Angeklagten entschied. Nicht folgen konnte es aber dem Antrag des Verteidigers, wonach Seppi das Feuer nur aus Fahrlässigkeit verursacht habe.

Stets auf der Schattenseite

Seppi ist nicht der wüste Rabauke, als der er auf den ersten Blick erscheinen könnte. Als Kleinkind wurde er zuerst in Sprachheilschulen, dann in ein Kinderheim gesteckt. «Dort lernte er, Auseinandersetzungen mit den Fäusten zu erledigen», blickte der Verteidiger auf Seppis wenig glückliche Jugend zurück. Mit 17 verliess er das Elternhaus endgültig, doch verstrickte er sich alsbald in problematische Beziehungen. Seine drei Kinder aus früherer Ehe, seine Vorliebe für Bars, die Beziehungskisten und sein nicht fürstlicher Lohn trugen und tragen dazu bei, dass er jetzt am Rande des Existenzminimums lebt. «Ich stehe vor einem Scherbenhaufen», bekannte er vor Gericht.