Buechibärger Bier
Das Bier gehört zur Lebensphilosophie

Man nehme Wasser, Malz und Hopfen, eine Braumeister-Anlage und viel Enthusiasmus. Und schon kann das eigene Bier genossen werden. Zwei leidenschaftliche Biertrinker und eine «Panaché»-Anhängerin gewähren Einblick in die Kunst des Bierbrauens.

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Buechibärger Bier

Buechibärger Bier

Schweiz am Sonntag

Pascal Mülchi

Es ist Samstagmorgen, neun Uhr. In Aetingen, einer 300-Seelen-Gemeinde am Südfuss des Bucheggbergs im Limpachtal. Urs Aebi hat soeben in Eigenregie 70 Liter Bier gebraut. Einzig Hefe und ein wenig Zucker fehlen noch. Die Gärung im Keller und in der Flasche erledigt den Rest.

Um halb vier Uhr morgens ist der «Braumeister», das steht auf seinem T-Shirt, aufgestanden. Aebi macht das jeden Samstag. «Bierbrauen ist nicht anstrengend», sagt er. Schon kocht das nächste bereits geschrotete Malz. Der lokalen Kobirain-Quelle sei Dank. Sie liefert bestes Trinkwasser. Weitere 70 Liter sollen heute noch gebraut werden.

Seit letztem Frühling braut Urs Aebi zusammen mit seinem Freund Adolf Kipfer und dessen Frau Diana regelmässig Bier - «Buechibärger Bier». Erst vor knapp einem Jahr war die Idee geboren. «Dr Ürsu isch bim Mäuche uf d Idee cho», sagt Aebis Brau- und Geschäftspartner «Douf». Binnen weniger Tage buchten die beiden Schulfreunde für Ende Januar einen Braukurs. Mit einer 20-Liter-Braumeister-Anlage sind sie zurückgekehrt. Mittlerweile besitzen sie eine zweite, 50 Liter fassende Anlage.

Weitere Biere aus der Region

Neben dem «Buechibärger Bier» gibt es weitere Brauereien aus der Region, allen voran das lokale Aushängeschild, die Öufi-Brauerei (Solothurn). Nachfolgend eine Auflistung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

- Brauerei Karbacher AG (Schönenwerd)
- Hopfehäxli-Bier (Wolfwil)
- Granicum-Bier (Grenchen)
- Bierbrauerei «Vo Gränche bi Gott» (Grenchen)
- Hasli-Bier (Langenthal) (pm)

Das Tüfteln konnte beginnen: «Es brauchte ungefähr zehn Brausude, bis wir zufrieden waren und unser Rezept gefunden hatten», meint Aebi. Zwei Wochen jeweils gärt das Bier bei ungefähr 15 Grad im Keller. Nach dem Abfüllen nochmals rund vier Wochen, erst bei ungefähr 10, dann bei 3 bis 4 Grad. Dann erst kann degustiert werden. Und «Douf» meint nicht ganz ohne Stolz: «Ich glaube nicht, dass ich das Bier nur gern habe, weil ich es auch selbst mache.»

Sud Nummer 115 wird unterdessen abgeleert, das Wasser vom Malz getrennt. Im Fachjargon: Abläutern. Es folgt das so genannte Würzekochen: Hierzu werden der Malz-Brühe Hopfen-Pellets beigegeben. Nochmals wird das Gemenge kräftig aufgekocht. Fast schäumt die Brühe über. Ein herber Duft schwebt in der Luft. Derweil ist es bald elf Uhr. Zeit für den «Öufi-Schuss», meinen Urs und «Douf» unisono.

Alsbald treffen Bekannte und Freunde ein. Sie wollen das Bier probieren. «Aber das ist jetzt naturtrüb, oder?», meint ein junger Mann. Und er hat Recht: Das «Buechibärger Bier» ist als helles naturtrübes Bier mit 4,7 Volumenprozent deklariert. Rechtlich läuft die Produktion als Einzelfirma. Der Name «Buechibärger Bier» wurde geschützt.

Ende des 19. Jahrhunderts nannte sich das im Bucheggberg gebraute Bier noch «Buchegger Bier». Zwischen 1885 und 1922 tüftelte angeblich ein Brauer namens Karl Faist im Schlosskeller zu Buchegg mit Wasser, Malz und Hopfen herum. Seither gab es keinen Versuch mehr, den trinkfesten Buechibärgern - so zumindest der Volksmund - ein eigenes Bier zu brauen.

Der begeisterte Gast nimmt später eine Harrasse mit nach Hause. «Wir haben bislang nur Mund-zu-Mund-Propaganda gemacht», erklärt Urs Aebi. In drei Beizen in der nahen Umgebung kann das Bier getrunken werden. Vorerst.

«Längerfristig wollen wir damit einen Teil unseres Lebensunterhaltes verdienen», sind sich die beiden Hobby-Brauer einig. Beide arbeiten als Greenkeeper beim Golfplatz nebenan. Urs bauert nebenher im Nachbardorf Brittern. «Douf» als gelernter Automechaniker betreibt nebenbei noch eine kleine Pneu-Bude.

Doch wieso machen die beiden eigentlich ausgerechnet Bier? «Wir sind Biertrinker», lautet die unspektakuläre simple Antwort. Ein Feierabend-Bier gehöre zu ihrer Lebensphilosophie. Für Diana Kipfer, die mengenmässig am meisten braut, ists ein wenig anders: «Ich trinke eher selten Bier, wenn, dann ein Panaché», sagt die dreifache Mutter. «Vorderhand mache ich dies aus Freude und meinem Mann zuliebe.»

Jeden Donnerstagabend kommen Bekannte, meist Jugendliche, und helfen beim Abfüllen, Etikettieren und «Dechele» der Halbliter-Flaschen. Alles wird von Hand gemacht. Entlöhnt werden die tüchtigen Helfer und Helferinnen - wen wunderts - mit Bier.

Neben den beiden gekauften Braumeister-Anlagen und den importierten Zutaten Malz und Hopfen haben die beiden Heimwerker viele Gerätschaften selbst hergestellt. Der Familienbetrieb funktioniert. Gemütlichkeit steht im Vordergrund. Zwanghafte Produktion ist ein Fremdwort. Auch wenn derzeit das Ziel lautet: einen einigermassen grossen Vorrat anhäufen.

Deshalb hätten sie erst grad einen Schiffs-Container im Internet ersteigert. Einen Schiffs-Container? «Ja, wir werden ihn als Kühler brauchen und den alten zum Gärkeller umfunktionieren.» Auch das ein Beispiel ihrer Kreativität. Genauso wie die selbstgebastelte Kühlung im Brunnen, welche das Bier nach dem Würzekochen von 90 auf 20 Grad herunterkühlt.

Unterdessen ist der zweite Tagessud fertig, heruntergekühlt und in die blaue Tonne abgefüllt. Das übrig gebliebene Malz wird gewöhnlich den Kühen verfüttert. Nicht aber heute: Tüftler Urs will noch etwas ausprobieren: Malzwürste. Alle noch Anwesenden dürfen probieren. Es schmeckt. «Aus Getreide kann man so viel machen», schwärmt Urs. Gerne würde er auch mal Malzbrot machen, sagt er. Und dann alle selbst hergestellten Produkte in einer kleinen Beiz anbieten.

Das «Buechibärger Bier» kann immer samstags in Aetingen (neben Rest. Kreuz) ab Hof gekauft werden. Auch an den nächsten Solothurner Biertagen im Frühling 2010 steht das Bier im Angebot. www.buechibaergerbier.ch