Tanzkurse
«Darf ich bitten» ist wieder mehr im Trend

Mit dem Aufkommen der Discos in den 70er-Jahren kamen Gesellschaftstänze etwas aus der Mode. Jetzt zeichnet sich eine Trendwende ab. Auch in Aarau und auch bei jungen Leuten.

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«Darf ich bitten» ist wieder mehr im Trend

«Darf ich bitten» ist wieder mehr im Trend

Toni Widmer

Tanzmusiker können ein Lied davon singen: Wenn junge Leute in den vergangenen Jahrzehnten einen Wunsch bei ihnen deponierten, dann betraf dieser kaum eine Melodie aus dem klassischen Tanzmusik-Repertoire. Begehrt waren vielmehr jene eintönigen Songs, die sich lediglich im Text, nicht aber in Melodie und Metrum unterscheiden. «Früher musste ein Drummer zwei Dutzend Rhythmen beherrschen, bis er einigermassen bei den Leuten war. Heute ist er schon ein kleiner König, wenn er den Disco-Fox drauf hat», klagte deshalb vor Jahren ein Schlagzeuger mit jahrzehntelanger Tanzmusik-Erfahrung.

Besserung ist in Sicht. Immer mehr sind an Unterhaltungsabenden und anderen Festivitäten wieder jene Orchester oder DJs gefragt, die mehr draufhaben als Hüttenhits und Disco-Fox. Der klassische Gesellschaftstanz ist zunehmend wieder in Mode. Insbesondere die zu den lateinamerikanischen Tänzen gehörenden Rumba und Cha- Cha-Cha sind bei jüngeren Leuten wieder hoch im Kurs, ebenso die Standardtänze Tango, Slowfox und English Waltz.

Tanzlehrerin bestätigt Trend

Die Trendwende bestätigt auch Tanzlehrerin Babs Gattlen, die mit ihrer gleichnamigen Tanzschule «Zwischen den Toren» in Aarau am 13. Januar ihr 20-Jahr-Jubiläum gefeiert hat. «Der Gesellschaftstanz ist nie aus der Mode geraten», sagt sie zwar, redet aber von einem Wellental: «In den 90er-Jahren habe ich einmal in der gleichen Woche mit drei Grundkursen begonnen und im jedem Kurs waren 15Tanzpaare eingeschrieben. Das hat sich im Laufe der Jahre verändert. Die Belegung der Anfängerkurse ist zurückgegangen, jene in den Kursen für Fortgeschrittene gestiegen. Inzwischen wollen aber wieder deutlich mehr Leute den Gesellschaftstanz erlernen.»

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Konzentrationswoche, die Babs Gattlen mit Schülerinnen und Schülern der Bezirksschule Windisch schon seit Jahren durchführt. Dieses Jahr machten 30 Jugendliche mit und zeigten sich am Ende begeistert: «Anfänglich gibt es beim Paartanz etwas Berührungsängste. Doch die Teenager legen ihre anfängliche Scheu bald ab, machen mit und werden kreativ.»

Kursteilnehmer von 16 bis 66

Gelegentlich, erklärt Gattlen, gäbe es ein paar Jahre nach der Konzentrationswoche ein Wiedersehen mit ehemaligen Teilnehmern: «Schon mehrmals belegten junge Herren später mit ihrer ersten Freundin bei mir einen Tanzkurs.»

Überhaupt, sagt die Tanzlehrerin, die ihren Beruf nach wie vor mit viel Leidenschaft und Herzblut lebt, hätte sich die Zusammensetzung in ihren Kursen in den letzten Jahren verändert: «Früher lag das Alter in den Kursen zwischen 30 und 40 Jahren. Vielleicht machte mal ein jüngeres Pärchen mit, welches sich auf den baldigen Hochzeitstanz vorbereiten wollte. Heute führe ich Kurse mit Leuten, die mehrheitlich zwischen 16 und 66 Jahre alt sind. Nach oben ist die Grenze offen, mein ältester Tanzschüler ist über 80 Jahre alt.»

Gefragt sind bei Babs Gattlen neben den traditionellen Gesellschaftstänzen aber nach wie vor insbesondere Disco-Fox und Jive sowie die aktuellen Modetänze. Die Tanzlehrerin legt in ihren Kursen nicht nur Wert darauf, dass ihre Schülerinnen und Schüler den perfekten Schritt erlernen. Sie legt nach wie vor auch Wert auf entsprechende Umgangsformen: «Ich finde es immer noch schön, wenn ein Herr eine Dame mit Stil zum Tanz auffordert, sich danach bedankt und die Tanzpartnerin an den Platz begleitet.»

Ein Paar, das mit Stil tanze, fühle sich anders, sagt Gattlen. Die Stimmung sei besser, die Haltung perfekter und dadurch werde es auch einfacher, eine Dame zu führen: «Es ist mehr Spannung in den Körpern und dadurch wird der Genuss beim Tanzen spürbar grösser.»

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