Gexi-Brücke
Das Bau-Spektakel lockte die Zuschauer

Nahezu Reibungslos verliefen in der Nacht auf den Sonntag die Bauarbeiten an der neuen Überführung Gexi in Lenzburg. Viele Schaulustige beobachteten die Arbeiten aus der Sicherheitszone. Die AZ schaute hin, wer alles auf seinen Schlaf verzichtete, um das Geschehen live zu mitzuerleben.

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Zuschauer an der Gexi-Brücke

Zuschauer an der Gexi-Brücke

Aargauer Zeitung

Florian Müller

Die SBB bauen zwischen Lenzburg und der Verzweigung Gexi ein drittes Gleis. In den beiden Nächten des vergangenen Wochenendes setzte die Baumannschaft mithilfe eines riesigen, achtachsigen Pneukrans die ungefähr 50 Tonnen schweren Brückenträger ein.

Von mehreren Bauscheinwerfern beleuchtet, strahlt die Grossbaustelle Gexi in die sonst dunkle Nacht. Es ist erstaunlich ruhig auf der Baustelle, nur der Motor des Pneukrans und gelegentliche Zwischenrufe der Arbeiter unterbrechen die Stille. Ab und zu verkehrt ein Bahnersatzbus auf der Hauptstrasse hinter dem Zuschauerraum. Ein kleiner Verpflegungsstand offeriert Getränke und Grilladen für Arbeiter und Schaulustige.

Ein letzter Zug fährt vorbei

1.30 Uhr: Der letzte Zug passiert die Baustelle. Kurz darauf wird die zweite Fahrleitung ausgeschaltet und die Restspannung geerdet. Zusätzlich musste eine nahe liegende Hochspannungsleitung ausser Betrieb genommen werden. Die Projektleitung ist bemüht, den Streckenunterbruch möglichst kurz zu halten. Die Zeit für die Arbeiten ist äusserst knapp bemessen. Jeder Schritt wurde minuziös geplant, jeder Handgriff muss nun stimmen, um das gesetzte Ziel zu erreichen.

Der Virus der Zuschauer

1.45 Uhr: Bereits 15 Minuten später ist der erste Brückenträger eingesetzt. Im Zuschauerraum steht Erwin Greber. Er gehört zu denjenigen Personen, die auf ihren Schlaf verzichten, um dem Spektakel beizuwohnen. Der Tiefbaupolier ist auch als Zuschauer regelmässig auf Grossbaustellen anzutreffen. «Es ist wie ein Virus, mit dem ich mich vor 20 Jahren angesteckt habe. Jede Baustelle ist anders. Die Gexibrücke ist für Schweizer Verhältnisse aussergewöhnlich.» Den grossen Pneukran hat Greber zu Hause als Modell nachgebaut. Er verbindet seine Hobbys Schwertransport und Kräne mit seinem Beruf: «Das Beobachten einer Arbeitsgruppe von aussen hilft mir, Erkenntnisse für meine eigene Arbeit als Tiefbaupolier zu gewinnen.»

Das muss man gesehen haben

2.10 Uhr: Rentner Rolf Müller beobachtet, wie das zweite Brückenelement auf dem Widerlager befestigt wird. Der pensionierte Konstrukteur interessiert sich für Technik. Er kennt die Baustelle bestens. «Ich fahre regelmässig mit dem Fahrrad vorbei und kann somit die Arbeiten laufend beobachten. Dieses Schauspiel muss man gesehen haben.»

Perspektivenwechsel

2.50 Uhr: Marco Renggli, Lokomotivführer, steht ebenfalls in der Zuschauerzone. Kurz vor 1 Uhr führte er eine S-Bahn als einen der letzten Züge vor dem Unterbruch an der Baustelle vorbei. «Im Radio hörte ich, dass heute Nacht gearbeitet wird. Es ist speziell, sich die Baustelle nun von oben anzuschauen.» Renggli fügt an, dass eine derartige Baustelle auch für die Lokomotivführer kritisch sei, weshalb sie als «Langsamfahrstelle» gelte.

Bunt gemischt

Ein bunt gemischtes Publikum opferte in dieser Nacht seinen wohlverdienten Schlaf. Junge, technisch interessierte Berufstätige, viele Rentner und Anwohner, Lokomotivführer und Polizisten: Sie alle wollten sich das Spektakel in Lenzburg nicht entgehen lassen.