Basel
Das Basler Feuerwerk ist doppelt ferngesteuert

Das Basler Feuerwerk kommt seit 1992 aus dem luzernischen Neudorf und wird ferngesteuert gezündet.

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Feuerwerk

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Franz Osswald

Heute Morgen um fünf Uhr in der Früh ging das Basler Feuerwerk für die 1.-August-Feier am Rhein per Lastwagen auf die Reise: von Neudorf in die Altstadt sozusagen. Denn aus «Nüderef» mit zwei verschluckten «e», wie die Einheimischen ihr Dorf nennen, kommt der Feuerzauber, der heute wieder Tausende begeistern wird. Im Rheinhafen werden die 35 Paletten Feuerwerk auf die beiden Schiffe «Kiesueli» und «Schwägalp» per Kran verladen und dort montiert. Am Abend erst werden die Schiffe ihre Positionen zwischen Johanniterbrücke, Mittlerer Brücke und Wettsteinbrücke einnehmen.

25 Minuten und zehn Sekunden wird der Feuerzauber dauern. Um die Choreographie für das Lichtermeer am Himmel zu kreieren, waren rund 25 Stunden nötig. Toni Bussmann, Besitzer und «Chefdramaturg» der Bugano AG: «Für eine Minute Feuerwerk muss ich eine Stunde Planungszeit einrechnen.» Nun könnte man vermuten, dass er dazu ein Computerprogramm verwendet, das ihm seine Ideen visualisiert. Mitnichten. «Ich kenne jede Bombe und weiss, was miteinander harmoniert», erklärt der begeisterte Feuerwerker. Toni Bussmann spielt gerne mit Farbenthemen und geometrischen Formen. Am heutigen Abend wird in Basel erstmals eine Eigenentwicklung zu sehen sein: der Seerosenteppich. Er wird aber nur für jene zu bestaunen sein, die Sicht aufs Wasser haben.

Diese hat mit Sicherheit Zündmeister Daniel Abbühl. Das Basler Feuerwerk wird nämlich von den Zinnen der Kaserne her ferngesteuert gezündet. Wenn Toni Bussman vorhin von «Bomben» gesprochen hat, dann entspricht dies dem Aussehen der «Raketen», die in den Basler Himmel geschossen werden. Sie haben die Grösse und Form einer Kokosnuss, die mit einer Zündschnur versehen ist. Dieses Power-Paket wird dann in einer Röhre versenkt, von wo aus die Reise in die Höhe abgeht. Das Basler Feuerwerk ist somit gleich doppelt ferngesteuert: In Neudorf geplant und aus der ferne gezündet.

Weihnachten für Feuerwerker

Der 1. August ist für die Bugano AG im luzernischen Neudorf wie Weihnachten für andere Branchen. «70 Prozent des Umsatzes machen wir in diesen Tagen», erklärt Toni Bussmann. Wer nun denkt, die fetten Zahlen würden mit den grossen Feuerwerken gemacht, irrt gewaltig. «Den Löwenanteil machen die Kleinbezüger aus. Feuerwerk ist Lebensfreude, die sich jeder leisten kann», sagt Bussmann und: «Die Finanzkrise schlägt sich für uns nicht so stark nieder. Schlechte Zeiten sind für uns Regenperioden und grosse Trockenheit.»

Der Firmenchef kam in der Feuerwerkabteilung von «Johnson & Johnson» auf den Geschmack, lernte das Handwerk in Italien und Spanien und gründete schliesslich die eigene Firma. Heute ist der Feuerzauber des Familienunternehmens in Shanghai, Taiwan oder Abu Dhabi ebenso zu sehen wie an den 25 grossen Feuerwerken, die «Bugano» am 1. August in der ganzen Schweiz zündet.

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