Gefängnis
Das Dietiker Gefängnis ist für seine Insassen bereit

Das Bezirksgebäude Dietikon wird in den nächsten Wochen etappenweise bezogen. Das Gefängnis wird den Betrieb aber erst nach Tests Mitte Mai aufnehmen. Es bietet für 72 Gefangene Platz.

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Gefängnis Bezirksgebäude

Gefängnis Bezirksgebäude

Matthias Kessler

Eine einfache Liege, eine Nische mit Toilette und Lavabo, ein vergittertes Fenster mit Aussicht auf die Gleise beim Bahnhof Dietikon - weiter nichts: Der Blick in eine Zelle des Gefängnisses Limmattal im fast fertig gestellten Bezirksgebäude - Kostenpunkt: 58,3Millionen Franken - hinterlässt beim Besucher ein mulmiges Gefühl. Die mit Gittertüren versperrbaren Durchgänge, die Metalltüren, die kahlen Wände tun ihr Übriges.

«Ein Gefängnis muss man hören, spüren, schmecken», meinte Victor Gähwiler, Hauptabteilungsleiter der Gefängnisse des Kantons Zürich und Gemeindepräsident von Uitikon, bei der Medienführung durchs neue Bezirksgebäude gestern Freitag. Man müsse hören, wie eine Tür ins Schloss falle, wie der Schlüssel umgedreht werde: Das sei «nichts Papieriges», sondern etwas sehr Plastisches, so Gähwiler.

Das für Untersuchungshäftlinge ausgelegte Gefängnis wird nach seiner Inbetriebnahme Mitte Mai 72Untersuchungshäftlinge aufnehmen können und Hauptnutzer im Bezirksgebäude sein; 24Plätze davon sind für Jugendliche vorgesehen. Der Jugendbereich ist im 4.Stock untergebracht und verfügt im Vergleich zur Erwachsenenabteilung über mehr Zusatzräume zur Beschäftigung der Delinquenten: Unter anderem stehen ein Raum mit Fitnessgeräten sowie ein Schulungsraum zur Verfügung - eine Lehrerin ist an drei Halbtagen pro Woche zugegen.

Eintreffen im Untergeschoss

Die restlichen Einer- und Zweierzellen sind über die ersten drei Stockwerke verteilt, darunter Sicherheitszellen, die so karg ausgestaltet sind, dass sich die Gefangenen nichts antun können. Das rollstuhlgängige Gefängnis verfügt zudem über eine Küche, ein Zahnarztzimmer und auf dem Dach über einen gesicherten Aussenbereich.

Eintreffen werden die Insassen laut Gefängnisleiter Ernst Egger im Untergeschoss, wo sie von Mitarbeitern des Gefängnisses in Empfang genommen und nach einem Eintrittsgespräch in die vorgesehene Zelle gebracht werden. Bei der Zuteilung wird etwa auf die Nationalität der Insassen Rücksicht genommen und darauf, ob sie Raucher sind oder nicht - geraucht werden darf nur in den Zellen.

«Insassen-PC» als Premiere

Neben der Aktivierung durch das Personal - kleinere Arbeiten, Spaziergänge im Hof - können die Insassen zudem einen Bildschirm mieten für den Empfang ausgewählter Fernsehsender. Ebenso, und dies ist im Schweizer Gefängniswesen eine Premiere, kann über die Bildschirme auf ein internes Datennetz zugegriffen werden, über das die Gefangenen Zugang zu bestimmten Computerprogrammen und - mit Verzögerung - zu einzelnen Webseiten wie die Online-Enzyklopädie Wikipedia erhalten. Auch Sprachlern- und andere Bildungsprogramme sollen ins Angebot aufgenommen werden.
Für Victor Gähwiler entspannt sich mit der Eröffnung des Gefängnisses Limmattal die Platznot in den übrigen Institutionen des Kantons. Bislang bestanden insgesamt 785Plätze - ab Mitte Mai werden es 857Plätze sein, wodurch die Überbelegung behoben werden kann. Er sei «fast glücklich», erklärte Gähwiler in diesem Zusammenhang. Nach dem Einzug werde er «ganz glücklich sein». Allerdings könne erst der Alltag zeigen, ob und wo im Dietiker Gefängnis Handlungsbedarf bestehe.

Am 12.Juni ist die Bevölkerung zur Besichtigung des Bezirksgebäudes eingeladen. Der Gefängnistrakt kann nicht besichtigt werden.