Das Aus fürs Wintersportlager St. Moritz

Das Wintersportlager 2009 mit körperbehinderten deutschen Jugendlichen war das letzte dieser Art. Die Kanti Wettingen kann es sich nicht mehr leisten.

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Aargauer Zeitung

Markus Dasen

Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Wettingen und körperbehinderte Jugendliche der Stephen-Hawking-Schule im deutschen Neckargemünd haben im Februar eine Woche zusammen im St. Moritzer Schnee verbracht (die AZ berichtete). Psychologie-Lehrer Werner Graf hat das Lager, das 1980 erstmals in Obersaxen und seit 1988 im Hotel Randolins in St. Moritz durchgeführt wurde, 26-mal geleitet. Graf wollte die Leitung für den kommenden Winter an einen Lehrerkollegen abgeben. Seine Ablösung wird aber nie zum Einsatz kommen - das Lager ist aus Kostengründen gestorben.

Die Beherbergung kam die Schüler 2009 noch auf 330 Franken zu stehen. Aus der Offerte fürs Jugendhaus 2010 berechnen sich Beherbergungskosten von neu 530 Franken. Der langjährige und passionierte Leiter Graf hat mittlerweile resigniert: «Wir sehen keine Möglichkeit, für unsere Schülerinnen zusätzliche 200 Franken aufzubringen und neue Gönner zu finden.» Dieser Preisaufschlag um 60 Prozent folgt kurze Zeit nach einem Wechsel in der Direktion des 3-Stern-Hotels.

Rote Zahlen geschrieben

Die Randolins-Liegenschaft, die aus fünf Gebäuden besteht, wurde im Jahr 1954 vom Verein für evangelische Heimstätten mit Sitz in Zürich gekauft. Ziel des Pfarrers, der den Kauf angeregt hatte, war es damals, Jugendlichen und Familien aus ärmeren Verhältnissen günstige Ferien in der guten St. Moritzer Luft zu ermöglichen. In den vergangenen Jahren haben sich immer wieder Defizite ergeben, weil zu wenig Gäste im «Randolins» beherbergt werden konnten. Die seit 2008 amtierende Direktion ist jetzt aber daran, mittels marktgerechter Preise die Defizite früherer Jahre zu kompensieren.

In einem ausführlichen Schreiben an die Gönner hat Lehrer Graf über den Entscheid, das sozial wertvolle Lager nach 28 Jahren aufzugeben, informiert. Darin drückt er auch seine Enttäuschung über die neue Hotel-Philosophie aus: «Von der ursprünglichen Idee und vom christlichen Geist bleibt im Hotel des evangelischen Trägervereins leider nichts mehr übrig.» Weder das Hotel Randolins noch der Verein für evangelische Heimstätten haben auf Grafs Schreiben reagiert.

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