Atomkraftwerk

Das Atomkraftwerk Leibstadt erhöht seine Leistung

Das grösste Atomkraftwerk im Land wird noch grösser: Dank Investitionen von 100 Millionen Franken macht Leibstadt bald 1200 Megawatt Strom. Der Reaktor bleibt unverändert, aber neue Turbinen steigern die Effizienz.

Hans Lüthi

Mit Volldampf hat das Kraftwerk Strom produziert, 24 Stunden am Tag und 11 Monate lang ohne jeden Unterbruch. Während 8010 Stunden flossen 1165 Megawatt elektrische Energie ins Netz und lieferten damit 15 Prozent des landesweiten Verbrauchs. «Wir sind das grösste Kernkraftwerk der Schweiz und versorgen eine Million Haushaltungen», sagt Kraftwerkleiter Andreas Pfeiffer. Im Vergleich zu Holz oder Öl hat Uran eine ungeheure Energiedichte, für eine Jahresleistung genügen 25 Tonnen. Das entspricht einem Würfel von nur einem Kubikmeter Inhalt.

Einbau neuer Komponenten

Der rekordlange Stillstand von sieben Wochen dient neben den üblichen Revisionen einem grossen Ziel: einer Verbesserung der Effizienz, um ab 16. September noch mehr Strom machen zu können. Dazu wird allerdings der nukleare Teil nicht vergrössert, der Einsatz von 126 neuen Brennelementen in den Reaktor und die Erneuerung von ein paar Steuerungsstäben genügen.

Die grossen Baustellen befinden sich im Maschinenhaus und in der Umgebung. Vor allem die drei neuen Niederdruckturbinen, von Alstom in Birr gefertigt und geliefert, bringen viel. Dank des technischen Fortschritts sind aerodynamische Optimierungen und dreidimensionale Schaufeln möglich.

Optisch fallen sie dem Laien nicht gross ins Auge, aber die Wirkung ist frappant: Um 25 Megawatt nimmt die elektrische Leistung zu, allein das ergibt zusätzlich Strom für 50000 Haushaltungen. Nicht ersetzt wird die schon einmal ausgewechselte Hochdruckturbine. «Die Abnützungen und der technische Fortschritt sind hier geringer», betont Andreas Pfeiffer.

Ausrichtung auf 60 Jahre Betrieb

Die höhere Turbinenleistung ruft nach weiteren Anpassungen, die Niederdruckvorwärmer müssen ebenfalls ersetzt werden. Lieferant ist Alstom in Baden, die 36 Tonnen schweren Kessel sind per Schwertransporter nach Leibstadt gebracht worden. Bereits installiert und in Betrieb sind die Blocktransformatoren, drei Stück, plus einer in Reserve, um den erzeugten Strom auch ins Netz zu bringen. Dieses Teilprojekt kostet 30 Millionen Franken, die neuen Transformatoren sollen mindestens 40 Jahre Lebensdauer haben.

Das KKL hat letztes Jahr sein 25-jähriges Bestehen gefeiert, «alle Investitionen richten sich darauf aus, das Kraftwerk 60 Jahre lang sicher betreiben zu können». Von einer längeren Laufzeit über 2045 hinaus oder von einem Ersatz-Kraftwerk will Pfeiffer nichts wissen. In den USA gebe es zwar Bestrebungen, die Laufzeiten bis 70 oder 80 Jahre zu verlängern. «Aber das ist bei uns kein Thema, diese Frage stellt sich erst in 20 Jahren», präzisiert der Kraftwerkleiter.

Investitionen in die Mitarbeiter

Auffallend ist der in wenigen Jahren um 25 Prozent gestiegene Personalbestand. Heute sind in Leibstadt rund 500 Personen tätig, dazu 14 Lernende in drei Berufen. Der gezielte Personalaufbau ist Absicht, für die vielen grossen Projekte benötige das Kraftwerk auch mehr Leute, zudem zeichne sich ein Generationenwechsel ab. 70 Mitarbeitende sind über 60 Jahre alt und viele seit über 25 Jahren im Unternehmen.

Ihr Wissen und ihre Erfahrung müssten jetzt sukzessive den jüngeren Leuten vermittelt werden. Mit zwölf Prozent Anteil wirken sich die Personalausgaben nicht entscheidend auf die Produktionskosten aus. Das Durchschnittsalter beträgt 48 Jahre, die Fluktuationsrate ist sehr tief, weil das KKL als Arbeitgeber einen guten Namen hat.

Weitere Projekte in der Schublade

Mit 3600 Megawatt thermischer und 1200 MW elektrischer Leistung ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. «Wir haben einige Projekte in Planung und können diese Schwelle bis 2015 sicher deutlich überschreiten», versichert Pfeiffer. Bei weniger als 6 Rappen Produktionskosten nehmen die Besitzer, alle grossen Stromverteiler, die zusätzlichen Kilowattstunden noch so gerne, um den steigenden Bedarf decken zu können.

Meistgesehen

Artboard 1