Migros
Das Elektro-Auto der Migros: Bloss ein PR-Gag?

Nur gerade 3000 bis 4000 Elektromobile sind in der Schweiz unterwegs. Die genaue Zahl kennt niemand. Dennoch will Migros ab Herbst neu in den «grünen» Markt einsteigen. Ist die Nachfrage wirklich vorhanden? Experten zweifeln.

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Elektromobil

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Keystone

Sandra Kohler

20 bis 25 Millionen Franken investiert Migros in das Geschäft mit den Elektromobilen - der Kauf der Autos noch nicht mit eingerechnet. Fünf bis zehn Jahre will der orange Riese Erfahrungen sammeln, danach soll das Geschäft rentieren.

Mit einem Anschaffungspreis von rund 60 000 Franken gehören die Elektro-Flitzer nicht gerade zu den Schnäppchen. Deshalb denkt die Migros vor allem daran, die E-Mobile an Privatkunden zu vermieten. Die monatliche Miete beträgt 1200 Franken. Doch auch dies ist nicht gerade günstig im Vergleich mit herkömmlichen Autos.

Nur ein Werbegag?

Eduard Stolz, Verantwortlicher des Batterienachlade-Netzwerkes Park & Charge, bezweifelt, dass der «Otto-Normalverbraucher» von den E-Mobilen, die heute am Markt erhältlich sind, überzeugt werden kann. Stolz: «Elektromobile sind in vielen Bereichen immer noch anders als herkömmliche Autos.» Und fügt hinzu: «Je nach Fahrzeug beispielsweise in Sachen PS, Komfort und Fahreigenschaften.»

Ist die Aktion der Migros vielleicht einfach ein gutes Werbe- oder Marketing-Konzept, wie verschiedene Automobil-Experten vermuten?

Die Migros verteidigt sich, alle würden davon reden und niemand tue etwas. «Bisher wollte sich niemand die Finger verbrennen. Wir wagen nun den Schritt. Jedes neue Geschäftsfeld stellt ein Risiko dar», sagt Migros-Sprecher Urs Peter Naef. Für den Verkauf der teuren Elektromobile zielt Migros vorwiegend auf Firmen, die ihre Flotte aufrüsten wollen.

Regionalen Tankstellen kaum genutzt

Wenig los ist an der Elektrozapfsäule der ABB. Das Unternehmen hat vor zwei Monaten in Baden zwar eine Elektrotankstelle eröffnet. Sie wird heute nur selten genutzt. Dies liegt einerseits daran, dass nur wenige Elektromobile unterwegs sind. ABB erklärt, dass es ihr nicht in erste Linie darum gehe, damit Geld zu verdienen. Vielmehr wolle das Unternehmen zeigen, dass es über die Technologie verfüge und diskutiere derzeit auch darüber, ob allenfalls die eigene Firmenflotte mit E-Mobilen erweitert werden solle.

Eduard Stolz von Park & Charge hat für die bescheidene Nutzung noch weitere Erklärungen: «90 Prozent der E-Mobil-Besitzer tanken zu Hause oder am eigenen Arbeitsplatz.» Zudem sei der Standort einer Tankstelle entscheidend. Und der Badener Brown-Boveri-Platz gehöre definitiv nicht zu den besonders gut geeigneten Standorten. «Tankstellen müssen dort sein, wo der Bedarf ist.»

Auch die Nutzungszahlen der 2005 in Betrieb genommenen Elektrotankstelle von AEW in Aarau sind derzeit rückläufig. «Es sind so wenige E-Mobile unterwegs, dass natürlich ein einziger Zugang oder Wegfall stark ins Gewicht fällt», erklärt Peter Bühler, Vorsitzender der Geschäftsleitung der AEW.