Damit die tatsächlich Bedürftigen Sozialhilfe erhalten

Stefan Liembd, seit 1. Oktober 2009 Leiter der Sozialabteilung in Affoltern. (Bild Werner Schneiter)

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Stefan Liembd, seit 1. Oktober 2009 Leiter der Sozialabteilung in Affoltern. (Bild Werner Schneiter)

Vom Gespräch mit Sozialhilfeempfängern bis zur Fremdplatzierung im Vormundschaftsbereich: Das Tätigkeitsfeld von Stefan Liembd, seit Oktober Leiter der Sozialabteilung in Affoltern, ist breit und nicht immer einfach begehbar.

Die Sozialabteilung der Gemeinde Affoltern ist mit Blick auf die nackten Zahlen ein happiger Budgetposten: Vom Gesamtaufwand der Gemeinde von knapp 55 Mio. Franken entfallen auf die Sozialabteilung 16,3 Mio. Franken; netto verbleiben dort Kosten von etwa 6,8 Mio. Franken.

Nicht allein Zahlen sagen etwas aus über die Bedeutung der Sozialabteilung. Denn hier geht es ausschliesslich um Menschen und deren Schicksale. Das setzt nicht nur ein streng gesetzeskonformes Vorgehen voraus, sondern auch Einfühlungsvermögen, Verhandlungsgeschick. Menschenkenntnisse schlechthin. Das Anforderungsprofil an den Leiter dieser Abteilung ist denn auch von besonderer Bedeutung. Stefan Liembd, zuvor acht Jahre bei den Sozialen Diensten der Stadt Zürich tätig, nimmt die Aufgabe in Affoltern seit dem 1. Oktober 2009 wahr. Der ausgebildete Sozialpädagoge ist also auch mit entsprechender Erfahrung ausgerüstet.

Missbrauch, aber kein grösserer Schaden

Dass die tatsächlich Bedürftigen Sozialhilfe erhalten - das ist einer von zahlreichen Leitsätzen der Sozialabteilung. Nach den medial thematisierten Ereignissen liegt natürlich auch in Affoltern die Frage nach Missbrauch von Sozialhilfe auf der Zunge. Die Gemeinde hat mit einer externen Firma vor zwei Jahren einen Vertrag abgeschlossen. Diese überprüft bei Verdacht. «Wir hatten Missbräuche, die Fälle jedoch aufdecken können, bevor grosser Schaden entstanden ist», sagt Stefan Liembd. Es kommt vor, dass Schwarzarbeit nicht deklariert wird oder Vermögenswerte nicht angegeben werden. Zu Anzeigen ist es in Affoltern bisher noch nie gekommen - dies bei über 300 Leuten, die im Bezirkshauptort Sozialhilfe beziehen, eine Zahl, die vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise wahrscheinlich weiter steigen wird. «Missbrauch bringt man nie ganz weg», fügt Liembd bei; man diskutiere derzeit über eine Vertragsverlängerung mit der externen Firma um ein Jahr.

Vormundschaft - ein sensibler Bereich

Fachlich und personell trägt der Leiter der Sozialabteilung auch für die AHV-Zweigstelle, für das Amt für Zusatzleistungen, die Jugendarbeit und für die Kinderkrippe die Gesamtverantwortung. Besonders sensibel ist der Bereich Vormundschaft, wo Stefan Liembd die Aufgabe des Sekretärs wahrnimmt. Er bereitet dabei Beschlüsse zuhanden des gemeinderätlichen Sozialausschusses vor; er prüft Rechenschaftsberichte, die in der Regel alle zwei Jahre angefertigt werden. Er berät Sozialvorstand Walter Dürr in sozialpolitischen Fragen und bereitet zuhanden des Gemeinderates Anträge und Beratungsgeschäfte vor. Anhörungen bei Vormundschaftsfragen, Massnahmen überdenken und diese den Betroffenen im persönlichen Gespräch darlegen - und womöglich klarmachen müssen, dass die Fremdplatzierung eines Kindes von einer zerrütteten Familie oder die Vormundschaft für einen Erwachsenen unumgänglich ist. Das sind heikle Momente, die neben fachlichen und gesetzlichen Kenntnissen eine grosse Portion an Fingerspitzengefühl und eine äusserst seriöse Vorgehensweise erfordern. Letztlich gilt es zu prüfen, ob die angeordneten Massnahmen auch richtig umgesetzt werden. «Im Bereich Kindesschutz/Familie darf man nicht warten, bis es nicht mehr geht. Ziel muss immer der Verbleib eines Kindes in der Familie sein», sagt Stefan Liembd.

Es versteht sich von selbst, dass sogenannte Einvernahmen, die vom Leiter der Sozialabteilung geführt werden, gut vorbereitet werden müssen, dass rechtliches Gehör verschafft und gut erklärt werden muss, warum diese und jene Massnahme notwendig ist. Bei diesen Gesprächen ist auch immer ein Vertreter des Sozialausschusses dabei. Am Schluss dieser Vorgehensweise steht dann ein Antrag - zum Beispiel Fremdplatzierung eines Kindes - an den Sozialausschuss der Gemeinde. Und der Beschluss des Sozialausschusses ist rekursfähig und geht in diesem Fall an den Bezirksrat.

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