Flugzeugunglück 2005

Das Bazl trägt eine Mitschuld am tödlichen Absturz

Todesflug: Diese Aufnahme zeigt die Unglücksmaschine drei Minuten vor dem tödlichen Absturz.

Flugzeug

Todesflug: Diese Aufnahme zeigt die Unglücksmaschine drei Minuten vor dem tödlichen Absturz.

Das Bazl hätte die Maschine, die an den Dittinger Flugtagen von 2005 verunfallte, nicht zulassen dürfen.

Andreas Maurer

Einen Tag nach den sonnenverwöhnten und unfallfreien 28. Dittinger Flugtagen erwacht die Erinnerung an die Tragödie vor vier Jahren schlagartig: Damals stürzte ein Pilot mit seinem Flugzeug ab und fand dabei den Tod. Das Büro für Flugunfalluntersuchungen (BFU) veröffentlichte gestern seinen 36-seitigen Bericht dazu.

Das Erscheinungsdatum sei rein zufällig, erklärt das BFU auf Nachfrage. Die Untersuchungen dauerten vier Jahre, da sie komplizierter als erwartet waren.
Der Pilot verlor aus mehreren Gründen die Kontrolle über seine nachgebaute Spitfire. Das Original gilt als eines der besten Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkriegs. Der 39-Jährige war laut Bericht hauptsächlich selber verantwortlich für den Absturz.

Das vom Piloten eigenhändig gebaute Flugzeug wies konstruktive Mängel auf. Diese wurden nicht sichtbar, da das Flugzeug zu wenig getestet wurde. Der Pilot verfügte zudem über zu wenig Erfahrung im Fliegen von Eigenbau-Flugzeugen.

Harsche Kritik am Bazl

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) und der Verband der Schweizer Amateur-Flugzeugbauer EAS (Experimental Aviation of Switzerland) werden im BFU-Bericht harsch kritisiert. Die zwischen Bazl, EAS und dem Erbauer festgelegten Verfahren seien nicht eingehalten worden.

Das BFU kommentiert: «Dies könnte durchaus im guten Geist des gegenseitigen Vertrauens geschehen sein, doch führte dieses Vorgehen dazu, dass die vorgesehenen Überwachungsmechanismen gegenüber dem Erbauer nicht zur Anwendung gelangten. Dies hatte zur Folge, dass erhebliche Risiken nicht entdeckt wurden, was schliesslich diesen Flugunfall begünstigte.»

Die Vereinbarungen zwischen dem Bazl und dem Verband EAS seien bis anhin zu grosszügig ausgelegt worden, stellt das BFU fest. Das Bazl hat diesen Mangel erkannt und die Richtlinien nach dem Unfall an den Dittinger Flugtagen verschärft. Für das definitive Lufttüchtigkeitszeugnis wird seither mehr Flugerfahrung gefordert. Der Flugzeugbauerverband EAS teilt mit, dass er als Lehre aus diesem Unfall ein Testverfahren mit erhöhter Normalbeschleunigung einführen wolle.

Lob für die Dittinger Flugtage

Über die Organisation der Dittinger Flugtage stehen im BFU-Bericht nur positive Worte. Alle Auflagen seien eingehalten worden. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden daher seit 2005 nicht verschärft, erklärt Flugtage-Sprecher Urs Winkelmann. Hätten die Organisatoren nicht merken müssen, dass der Pilot zu wenig Erfahrung hatte?

Winkelmann verneint: «Wir haben keine Möglichkeiten hier Einfluss zu nehmen. Das wird vom Bazl überwacht.» Seit dem Unfall komme es tatsächlich öfter vor, dass das Bazl von den Piloten zusätzliche Trainings für die Dittinger Flugtage verlange.

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