Gundi Klemm

Gar nicht abwegig war die Überlegung des Gemeinderates Gerlafingen, die bis jetzt im bernischen Wiler endende S-Bahn-Bern um vier Fahrminuten bis Gerlafingen auszudehnen. Denn das würde, so Gemeindepräsident Peter Jordi, die örtliche Standortgunst deutlich steigern. Doch Andreas Scherrer, Leiter der Angebotsentwicklung bei der BLS, zeigte im Gemeinderat auf, dass dieser Wunsch zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht erfüllbar ist.

Er durchleuchtete ausführlich das bestehende Angebot im 30-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten und im Stundentakt in den Randzeiten in Richtung Solothurn und nach Burgdorf, wo durch Umsteigen ein schneller Anschluss nach Bern möglich ist.

Die Gründe, dass die von Thun durchs Gürbetal über Bern fahrende Linie S 44 nicht weitergeführt werden kann, erläuterte er in der zeitlichen Vernetzung der Anschlüsse an den Fernverkehr und in der Taktlage, die viele Abhängigkeiten berücksichtigen muss. Die Wendezeit in Wiler benötigt laut Scherrer sieben Minuten, die nicht ausreichen, um auch noch nach Gerlafingen zu fahren.

Hohe Kostenfolge

Ein Anschluss würde auch bedeuten, dass das gesamte Konzept zu ändern sei, indem eine zusätzliche Fahrzeugkombination eingesetzt werden müsste - mit entsprechender Kostenfolge. Die gegenwärtig nicht so grosse Nachfrage bezüglich Fahrten Richtung Süd im Bahnhof Gerlafingen scheint ebenso ein Argument zu sein. Langfristig allerdings könnten sich die allgemeinen Rahmenbedingungen durch Teilergänzungen der S-Bahn-Bern Richtung Solothurn verbessern.

Nötig dazu sei ein Infrastrukturausbau der solothurnischen Bahnhöfe an der jetzt noch eingleisigen Strecke. Erwartet wird auch, dass sich die Anschlusszeiten an die Fernverkehrszüge am Jurasüdfuss durch Fahrzeitverkürzende Tunnelbauten um eine Viertelstunde verschieben. Dann - frühestens ab 2020 - hätte der Gerlafinger S-Bahn-Anschluss wieder eine Chance.

Ludwig Dünbier, solothurnisch-kantonaler Verantwortlicher für den öffentlichen Verkehr, begrüsste diese Perspektive. Sein bernischer Kollege Daniel Schwarz betonte den guten Willen und verneinte in der Nichtberücksichtigung von Gerlafingen im S-Bahn-Angebot jeglichen «Kantönli-Geist».

Aufstockung der Bauverwaltung

Gegenwärtig analysiert Ulrich Bucher vom Verband Solothurner Einwohnergemeinden auf Wunsch des Rates die Behörden- und Verwaltungsstrukturen. Durch dauerhafte Überbelastung im Bauwesen steht dieser Bereich im besonderes Fokus. Denn dessen 200-prozentige Stellendotierung in der Verwaltung reicht nicht zur Bewältigung der erheblichen Aufgaben aus.

«Die Überbelastung hat ein besorgniserregendes Ausmass angenommen», unterstrich Jordi die nötige Stellenerweiterung. Die Ratsfraktionen waren sich grundsätzlich einig, dieses Vorhaben, nicht zu «torpedieren». Um allerdings eine gangbare Lösung zu finden - ob vorerst befristete Stelle oder auswärtig eingekaufte Unterstützung - erwartet der Rat eine vertiefte Analyse.