Beromünster Radioweg

«Das Bühnenbild ist die Natur»

Sie haben den Radioweg gemacht: Mark Livingston (Autor), Ueli Kleeb (DNS-Transport GmbH), Hans-Peter Arnold und Rebekka Schüpfer (Ortsmarketing Beromünster) und Regisseur und Sprecher Rainer zur Linde

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Sie haben den Radioweg gemacht: Mark Livingston (Autor), Ueli Kleeb (DNS-Transport GmbH), Hans-Peter Arnold und Rebekka Schüpfer (Ortsmarketing Beromünster) und Regisseur und Sprecher Rainer zur Linde

«Züsler, Türst und Sträggele» heisst der dritte Beromünster-Radioweg. Vom Busbahnhof bis zum ehemaligen Sendeturm kann man an sieben Stationen Sagen hören. Wegen des Grusel-Effekts speziell empfohlen sei eine nächtliche Wanderung. Der Beromünster-Radioweg ist bis Ende Oktober offen.

Peter Weingartner

Der Beromünster-Radioweg ist eine Freiluftausstellung: Ab heute bis Ende Oktober ist er offen. Das Radio bedient nicht nur das Ohr; auch das Auge geniesst mit, wenn man vom Busbahnhof Beromünster auf 642 Meter Höhe auf den Blosenberg mit Sicht auf den ausgemusterten Sendeturm (805 Meter) wandert.

Rainer zur Linde, erfahrener Regisseur und die Stimme der «Rundschau» (SFRDRS) gibt den Erzähler in den sieben Hörstücken auf dem Weg. Radio-Journalist Mark Livingston zeichnet für die Texte verantwortlich. «Ich bin mit Leuten aus der Gegend zusammengesessen und habe mir Sagen erzählen lassen», sagt der Autor. Natürlich hat er auch die Sagensammlungen des Münsterers Ludwig Suter und Kuno Müllers «Luzerner Sagen» gelesen. Gestalten wie der Türst und die Sträggele kommen denn auch vor. Dabei pflegt Livingston einen freien Umgang mit den Geschichten, bettet sie ein in die Landschaft, nimmt Bezug auf die Tabakscheune und den Schlössliwald.

Adalbert von Lenzburg

Den Anfang beim ersten Lautsprecher gleich oberhalb des Stifts macht die Entstehungsgeschichte Beromünsters. Im Jahr 720 streift Adalbert, der Sohn des Grafen Bero von Lenzburg, durch die Gegend. Das fünfminütige Hörstück erzählt die Geschichte des Todes von Adalbert. Er wurde, vom Kampf ermattet, erdrückt von einem Bären, den er getötet zu haben glaubte. Als Bero seinen toten Sohn unter dem toten Bären liegen sah - Kreuzform! - liess er da Stift und Kirche bauen. Musiker Christian Wallners Elektrogitarre schreit als sterbender Bär, säuselt als Schlaflied, illustriert eindringlich und einfühlsam.

Die grundsätzlich erzählten (und nicht als Dialoge dramatisierten) Stücke erleichtern es, eigenen Gedanken nachzuhängen und auf der Bank am Waldrand sitzend auf das Wiholz hinunterzublicken, wo die Sage vom Wiholzfraueli spielt. Diese Sage ist die am klarsten verortete Geschichte. Da spielt der mutig, ja übermütig machende Alkohol auch eine Rolle, geht es doch um eine unheimliche Begegnung nach einer Beizentour im Nachbardorf Neudorf. «Das Bühnenbild ist die Natur», sagt Rainer zur Linde.

Erfahrungsberichte?!

Besonders reizvoll ist die dritte Station, wo Männer und Frauen aus der Gegend, unter ihnen auch Sagensammler Ludwig Suter und eine Rickenbacher Grossrätin, von ihren Begegnungen mit den «Züslern», unheimlichen Feuergestalten, berichten. Inszeniert? Livingston schmunzelt. Die Aufnahmen jedenfalls fanden im Winter beim Bänkli oberhalb des Schlössliwaldes statt. Und man kann sich leicht seine Bilder machen; die Erzählungen klingen überzeugend, authentisch, und die Frage, ob diese Begegnungen wirklich erlebt worden sind, ist schlicht nicht relevant.

Eins ist gewiss: Die letzte Geschichte hat Mark Livingston erfunden. «Der Riese vom Blosenberg» heisst sie, und sie ist eine augenzwinkernde Hommage an den Riesen beziehungsweise dessen Skelett, das vor einem steht: der Ende letztes Jahr stillgelegte Sendeturm. Wenn Ohr, Auge, Herz und Fantasie geniessen, muss der Magen nicht hintanstehen. Eine Besenbeiz am Weg zwischen den «Züslern» und dem Wiholzfraueli, die «Tubakschüür», bietet Verpflegung an. Beim Wasserreservoir, wo die letzte Geschichte zu hören ist, befinden sich nicht nur Bänke. Da ist auch eine öffentliche Feuerstelle mit prächtigem Panoramablick.

Die Zuger Ausstellungsmacher DNS-Transport und das Ortsmarketing 5-Sterne-Region haben bereits die Radiowege «Rauschen im Radio, Wissenschaft im Rausch» mit alten Tondokumenten (2005) und das Kriminalhörspiel «Der Tote und das Heilige Feuer» (2007) realisiert.

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