Wald
Das Baumsofa im Urdorfer Wald

Den Wald hautnah erleben und erst noch etwas über seine Bedeutung für unsere Gesundheit erfahren: Das umweltpädagogische Projekt «Baumwelten» macht Kindern offensichtlich Spass.

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Baumwelten
3 Bilder
 Das Wurstbraten gehört einfach zum richtigen Waldvergnügen.
 Kräuter für den feinen Tee.

Baumwelten

Limmattaler Zeitung

Flavio Fuoli

Am vergangenen Donnerstag im Wald oberhalb des Schälchlihogers. Die über 20 Schüler der Urdorfer Klasse Treichler sitzen auf einem Sofa im Wald. Ein Sofa im Wald? Natürlich, denn es ist nicht etwa illegal hier entsorgt, sondern von den Schülern aus Ast- und Blattwerk kreisförmig zusammengesteckt worden. Ihnen vor sitzt Matthias Wüst, ein Umweltpädagoge, welcher die Schüler mit spielerischen Mitteln auffordert, den Wald, dessen Eigenart und Bedeutung näher kennen zu lernen.

Heute sind Pollen das Thema. Mit Seifenblasen werden Pollen in Dreiergruppen simuliert. Die Fünftklässler sollen versuchen, sie möglichste lange durch die Luft gleiten zu lassen. In einem zweiten Schritt, Wüst hat die Kinder wieder zusammen gezogen, sollen die Kinder echte Pollen sammeln: mittels Klebestreifen. Diese werden auf ein Stück weisses Papier aufgeklebt. Beim nächsten Besuch im Wald wird der Vorgang wiederholt und das Ergebnis verglichen.

Projekt zum Jubiläum

Für die Lungenliga Zürich, die letzten Herbst ihr 100-Jahr-Jubiläum feierte, ist «Baumwelten» ein Jubiläumsprojekt, wie Otto Brändli, Präsident der Lungenliga Zürich, in Urdorf erklärte. Die Lungenliga, die schon lange gegen den Feinstaub kämpft, wolle präventiv agieren. So soll die Bevölkerung, allen voran die Jungen, mehr über gesunde Umgebung und gesunde Luft erfahren.
Die Lungenliga wollte das Projekt lediglich zwölf Klassen im Kanton anbieten, wurde aber mit 120 Anmeldungen überrannt, wie Brändli erklärte. Man habe sich deshalb entschlossen, 24 Klassen teilnehmen zu lassen. Obwohl es als einmaliges Jubiläumsprojekt geplant war, wird es nächstes Schuljahr auf 48 Schulklassen mit rund 1000 Schülerinnen und Schülern erweitert.

Umweltpädagoge Matthias Wüst findet die Idee überzeugend, die Umwelt den Kindern vor Ort spielerisch näher zu bringen. Vier mal im Jahr kommt er vorbei und geht mit den Kindern im Wald, um sie alle Jahreszeiten miterleben zu lassen. Vergangene Woche sprachen sie über die Veränderungen im Wald: So habe sich die Luft verändert, sie sei frischer geworden, hätten die Kinder festgestellt.
Für die Waldküche wurden Brombeerblätter gesammelt und mit Tannenschösslingen zu Tee verkocht.

Zum Apéro gabs eine Quarkcrème mit Bärlauch und Löwenzahn. Klar, dass die beiden Feuer nach der «fair-feuern-Methode» angezündet wurden, also von oben herab, damit möglichst wenig Feinstaub entsteht. «Luft und Sauerstoff ist immer ein Thema», so Wüst, der stolz Kohlestifte zeigt, die fast unter Luftabschluss in einer Büchse im Feuer produziert wurden und einwandfrei funktionieren.

Nachvollziehbar für Kinder

Was sagen die Schüler dazu? Eine Gruppe Mädchen bekennt ohne Umschweife: «Die frische Luft, das Füürle und der Wald ist schön.» Lehrerin Evelyne Treichler vom Schulhaus Weihermatt schätzt das Angebot und die praktischen Erfahrungen, die es für ihre Schülerschaft bereithält. «Auf diese Art ist vieles für die Kinder nachvollziehbar.» Sie hat auch erlebt, wie zwei ihrer Schüler mit dem Wald gar nichts anfangen konnten, wie sie Äste mit zwei Fingern aufgenommen hatten, um ja nicht dreckig zu werden. Aber auch diese zwei hätten sich mittlerweile an die Baumwelten gewöhnt.
Die Themen, die im Wald behandelt werden, würde sie auch in der Schule besprechen. Vor allem, wie wichtig der Wald für unsere Luft ist. Die Lungenliga stellt den Schulklassen Unterrichtsmaterial bereit zum Thema Luft und Luftverschmutzung. Evelyne Treichler wird das Thema in der Klasse weiter behandeln, auch nach Ablauf von «Baumwelten»: «Ich mache dafür auch Werbung bei den anderen Lehrern im Schulzimmer.»