Von Edgar Zimmermann

In den vergangenen 20 Jahren wechselte die Liegenschaft Fahrgut an der Reussbrücke Windisch-Gebenstorf wiederholt die Hand. Die Spinnerei Kunz AG hatte sie (samt Landwirtschaftsbetrieb) 1885 erworben und 1989 (ohne Landwirtschaftsbetrieb) an das Baukonsortium «Fahr Windisch» (Firma Haller AG) verkauft, das ein Sanierungsprojekt in Auftrag gab. Ausgearbeitet wurde es vom Brugger Architekturbüro Erb+Müller+Peter.

Im November 1993 erteilte der Gemeinderat die Baubewilligung. Zur Realisierung kam es nicht, da die Firma Konkurs anmeldete. Chr. Schoop, Dättwil, ersteigerte 1999 das inzwischen vom Regierungsrat unter kantonalen Denkmalschutz gestellte ehemalige Gasthaus «zum Bären», das 7 Wohnungen beinhaltete.

Es folgten einige wenige Instandstellungsarbeiten, dann wurde es zum Verkauf ausgeschrieben - über ein Jahr lang ohne Erfolg. Im November 2008 erwarb das Windischer Ehepaar Robert und Veronika Kühnis das Gebäude mit dem Ziel es zu retten, denkmalgerecht umzubauen und zu renovieren. Derzeit liegt das Baugesuch öffentlich auf.

«Die Würde zurückgeben»

Es braucht Mut und Risikobereitschaft, eine Liegenschaft in diesem schlechten Bauzustand und nach den zahlreichen Veränderungen zu übernehmen. Was hat die neuen Eigentümer dazu bewogen? Robert Kühnis: «Das Haus ist ein wichtiger Zeuge aus der Vergangenheit von Windisch, und es bildet mit der Landschaft eine eigentliche Eingangspforte ins Dorf. Es ist ein schönes Objekt. Wir möchten ihm die Würde und Schönheit zurückgeben. Die Rendite spielt keine Rolle - wir planen günstige Wohnungen: 6 Mietwohnungen unterschiedlicher Grösse sowie eine Eigentumswohnung.»

Alt Gemeinderat Kühnis liebäugelte zunächst mit einer Wiedereröffnung der frühern Taverne «zum Bären». Dies hätte aber zusätzliche Parkflächen bedingt und zu Kollisionen führen können. Um dem Gebäude doch noch eine öffentliche Funktion zurückzugeben, sollen im Erdgeschoss die Strukturen für eine Kindertagesstätte (Kita) bereitgestellt werden. Ein Interessent für die Führung ist vorhanden, Kita-Plätze sind in der Region begehrt und wären für die Gemeinde ein weiterer Standortvorteil.

Wärmedämmung, Schallschutz

Die AZ konnte sich bei einer Begehung davon überzeugen, dass umfassende Sanierungsmassnahmen nötig sind, das Konzept aber bestechend ist. Das Projekt aus dem Jahr 1993 wird von der Bauherrschaft weitgehend übernommen, der Gebäudecharakter bleibt gewahrt.

Als Abweichungen seien etwa erwähnt: eine Wärmedämmung mit Minergiestandard, ein verbesserter Aussenschallschutz im Fensterbereich (evtl. zusätzlich vom Kanton eine Glas-Schallschutzwand entlang der Kantonsstrasse), Dach-Erneuerung, eine ökologische Kriterien erfüllende Wärmeerzeugung.

Das Treppenhaus wird in den ehemaligen Scheunenteil verlegt, eingebaut wird eine wertvolle alte Eichentreppe, die Robert Kühnis aus einem Abbruchobjekt in Basel retten konnte. Die Wohnungen in den beiden oberen Geschossen werden durch zwei Lauben erschlossen.

An die Stelle des freistehenden Garagentraktes kommt ein gedeckter Unterstand, auf welchem Sonnenkollektoren platziert werden. Aufgrund eines separaten Baugesuches ist bereits ein Hochwasser-Objektschutz entlang und quer zur Reuss aufgeschüttet worden.

Die Bauherrschaft ist überzeugt, dass trotz hoher energetischer und akustischer Qualität des Hauses günstige Mietzinsen angeboten werden können, die sich auch wegen der exponierten Verkehrslage an der vielbefahrenen Strasse aufdrängen. Doch auch die Landschaft ringsum und das Wohnen in einem historischen, charaktervollen Bau sind attraktive Pluspunkte.

Die vorgesehene Rettung dieses gewichtigen Stückes von alt Windisch darf jedenfalls mit Freude und Anerkennung zur Kenntnis genommen werden.